Christbaumschmuck, Weihnachtskekse, Speck, Patschen – und natürlich Glühwein: Weihnachtsmärkte bieten von alldem ausreichend – und noch mehr. Die Christkindlmärkte im Land, die 5 oben genannten fasst der Tourismusvermarkter IDM unter der Bezeichnung „Original Südtiroler Weihnachtsmärkte“ zusammen, sind zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. <BR /><BR />„Die Märkte haben tatsächlich positive Auswirkungen auf viele Branchen – vom Handel über die Hotellerie und Gastronomie bis zum Dienstleistungssektor und zum Handwerk“, so Kurt Sagmeister, Head Product bei IDM, gegenüber diesem Medium. <h3> Die Ausgaben pro Kopf</h3>„Da gibt es zum einen direkte Einnahmen, also etwa jene der Stände. Wir wissen aus Erhebungen, dass Gäste am Markt an die 50 Euro ausgeben. Aber 8 von 10 Christkindlmarktbesuchern tätigen zusätzlich Ausgaben in der Stadt, die sogar mehr Wertschöpfung generieren als auf dem Markt, nämlich im Schnitt 90 Euro.“ <BR /><BR />Dazu kommen laut Sagmeister die indirekten Einnahmen, etwa durch die Hotelübernachtung oder Restaurantbesuche. Durch diese Einnahmen kann das Hotel dann wiederum Aufträge vergeben, etwa an Handwerker oder Dienstleister – das ist die sogenannte indizierte Wertschöpfung. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo der Handelskammer Bozen errechnete schon 2016 eine Gesamtwertschöpfung von 48 Millionen Euro. „Inflationsbedingt dürfte der Wert heute noch bedeutend höher liegen“, so Sagmeister. <BR /><BR />Die Zahlen zeigen, dass bei den Märkten als Betreiber durchaus Kaufkraft zu holen ist, wenn man mit dem richtigen Produkt, am richtigen Ort, die richtige Zielgruppe anspricht. <BR /><BR />Wie viel müssen die „Standl“-Pächter für ihre Präsenz hinblättern? Bei den Tarifen wird grundsätzlich unterschieden zwischen Gastronomieständen und Ständen fürs Handwerk und den Handel. Ein weiterer Faktor ist die Größe. Und natürlich beeinflusst auch die Gästefrequenz auf den einzelnen Märkten die Gebühr. <h3> Die Standmieten im Detail</h3>In Bozen, dem mit rund 70 Ständen und 900.000 Besuchern größten Weihnachtsmarkt im Land, belaufen sich die Kosten für die Miete einer Hütte auf 3030 Euro plus Mehrwertsteuer für handwerkliche Produkte. Dies teilt Roberta Agosti, Direktorin des Verkehrsamtes der Gemeinde Bozen, mit. „Lebensmittelverkäufer zahlen 3636 Euro, andere Händler 3484 Euro. Am einträglichsten, und daher auch teuersten, sind traditionell die Stände, die Speisen und Getränke anbieten.“ <BR /><BR />Kleine Gastronomiestände auf dem Bozner Markt kosten laut Agosti für die 40 Tage 8080 Euro, die 3 größten Gastro-Stände wurden mittels dreijähriger Ausschreibung vergeben – zu Preisen von rund 65.000, knapp 100.000 und 114.000 Euro pro Jahr (für die A-Lage am Waltherplatz). <BR /><BR />Der Weihnachtsmarkt in Meran ist mit rund 500.000 Besuchern der zweitgrößte in Südtirol. Bei der Standmiete unterscheidet die Kurstadt wie die anderen Märkte nach Art und Größe. Für einen Stand im Bereich Handwerk/Handel liegen die Tarife zwischen 3000 (für 6 Quadratmeter) und 6000 Euro (für 12 Quadratmeter) plus Mehrwertsteuer. <BR /><BR />Deutlich höher sind die Gebühren für Gastro-„Standln“: „Hierbei unterscheiden wir zwischen Ständen im Eigentum der Betreiber und jenen im Eigentum der Stadt“, so Ulrike Pertoll, Projektverantwortliche bei der Kurverwaltung Meran. <BR /><BR />„Wer die Hütte selbst besitzt, zahlt weniger Standgebühr, weil er sich ja selbst um den Auf- und Abbau sowie den Transport kümmern muss.“ Für 12 Quadratmeter, auf denen Essen und Trinken ausgegeben wird, liegen die Tarife zwischen 10.000 (mit eigener Hütte) und 13.000 Euro. Die Preisobergrenze bildet der 30-Quadratmeter-Stand beim Kurhaus. Der aktuelle Pächter blättert dafür 85.000 Euro plus Mehrwertsteuer jährlich hin. <BR /><BR />Die Vergabe erfolgte – wie in Bozen – mittels Ausschreibung. Der Mindestpreis der Gemeinde beim Wettbewerb um die größten Gastrostände lag bei 20.000 Euro (mit eigener Struktur) bzw. 30.000 Euro. „Dass ein Pächter bereit war, so viel draufzulegen, zeigt, dass entsprechend was drin ist, wenn man es gut macht und dahinter ist“, so Pertoll. <BR /><BR />In Brixen bewegen sich die Standmieten zwischen 3000 und 4000 Euro (Handel/Handwerk) sowie 18.000 bis 25.000 Euro – immer zuzüglich Mehrwertsteuer, wie Brixen Tourismus wissen lässt. „Der 3-Jahreszeitraum bei den Ausschreibungen läuft heuer aus. Im nächsten Jahr sollen die Kriterien und Tarife angepasst werden“, erklärt Direktor Werner Zanotti. <BR /><BR />In Bruneck zahlen Pächter für den Öffnungszeitraum 28. November bis 6. Jänner zwischen 2000 und 3000 Euro für Handel/Handwerk. Wer Essen und Trinken verkaufen will, entrichtet 4000 bis 6000 Euro – je nach Dimension des „Standls“, so Bruneck Kronplatz Tourismus. In Sterzing werden laut der örtlichen Tourismusgenossenschaft 2000 Euro für Handel/Handwerk und 5000 bis 10.000 Euro für Anbieter von Speisen und Getränken aufgerufen. <h3> Die schwierige Vereinbarkeit</h3>Wie aber hat sich das Angebot der größeren Märkte in den letzten Jahren verändert? Ulrike Pertoll von der Kurverwaltung Meran arbeitet seit 12 Jahren unter anderem für das Projekt Weihnachtsmarkt und hat die Entwicklung genau mitverfolgt. „In all den Jahren hat sich doch einiges geändert. Kleinere Handwerker und Händler aus Südtirol sind leider eher weniger geworden, dafür haben größere, heimische Anbieter sowie auch einige aus anderen Regionen Italiens zugenommen. Das ist etwas bedauerlich, aber wir haben darauf keinen Einfluss.“ <BR /><BR />Es scheitere nämlich weniger an den Kosten als an den Zeiten: „Es können sich viele eben zeitlich und organisatorisch nicht leisten, 40 Tage lang von morgens bis abends präsent zu sein und ihre eigentliche Haupttätigkeit bzw. den Betrieb zuhause zu vernachlässigen. Das aber sind die einheitlichen Regeln bei allen Weihnachtsmärkten. Ein Besucher soll jederzeit und an jedem Öffnungstag ein vollwertiges Angebot vorfinden; das hat schon alles seinen Sinn.“ <BR /><BR />Ansonsten hinterfrage man das Modell Christkindlmarkt ständig: „Wir setzen uns immer wieder damit auseinander, ob der Markt noch ein Gewinn für die Stadt ist, weil bekanntlich gewisse Kosten für Bürger und Umwelt entstehen. Bis jetzt war die Antwort darauf stets ein klares Ja.“ Das Modell sei aber ständig in Bewegung und werde weiterentwickelt.<h3> Die Marktbesucher</h3>Nicht geändert habe sich in den letzten Jahren die Besucherverteilung. Hauptsächlich sind es Italiener, die auf die Märkte strömen – Kurzurlauber oder Tagestouristen. „Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen eher nach Weihnachten und über Silvester. Bis dahin haben nämlich die Märkte in den jeweiligen Herkunftsländern geöffnet“, so Pertoll. <BR /><BR />„Natürlich versuchen wir generell, potenzielle Urlauber anzusprechen, die mehr Zeit für ihren Urlaub in Südtirol einplanen und somit auch eine höhere Wertschöpfung bringen. Die Christkindlmarkt-Gäste aus dem italienischen Raum kommen allerdings traditionell eher am Wochenende. Das zu ändern, ist nicht leicht“, sagt Kurt Sagmeister, Head Product bei IDM. <BR /><BR />„Der neue Weihnachtszug sollte dazu beitragen, das Verkehrsaufkommen an diesen Tagen etwas abzufedern und den Gästen eine nachhaltige Anreise auch für die Zukunft schmackhaft zu machen. Etwas anders ist die Situation bei Besucherinnen und Besuchern, die aus einer größeren Entfernung anreisen, wie etwa aus Deutschland oder Benelux. Hier wenden wir uns mit unserem Angebot an Menschen, die mehrere Seiten unseres Landes entdecken wollen – die Kultur, den kulinarischen Genuss, die Handwerkskunst, regionale Produkte. Diese Gäste bleiben in der Regel auch länger als ein Wochenende. Auch hier animieren wir dazu, mit dem Zug anzureisen.“<h3> Die Erwartungen</h3>Bleibt noch die Frage nach den Erwartungen fürs heurige Weihnachtsmarktgeschäft: „Wir sind allgemein positiv gestimmt.“ Ein Nachteil sei allerdings, dass der 8. Dezember auf einen Sonntag falle.