Die ersten Trauben sind bereits im Keller. In Terlan hat die Lese vor wenigen Tagen mit Sauvignon begonnen, in Tramin und Kurtatsch werden vor allem Chardonnay-Trauben aus den tieferen Lagen gewimmt, in Girlan fällt am Montag der Startschuss. Im Vergleich zu Normaljahren sind alle ein bis zwei Wochen früher dran.<BR /><BR /><embed id="dtext86-76014173_quote" /><BR /><BR />Und doch ist es nicht der frühe Zeitpunkt, der die Kellermeister derzeit am meisten überrascht. Es ist der Zustand der Trauben nach einem Sommer mit außergewöhnlich hohen Temperaturen. „Bis jetzt schaut es sehr gut aus“, sagt Rudi Kofler, Kellermeister der Kellerei Terlan. „Die Trauben sind gesund, weisen eine schöne Reife auf und die Qualität und der Ertrag scheinen auf jeden Fall zu passen.“ <BR /><BR />Dass die Reben den heißen Sommer derart gut weggesteckt haben, sei keineswegs selbstverständlich. Kofler erinnert an den Rekordsommer 2003. Damals hätten Hitze und Trockenheit die Trauben deutlich aus dem Gleichgewicht gebracht. „Das ist heuer überhaupt nicht der Fall.“ Auch größere Probleme mit Hitzestress oder Dürre, wie sie heuer aus anderen europäischen Weinregionen gemeldet werden, habe man in Terlan nicht beobachtet. Eine mögliche Erklärung sieht Kofler in den Hitzegewittern. „Teilweise hatten wir zwei- bis dreimal pro Woche Niederschläge von 20 bis 30 Millimetern.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-76014177_quote" /><BR /><BR />Auch Willi Stürz hört den Vergleich mit 2003 derzeit häufiger. Für den langjährigen Kellermeister der Kellerei Tramin ist es heuer bereits die 36. Weinlese im Betrieb. Ganz falsch sei der Vergleich nicht. „Was die Temperaturen angeht, mag das teilweise stimmen“, sagt Stürz. Doch es gebe entscheidende Unterschiede. „Hin und wieder haben die Reben Wasser bekommen. Fast noch wichtiger ist aber, dass wir im Weinbau seither sehr viel dazugelernt haben.“<BR /><BR />Stürz nennt als Beispiel die Arbeit an der Laubwand. „Heute wird sehr viel gezielter entblättert – natürlich von Hand.“ Dabei werden Blätter rund um die Traubenzone gezielt entfernt oder belassen, um Belüftung und Sonneneinstrahlung besser zu steuern. <BR /><BR />Was bisher im Keller angeliert worden ist, stimmt ihn jedenfalls zuversichtlich. „Die Chardonnay-Trauben sind traumhaft schön und verheißen Gutes.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-76014242_quote" /><BR /><BR />Ähnlich fällt die erste Einschätzung in Girlan aus. Gerhard Kofler erreicht man dieser Tage am besten im Weinberg. Als wir mit ihm sprechen, ist der Kellermeister gerade mit Reifemessungen beschäftigt. „Der Zucker ist aufgrund der Hitzewellen schon etwas höher“, sagt Kofler. Bemerkenswert aber ist, dass die Säurewerte keineswegs eingebrochen sind. „Vor allem die Apfelsäure hat sich gehalten.“<BR /><BR />Das ist für die spätere Weinqualität ein wichtiger Punkt. Bei hohen Temperaturen wird Apfelsäure in den Trauben verstärkt abgebaut. Bleibt ausreichend davon erhalten, sorgt das für eine gute Säurereserve und schafft die Voraussetzung für Frische und geschmackliche Balance im späteren Wein. <BR /><BR />Auch Krankheiten seien heuer kaum ein Thema gewesen. Man sei mit sehr wenig Pflanzenschutz ausgekommen. <h3> Die Ernte rückt zusammen</h3>Eine interessante Erklärung für die gute Qualität der Trauben liefert Erwin Carli, Kellermeister der Kellerei Kurtatsch. Er zieht einen Vergleich zu uns Menschen: „Auf konstant hohe Temperaturen scheint sich die Natur besser einstellen zu können, als wenn es mehrere kurze extreme Ausreißer gibt.“ Die Anpassungsfähigkeit der Reben sei „beeindruckend“.<BR /><BR /><embed id="dtext86-76014247_quote" /><BR /><BR />Doch Carli beobachtet noch eine andere Entwicklung: Die Weinlese wird immer kompakter. Vor allem die zeitlichen Abstände zwischen den Höhenlagen schrumpfen. „Der Erntezeitpunkt zwischen den niederen und den mittleren beziehungsweise höheren Lagen gleicht sich immer weiter an“, sagt Carli. Die großen Unterschiede von früher gebe es zunehmend nicht mehr.<BR /><BR />Genau das bestätigt auch Rudi Kofler in Terlan. „In den tieferen Lagen hat sich der Lesezeitpunkt eine Woche nach vorne verschoben, in den mittleren und höheren Lagen sind es zehn bis 14 Tage.“ Den Großteil der Trauben werde man voraussichtlich bereits in den kommenden zwei bis drei Wochen einbringen. „Normalerweise wimmen wir über einen Zeitraum von etwa fünf Wochen.“<BR /><BR />Der Stress, so könnte man sagen, liegt heuer also weniger bei den Reben als bei den Menschen. Denn je kleiner das Erntefenster wird, desto größer wird der organisatorische Druck auf Weinbauern und Kellereien. <h3> Wie könnte der Jahrgang werden?</h3>Was ist vom Jahrgang also zu erwarten? Für ein abschließendes Urteil sei es noch zu früh, sagt Stürz. Die bisherigen Eindrücke stimmen ihn aber positiv – auch bei den roten Sorten. „Es scheint sich wieder einmal zu bestätigen, dass ein früher Austrieb günstig für deren weitere Entwicklung ist.“ Die Reife sei bereits gut fortgeschritten.<BR /><BR />Nun muss vor allem das Wetter mitspielen. Die Temperaturen sollen laut Prognosen etwas zurückgehen – gerade für die Weißweine wäre das ideal, sagt Carli: „Alles in allem sieht es sehr gut aus.“ Gerhard Kofler hat noch einen Wunsch: „Möglichst nicht so viel Regen wie im vergangenen September.“ Und Rudi Kofler hofft auf etwas kühlere Nächte, „damit das Säureverhältnis weiterhin passt“. Dann, sagt er, „können wir auf einen sehr vielversprechenden Jahrgang hoffen“.