Der gesamtstaatliche Rahmen ist klar vorgegeben: Die Schlussverkäufe beginnen am ersten Werktag vor dem Dreikönigstag – heuer also am 3. Jänner. Die große Mehrheit der Regionen, von der Lombardei bis nach Sizilien, folgt diesem Termin, meist mit einer Dauer von sechs bis acht Wochen.<h3> Aosta zieht Beginn vor, Trentino überlässt Entscheidung dem Markt</h3>Eine Ausnahme bildet das Aostatal: Dort starteten die Rabatte bereits gestern und laufen bis Ende März. Möglich ist das, weil die Region – wie Südtirol – eigene Zuständigkeiten nutzt.<BR /><BR />Noch weiter geht das Trentino. In der Nachbarprovinz sind Schlussverkäufe vollständig liberalisiert: Händler entscheiden selbst über den Start ihrer „Saldi“, die maximale Dauer beträgt 60 Tage. Einheitliche Termine gibt es nicht mehr. Ziel ist maximale unternehmerische Flexibilität – mit dem Risiko, dass vor allem große Handelsketten den Takt vorgeben.<h3> Der Südtiroler Weg </h3>Südtirol verfolgt handelspolitisch eine andere Logik: weder vollständige Liberalisierung noch starre Anpassung an italienische Vorgaben. Die Termine werden von der Handelskammer Bozen in Abstimmung mit den Wirtschaftsverbänden festgelegt. Der hds verteidigt dieses Modell seit Jahren. Die Argumentation ist klar: Einheitliche, etwas spätere Starttermine schützen das reguläre Weihnachts- und Wintergeschäft, schaffen Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten und sichern faire Wettbewerbsbedingungen – insbesondere für kleine und familiengeführte Betriebe. Eine völlige Freigabe würde nach Einschätzung des Verbandes vor allem großen Handelskonzernen nützen: Beginnen diese früh mit Rabatten, geraten kleinere Händler unter Zugzwang – selbst wenn ihre Kalkulation das eigentlich nicht erlaubt.<BR /><BR />Hinzu kommt die touristische Struktur des Landes: In 15 stark tourismusgeprägten Gemeinden – etwa in Gröden oder im Gadertal – beginnt der Schlussverkauf erst am 7. März und läuft bis 4. April. Auch das ist Teil des Südtiroler Sonderwegs: Handel und Saison sollen zusammenpassen, nicht kollidieren.<h3> hds tauft den Schlussverkauf um</h3>Apropos Schlussverkauf: Davon verabschiedet sich der hds nun zumindest sprachlich. Künftig sollen Kundinnen und Kunden von „Winter-Vorteilswochen“ sprechen. „Wir wollen weg vom Gefühl eines Schlusses – und hin zu einer positiven Botschaft: Wintervorteile sind eine Einladung, Qualität und Lieblingsstücke der Saison bewusst und preisattraktiv in unseren Orten zu entdecken“, erklärt hds-Präsident Philipp Moser.<h3>Das Schnäppchen-Budget</h3>Ob Schlussverkauf oder Winter-Vorteilswochen – am Ende zählt, wie viele tatsächlich in die Läden kommen. Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage für Confesercenti interessieren sich neun von zehn Verbrauchern in Italien dafür; angepeilt wird ein ein Umsatzvolumen von bis zu sechs Milliarden Euro. Der stationäre Handel bleibt dabei zentral: 87 Prozent planen Einkäufe im Geschäft, mehr als die Hälfte kombiniert allerdings bereits Laden und Online-Kauf. Wer ein Budget festgelegt hat, rechnet im Schnitt mit Ausgaben von rund 292 Euro pro Person. Gleichzeitig bleibt die Kaufentscheidung stark preisgetrieben: Mehr als jeder Zweite entscheidet sich laut Studie nur bei besonders attraktiven Angeboten für einen Kauf – ein Zeichen dafür, wie stark Vorab-Rabatte und Daueraktionen den klassischen Schlussverkauf aushöhlen.