<BR /><BR />Zu Ehren des Heiligen Franziskus soll der 4. Oktober nun also wieder ein Feiertag werden. Das war er schon einmal, bis man ihn 1977 abschaffte. Nun liegen gleich zwei Gesetzesinitiativen vor – eine von Noi Moderati, die andere von Fratelli d’Italia –, die die Wiedereinführung zum Ziel haben.<BR /><BR />Anlass ist das 800. Todesjahr von Franziskus von Assisi im Jahr 2026. Medien verstehen den neuen Feiertag aber auch als Würdigung des Papstes Franziskus. Immerhin werde in der Gesetzesbegründung von Noi Moderati hervorgehoben, dass Jorge Mario Bergoglio bei seiner Wahl den Namen Franziskus bewusst in Anlehnung an den Heiligen von Assisi gewählt habe. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1216467_image" /></div> <BR />Für die meisten Arbeitnehmer dürfte ein zusätzlicher Feiertag jedenfalls eine gute Nachricht sein. Zum einen haben sie frei. Und wenn sie dennoch arbeiten müssen, können sie mit einem Feiertagszuschlag auf dem Lohnzettel rechnen. <BR /><BR />Was das allein den Staat kostet, der für die Feiertagsdienste der Beschäftigten im Gesundheitswesen sowie von Polizei, Militär und Feuerwehr aufkommen muss, wurde bereits geschätzt: rund 10,6 Millionen Euro. <BR /><BR />Doch welche weiteren ökonomischen Folgen hätte ein zusätzlicher freier Tag, wenn man den Arbeitsausfall und die zusätzlichen Kosten wegen der Feiertagszuschläge berücksichtigt?<h3> „Zu teuer für Staat und Unternehmen“</h3>Ein klares Nein zu dem Plan kam vergangene Woche umgehend vom Wirtschaftsverband hds: Staatsausgaben und die Kosten für die Betriebe würden sich unnötig erhöhen und die Produktivität werde in wichtigen Bereichen beeinträchtigt, kritisiert der Verband. „Gerade in Zeiten, in denen Effizienz und wirtschaftliche Stabilität gefragt sind, ist dies der falsche Weg“, so hds-Präsident Philipp Moser.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-71549697_quote" /><BR /><BR /><BR />Er hob zudem hervor: Im Zuge der Abschaffung 1977 hätten die meisten Kollektivverträge für die Beschäftigten 32 Freistunden als Ersatz eingeführt, um den Wegfall zu kompensieren. „Das müsste bei einer Wiedereinführung des Feiertags entsprechend berücksichtigt und wieder zurückgenommen werden.“<h3> „Es gibt Gewinner und Verlierer“</h3>Doch wie „teuer“ ist der Ausfall eines Tages wirklich? <BR />Rein theoretisch würde ein Arbeitstag weniger ein Minus von etwa 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bedeuten (wenn man das BIP je Arbeitstag berechnet und einfach Wochenenden und Feier- und Urlaubstage abzieht). Doch so einfach ist die Rechnung dann doch nicht.<BR /><BR />„Die Auswirkungen eines zusätzlichen Feiertages auf die Wirtschaft sind schwierig abzuschätzen“, erklärt Urban Perkmann vom Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer Bozen (WIFO). „Fakt ist: Ein Feiertag mehr ist eine zusätzliche Belastung für die Wirtschaft. Aber Tatsache ist auch: Wenn an einem Tag weniger gearbeitet wird, schlägt sich das nicht 1:1 auf das Bruttoinlandsprodukt nieder. Mit anderen Worten: Die Wirtschaftsleistung reduziert sich nicht so stark, als ob man acht Stunden weniger arbeiten würde, sondern nur um ein paar Stunden.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1216470_image" /></div> <BR /><BR />Das liege vor allem daran, dass Arbeitnehmer in der Regel vor und nach dem freien Tag etwas mehr arbeiten, Aufgaben vorbereiten oder nachholen. Und auch daran, dass bestimmte Branchen – allen voran Tourismus und Freizeitwirtschaft – von dem zusätzlichen freien Tag profitieren würden. Weil die Menschen Zeit haben, Freizeitangebote zu nutzen und sich einen schönen Tag zu machen.<BR /><BR />Freie Tage sind also aus ökonomischer Sicht nicht nur schlecht: Sie bremsen zwar die Produktion in bestimmten Sektoren, vor allem in Industrie und Handwerk, aber sie sind wichtig für die Erholung und die Motivation der Arbeitnehmer – und sie beleben andere Sektoren, wie den Tourismus und die Freizeitwirtschaft. „Es gibt also Gewinner und Verlierer.“<h3> Entscheidende Frage ist für Experten eine andere</h3>Zudem gilt: Über wirtschaftlichen Erfolg entscheidet nicht nur die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden. Perkmann: „Wenn ein Betrieb eine hohe Produktivität hat, dann wird ihm der zusätzliche arbeitsfreie Tag nicht viel ausmachen.“<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-71549833_quote" /><BR /><BR /><BR />Doch genau hier sieht der WIFO-Experte aus Südtiroler Sicht den Knackpunkt: „In Südtirol liegen wir in puncto Produktivität bestenfalls im Mittelfeld. Die viel wichtigere Frage ist daher, wie wir produktiver und wettbewerbsfähiger werden können – und nicht, welche Folgen ein zusätzlicher Feiertag hat.“<h3> Die Debatten anderer Länder</h3>Wie groß die ökonomischen Folgen von Feiertagen sind, das hat man in Vergangenheit auch in anderen Ländern schon öfters analysiert – auch wenn es dort meistens um die Abschaffung von Feiertagen ging und nicht um eine Wiedereinführung. <BR /><BR />So hat beispielsweise Dänemark 2023 den Großen Gebetstag, der am vierten Freitag nach Ostern begangen wird, abgeschafft. Ziel war es, damit die Arbeitsleistung und die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Schätzungen des Internationalen Währungsfonds zufolge erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes dadurch allerdings nur um 0,01 bis 0,06 Prozent.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1216473_image" /></div> <BR /><BR />Auch in Frankreich kam man auf ähnlich vernachlässigbare Werte: Dort hatte erst im vergangenen Juli die mittlerweile gestürzte Regierung Bayrou angekündigt, zwei Feiertage streichen zu wollen, in der Hoffnung, dass die Wirtschaftsleistung und damit auch die Staatseinnahmen steigen würden. <BR />Doch das Statistikamt INSEE berechnete, dass dadurch das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,06 Prozent zulegen würde. Der neue Premier ist von der Idee inzwischen wieder abgekommen.<BR /><BR />Auch in Deutschland wurde vor wenigen Monaten heiß über die Abschaffung eines Feiertages diskutiert – Ökonomen hatten dies vorgeschlagen, um dem Staat zu Mehreinnahmen zu verhelfen. Sie kamen zum Schluss, dass ein zusätzlicher Werktag immerhin bis zu 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen würde. <h3> Diskussion in Parlament und Senat</h3>Sei es, wie es sei: In Italien wird das Thema aktuell im Parlament diskutiert, danach geht der Ball an den Senat. Bereits im Vorfeld räumten Beobachter dem Vorschlag sehr gute Chancen ein, immerhin stehe die Mehrheit dahinter. Zudem symbolisiere der Heilige Franziskus Werte wie Frieden, Brüderlichkeit und Respekt – Werte zu denen man schlecht Nein sagen könne. <BR /><BR />Geht das Vorhaben durch, wird der neue Feiertag de facto allerdings erst 2027, kurz vor den Parlamentswahlen spürbar – denn 2026 fällt der 4. Oktober auf einen Sonntag.