Südtirols Wirtschaft steht insgesamt solide da, doch zwei Schwachstellen erweisen sich als hartnäckig: Zum einen die vergleichsweise geringe Produktivität, die mitverantwortlich dafür ist, dass die Löhne nicht im selben Maß steigen können, wie es angesichts der hohen Lebenshaltungskosten nötig wäre. Zum anderen die niedrige Forschungs- und Entwicklungsquote – jener Indikator, der viel über die künftige Innovationskraft einer Region aussagt.<BR /><BR />Bei Forschung und Entwicklung landet Südtirol regelmäßig unter „ferner liefen“. 2023 flossen laut Astat 213,1 Millionen Euro in betriebsinterne F&E – um 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Quote lag damit bei lediglich 0,66 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Seit dem Höchstwert von 0,90 Prozent im Jahr 2020 ist sie nun drei Jahre in Folge gesunken. Damit bleibt Südtirol klar unter dem EU-Ziel von drei Prozent und auch unter dem gesamtstaatlichen Durchschnitt. Zum Vergleich: Nordtirol erreicht die EU-Marke bereits, das Trentino liegt mit rund 1,5 Prozent immerhin doppelt so hoch wie Südtirol.<BR /><BR />Neu ist dieser Abstand nicht – und doch stellt sich die Frage: Warum hinken wir so hinterher? „Die Ursachen liegen weniger im fehlenden Willen als in den Besonderheiten Südtirols“, erklärt Luciano Partacini, Direktor des Amtes für Wirtschaftsinformation beim Wifo der Handelskammer Bozen. „Südtirols Wirtschaft tickt anders als jene der Nachbarregionen – und das erklärt den Rückstand bei Forschung und Entwicklung. Während in Nordtirol und im Trentino mehr größere Industriebetriebe angesiedelt sind, auch in technologie- und pharmaorientierten Branchen, prägen in Südtirol kleine Unternehmen das Bild. Tourismus, Landwirtschaft und Handwerk dominieren – Bereiche, die naturgemäß weniger forschungsintensiv sind. Natürlich gibt es auch größere Unternehmen, etwa im Automotive-Bereich, aber sie fallen in der Gesamtheit weniger ins Gewicht.“<BR /><BR />Auch die wissenschaftliche Infrastruktur ist im Vergleich jung. „Ja, Südtirol hat eine Universität – aber eine kleine und noch nicht so lange bestehende. Gleiches gilt für andere Forschungseinrichtungen im Land. In den letzten Jahren ist zwar viel passiert, doch bis sich diese Fortschritte in den Zahlen niederschlagen, braucht es Zeit“, so Partacini. <BR /><BR />Die Politik habe erkannt, dass die Stärke einer Region langfristig auch davon abhängt, wie viel in Forschung investiert wird. „Die Politik kann aber nur den Rahmen und Anreize schaffen, entscheidend ist, dass auch in den Betrieben ein neues Bewusstsein wächst.“ Ein möglicher Motor könnte die ökologische Transformation sein: „Sie zwingt viele Branchen, sich neu aufzustellen – und das kann einen Innovationsschub für das Land auslösen.“<BR /><BR />Wichtig sei zudem, Innovation breiter zu verstehen. „Forschung ist sicher zentral, aber nicht der einzige Aspekt“, so Partacini. „Oft geht es darum, bestehende Technologien oder Verfahren kreativ auf den lokalen Markt zu übertragen. Ein Handwerksbetrieb, der digitale Abläufe einführt, oder ein Tourismusunternehmen, das Nachhaltigkeit und regionale Besonderheiten verbindet – auch das ist Innovation.“