Wer 2025 investiert war, hat in vielen Fällen gut geschlafen. Aktien legten deutlich zu, Edelmetalle glänzten wie selten zuvor, selbst klassische Rohstoffe überraschten positiv. Das betrifft längst nicht nur Aktionäre mit Einzeldepots: Über Fonds, ETF und Vorsorgeprodukte sind heute sehr viele Haushalte am Kapitalmarkt beteiligt – oft ohne es täglich zu merken. Sobald Aktien enthalten sind, schlägt die Börse eben direkt auf das private Vermögen durch.<h3> Aktien: stark – aber nicht überall gleich</h3>Unterm Strich war 2025 ein gutes Aktienjahr. „Allerdings eines mit zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten“, sagt Armin Weissenegger, Leiter Finanzen & Treasury bei der Sparkasse. Zu Jahresbeginn hatten europäische Börsen klar die Nase vorne. Die aggressive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump – angekündigt im April – sorgte für Nervosität in den USA und spielte Europa kurzfristig in die Karten. In der zweiten Jahreshälfte konnten die Amerikaner wieder Boden gut machen.<BR /><BR />Die nackten Zahlen zeigen, wie dynamisch das Börsenjahr war: Der DAX gewann 23 Prozent, der Euro Stoxx 50 17,5 Prozent. Besonders auffällig: Österreich und Italien. Der ATX in Wien schoss um 44 Prozent nach oben, der FTSE MIB in Mailand um mehr als 30 Prozent. „Treiber in Europa waren vor allem Banken und Versicherungen“, erklärt Weissenegger – eine Branche, die lange unterschätzt wurde und 2025 ein fulminantes Comeback feierte.<BR /><BR />Auch global gesehen ging es klar bergauf: Der S&P 500 legte 16,4 Prozent zu, der Nasdaq 20,5 Prozent, der MSCI World sogar 21,1 Prozent. Künstliche Intelligenz blieb das alles überragende Thema. Doch aus europäischer Sicht hat dieses Bild einen Haken: die Währung. „Der Dollar hat gegenüber dem Euro rund 12 Prozent verloren“, sagt Weissenegger. „Damit schrumpfen 17 Prozent S&P-Rendite am Ende zu nur knapp vier Prozent in Euro. Kein Grund zur Panik – aber eine Erinnerung daran, dass Währungen Renditen spürbar verzerren können.“<h3> Gold glänzt – Silber explodiert</h3>In Dollar wird auch Gold gehandelt – und trotzdem war 2025 ein Ausnahmejahr. Gold legte um 65 Prozent in Dollar zu, in Euro immer noch um rund 45 Prozent. Silber setzte dem Ganzen die Krone auf: plus fast 120 Prozent in Euro, das beste Jahr seit 1979. „Gold profitierte stark von Käufen der Schwellenländer, die sich unabhängiger vom Dollar machen wollten“, so Weissenegger. Silber hingegen folge einer anderen Logik: „Es ist viel stärker ein Industriemetall – und extrem schwankungsanfällig.“ Tatsächlich vergingen rund 45 Jahre, bis Silber sein Hoch von 1980 nachhaltig hinter sich lassen konnte. Auch Palladium und Platin mischten 2025 weit vorne mit.<h3>Anleihen solide, Krypto nicht</h3>Staatsanleihen lieferten insgesamt ordentliche, wenn auch unspektakuläre Ergebnisse. Ganz anders Kryptowährungen. Bitcoin schaffte zwar im Oktober ein neues Allzeithoch, rutschte danach aber deutlich ab. Das Jahresfazit: minus fünf Prozent in Dollar, minus 17 Prozent in Euro. „Bitcoin ist ein bisschen wie digitales Gold, ein bisschen wie Aktienmarkt auf Steroiden – 2025 war es am Ende weder noch“, sagt Weissenegger. Der bekannte Vier-Jahres-Zyklus nach dem Halving spreche dafür, dass die Korrekturphase 2026 anhalten könnte.<h3>Ausblick: mehr Bewegung, weniger Rückenwind</h3>Und wie könnte es am Aktienmarkt weitergehen? „Blickt man nüchtern auf die Fundamentaldaten, spricht zunächst wenig gegen Aktien. Die Weltwirtschaft wächst moderat, nicht überhitzt, aber auch nicht im Abschwung. Die Unternehmensgewinne entwickeln sich weiter positiv, die Stimmung an den Märkten ist konstruktiv, ohne in Euphorie umgeschlagen zu sein. Rein rational betrachtet steht einem ordentlichen Börsenjahr nicht viel entgegen“, sagt Weissenegger.<BR /><BR />Gleichzeitig meldet sich jedoch das Bauchgefühl – und das fällt deutlich vorsichtiger aus. „Ich rechne eher mit einem unterdurchschnittlichen Jahr, vielleicht vier bis fünf Prozent Plus“, so Weissenegger. „Mehrere Faktoren sprechen für Zurückhaltung – vor allem im tonangebenden Markt USA. 2026 ist ein Midterm-Election-Jahr – historisch oft das schwächste Jahr in der Amtszeit eines US-Präsidenten.“ Dazu kommen laut dem Finanzmarktexperten – vor allem in den USA – teils hohe Bewertungen, und eine starke Marktkonzentration: Die größten zehn Aktien machen rund 38 Prozent des S&P 500 aus, die fünf größten allein etwa 30 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung. „Das bedeutet: Bei diesen Schwergewichten darf kaum etwas schiefgehen.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-73072940_quote" /><BR /><BR />Ein zentrales Fragezeichen bleibt die Künstliche Intelligenz. In den kommenden fünf Jahren sollen weltweit Investitionen von rund 2.500 Milliarden Euro in KI fließen – ein gewaltiger Betrag. Offen ist jedoch, ob sich die Gelder lohnen. „Ein Teil davon wird echtes Wachstum erzeugen, ein Teil können aber auch Abwehrinvestitionen sein, um Marktpositionen zu halten“, erklärt Weissenegger. Hinzu komme ein möglicher Kannibalisierungseffekt: „Nicht alle Unternehmen, die heute massiv investieren, werden davon gleichermaßen profitieren.“ Viel werde davon abhängen, welchen konkreten Nutzen Kunden aus KI-Anwendungen ziehen – und ob diese tatsächlich neue Umsätze generieren. <BR /><BR />Zudem dürfte das Marktumfeld deutlich volatiler werden. Gerichtsurteile zu Zöllen, geldpolitische Entscheidungen der US-Notenbank, politische Eingriffe, geopolitische Konflikte – all das verspricht ein ereignisreiches Jahr. „Die Dynamik der vergangenen Jahre, in denen der S&P 500 im Schnitt rund 14 Prozent pro Jahr zulegt, dürften vorläufig passé sein. Ich rechnet mit plus vier bis plus sechs Prozent.“<h3> Neue Chancen abseits der Tech-Werte</h3>Chancen sieht Weissenegger vor allem abseits der großen US-Techwerte. „Europa könnte profitieren, weil internationale Investoren verstärkt Regionen suchen, die weniger technologie¬lastig sind und in denen Bewertungen moderater ausfallen.“ Auch Japan sei interessant positioniert, ebenso ausgewählte Schwellenländer – vor allem als Diversifikationsbaustein, wenn auch mit höheren Schwankungen. China bleibe hingegen schwierig: „Das politische Risiko ist hoch, und die weltweiten Handelsbarrieren nehmen eher zu.“<h3> Breite Diversifikation und Cash-Reserve</h3>Die USA bleiben trotz allem ein wichtiger Bestandteil eines Portfolios – allerdings nicht mehr als klare Übergewichtung. „Breite Diversifikation nach Regionen, Sektoren und auch Währungen wird 2026 noch wichtiger“, betont Weissenegger. Wenn schon Sektorenwetten eingegangen werden, sollten diese regelmäßig überprüft und gegebenenfalls neu austariert werden. Und ein Punkt, der lange kaum eine Rolle spielte, gewinnt wieder an Bedeutung: Liquidität. „Eine gewisse Cash-Komponente zu halten, kann 2026 durchaus sinnvoll sein – nicht aus Angst, sondern um flexibel zu bleiben. Es könnten sich immer wieder interessante Möglichkeiten ergeben.“