Wie er mit seinem Scheitern umgeht und welche Ratschläge er Unternehmern mit auf den Weg gibt, erklärt er im Interview mit s+.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Lanz, Sie sind jetzt Unternehmensberater. Wie kam es dazu?</b><BR />Gert Lanz: Ich habe mir nach dem Ausscheiden aus der Politik ein paar Monate Zeit genommen, um mich neu zu orientieren und wurde dann kontaktiert, ob ich mir vorstellen könnte, in diese Branche einzusteigen. Aufgrund meiner vorherigen Tätigkeiten habe ich viel Einblick in andere Betriebe bekommen und mich deshalb entschlossen, diesen Weg einzuschlagen.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-66242767_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was können Unternehmer von Ihnen lernen?</b><BR />Lanz: Dass es nicht reicht, eine gewisse Fachkompetenz mitzubringen. Ein Unternehmer muss auch immer den Blick nach außen offen halten, um auf Entwicklungen reagieren zu können. Das war mein Fehler, dass ich zu spät reagiert habe.<BR /><BR /><b>Dafür, dass Ihr Betrieb, Lanz Metall, schlussendlich in Konkurs ging, haben Sie seinerzeit vor allem den 7,5 Millionen Euro teuren Neubau der Produktionshalle im Jahr 2009 verantwortlich gemacht und die dann folgenden Krisenjahre…</b><BR />Lanz: Wir haben seinerzeit eine Investition getätigt, die zwar die richtige Entscheidung war, aber von der Dimension her zu groß. Zudem haben wir es danach, in den Jahren 2010 bis 2013, zu spüren bekommen, dass die Wirtschaft etwas geschwankt hat. Da wäre es wichtig gewesen, von Anfang an gewisse Entscheidungen anders zu treffen. Aber ich war nicht zu 100 Prozent im Betrieb, weil ich damals Tätigkeiten mitgemacht habe, die mir zwar auch wichtig waren und für die ich mich auch entschieden hatte…<BR /><BR /><b>Sie meinen die lvh-Präsidentschaft?</b><BR />Lanz: Nicht nur, ich habe auch die Garfidi von Null aufgebaut. Das waren wichtige Tätigkeiten. Aber ich habe danach gesehen, dass ich im Betrieb gewisse Lücken hinterlassen habe. Deswegen halte ich es auch für wichtig, dass man als Unternehmer ein gutes Netzwerk hat. Es gibt heute eine große Fülle an Themen und Herausforderungen – im Verkauf, in der Verwaltung, in der Produktion, in der Mitarbeiterführung, was die gesetzlichen Entwicklungen angeht usw. – aber sehr viele Betriebe haben nicht die Strukturen, um das alles zu schaffen. Deshalb braucht man ein Team, mit dem man sich zu den verschiedenen Themen auseinandersetzen kann, um schlussendlich erfolgreich zu sein.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-66243759_listbox" /><BR /><BR /><BR /><b>Sie waren beruflich erfolgreich, sind danach in Konkurs gegangen, Sie waren politisch erfolgreich, aber nach einer Legislaturperiode reichten die Stimmen nicht mehr. Wie gehen Sie mit Ihrem Scheitern um?</b><BR />Lanz: Unternehmerisches Handeln wie auch politisches Engagement ist mit Risiken behaftet. Scheitern ist zwar nicht vorprogrammiert, jedoch möglich. Entscheidend ist der Umgang. Ich hatte einen tollen Betrieb aufgebaut, eine tolle Mannschaft, tolle Produkte – natürlich schmerzt der Konkurs. Politisch, auch verbandspolitisch habe ich viele Jahre die Geschicke des Verbandes und auch unseres Landes mitgestalten dürfen. In den 5 Jahren im Landtag kann ich mich sicher zu den 2, 3 Abgeordneten zählen, die am meisten Themen weitergebracht haben. Aber das war ja auch meine Aufgabe und die habe ich erledigt. Ich bin nicht in die Politik gegangen, um daraus persönlichen Profit zu schlagen. Natürlich hat das Wahlergebnis wehgetan und logisch kommen einem anfangs viele Fragen und Zweifel. Mit einem gewissen Abstand stelle ich jedoch fest, das mit Fehlern und einem Scheitern sehr unterschiedlich umgegangen wird. Manche sehen das gar nicht negativ. Allerdings ist es schon schlimmer, wenn man in der Öffentlichkeit steht, weil man eher darauf angesprochen wird. Zu guter Letzt kommt es jedoch immer auf einen selbst an: Ich habe versucht, die Fehler zu erkennen, meine Lehren daraus zu ziehen und will es in Zukunft besser machen.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-66243752_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Das sagt sich oft so leicht. Doch so einfach ist es in der Praxis sicher nicht, aus den Fehlern zu lernen, oder?</b><BR />Lanz: Das ist sicher nicht leicht. Es kommt auch darauf an, wie das Umfeld – Familie, Freunde, der Bekanntenkreis – damit umgeht. Aber ich kann nicht zurück und ich kann es nicht ungeschehen machen; und selbst wenn ich mich eingraben würde, würde das Problem auch nicht kleiner. Deshalb muss man sich bewusst werden: Welchen Fehler habe ich gemacht? Was sind die Konsequenzen und späteren Folgen? Und dann muss man versuchen, neue Lösungen anzustreben. Natürlich kommt es auch darauf an, ob man die Persönlichkeit dazu hat – zum Glück habe ich sie. Manch einer wird das negativ bewerten und sich fragen: „Dass sich der Lanz überhaupt noch raustraut?“ Aber in den meisten Fällen sind die Menschen doch vernünftig. Sie wissen, dass das passieren kann und dazugehört.<BR /><BR /><b>Glauben Sie, diese Erfahrungen werden Ihnen in Ihrer Beratungstätigkeit nützlich sein?</b><BR />Lanz: Auf alle Fälle. Wichtig ist, mit einer positiven Grundeinstellung an die Themen heranzugehen und sie sachlich auszuarbeiten, zu schauen, wo es im Betrieb positive Situationen gibt, die man verstärken will, und wo hingegen Problemfelder sind, bei denen man etwas ändern muss. Ich habe viele Realitäten gesehen und kann mich relativ schnell in einen Betrieb hineindenken, da bin ich schnell mit Herz und Hirn dabei. Die Umsetzung aber liegt dann natürlich beim Betrieb selbst. Er muss sich damit identifizieren und es leben.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-66243755_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was sind Ihre Schwerpunkte in Ihrer Beratungstätigkeit?</b><BR />Lanz: Die reichen von der Kostenrechnung und Zertifizierungen über Unternehmensstrategien oder die Frage, wie man sich zukunftsfit aufstellt, bis zum Thema Nachhaltigkeit, CO2-Berechnungen usw. Wir sind auch nicht größenmäßig limitiert, weil die Herausforderungen bei einem kleinen Betrieb dieselben sind wie bei einem großen – die Dimension ändert sich, aber nicht das Thema an sich. Es reicht manchmal auch schon, wenn man gemeinsam Kennzahlen definiert, die der Betrieb erreichen möchte, und sich vier- bis fünfmal im Jahr trifft, um zu schauen, ob der Betrieb in die richtige Richtung unterwegs ist oder ob er sich in die eigene Tasche lügt. Diese Investition sollte für jeden Betrieb machbar sein.<BR /><BR /><b>Welchen Ratschlag würden Sie Unternehmern mit auf den Weg geben?</b><BR />Lanz: Eines ist ein Zitat des Religionsphilosophen Martin Buber, das eigentlich ein Motto von mir ist: „Es gibt kein Zurück, nur ein Hindurch. Hindurch aber werden wir nur schreiten, wenn wir wissen, wo wir hinwollen.“ Mit anderen Worten: Definiere Ziele und verfolge sie, dann wirst du sie auch erreichen. Ein zweiter Grundsatz von mir ist, eine positive Grundeinstellung zu haben. Es nutzt nichts, darüber zu klagen, dass der Markt so schwierig ist, die Kosten immer weiter steigen usw. Damit kommt man nicht weiter. Vielmehr muss man sich fragen: Wo habe ich Handlungsfelder? Wo kann ich etwas tun? Und drittens: Man braucht auch eine gute Mannschaft: in der Familie, im Freundeskreis und im Betrieb.