Mittwoch, 04. Oktober 2017

Was tun mit Biokohle? Vom Abfallprodukt zum Dünger

Derzeit sind die 2000 Tonnen Biokohle, die aus der heimischen Holzvergasung anfallen, schlicht Abfall. Doch muss das sein? Wie kann man Biokohle nutzbar machen und die Produktionskette der Biomassevergasung insgesamt aufwerten? Das will das neue Projekt Wood up herausfinden - mit guten Ansätzen.

Versuche zur Biokohle als Bodenverbesserungsmittel in der Landwirtschaft: In den Versuchsparzellen wird Biokohle in die Fahrgasse einer Ertragsanlage (Moarhof, Meran) eingearbeitet. - Foto: LPA/Versuchszentrum Laimburg
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Versuche zur Biokohle als Bodenverbesserungsmittel in der Landwirtschaft: In den Versuchsparzellen wird Biokohle in die Fahrgasse einer Ertragsanlage (Moarhof, Meran) eingearbeitet. - Foto: LPA/Versuchszentrum Laimburg

Biokohle entsteht als Nebenprodukt, wenn  Biomasse (Holzabfälle, Hackschnitzel, Kulturreste, Mist etc.) zur Energiegewinnung auf hohe Temperaturen zwischen 300 und 800 Grad Celsius erhitzt wird. Etwa eine Million Kubikmeter Holzbiomasse werden jährlich in Südtirol zur Gewinnung von 1300 Gigawattstunden Energie eingesetzt. Dies entspricht etwa zwölf Prozent des Südtiroler Energiebedarfs inklusive Kraftstoff.

Bei der Energiegewinnung mittels Vergasung oder Pyrolyse fallen als Nebenprodukt jährlich 2000 Tonnen Biokohle an, die derzeit in Südtirol als zu entsorgendes Abfallprodukt behandelt wird.

700.000 Euro von der EU

Wie diese Biokohle sinnvoll genutzt und die gesamte Produktionskette der Holzbiomassevergasung wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig aufgewertet werden kann, wird nun in dem auf drei Jahre ausgelegten Projekt Wood up untersucht; dieses wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit einem Budget von rund 700.000 Euro gefördert.

Die Wissenschaftler untersuchen einerseits die gesamte Produktionskette der Holzbiomassevergasung in Südtirol.

In einem zweiten Schritt prüfen die Forscher mögliche Strategien: Dies reicht von der Nutzung innovativer Verbrennungs- und Pyrolyse-Technologien über die Verwendung von Biokohle als Bodenverbesserungsmittel in der Landwirtschaft bis hin zur Nutzung von Holzbiomasse für pharmazeutische Zwecke sowie in der Lebensmittelindustrie. 

Biokohle in der Landwirtschaft

In verschiedenen Versuchskontexten konnte bereits nachgewiesen werden, dass sich Biokohle positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt und den Gehalt an organischem Kohlenstoff stabil und dauerhaft steigern kann, erklärt Barbara Raifer, die am Versuchszentrum Laimburg den Fachbereich Weinbau leitet und am Projekt Wood up maßgeblich beteiligt ist.

Auf gesamtstaatlicher Ebene ist die Nutzung von Biokohle als Bodenverbesserungsmittel seit 2015 erlaubt, sofern diese bestimmten physisch-chemischen Parametern entspricht. Im Projekt Wood up wollen die Forscher nun genauer untersuchen, ob Biokohle als Bodenverbesserungsmittel verwendet werden kann, um die Produktivität und Qualität der Apfel- und Weinanlagen zu verbessern und die Effizienz beschränkter Ressourcen (Wasser, Nährstoffe) sowie die Kohlenstoffbindung im Boden zu steigern. 

Unter der Leitung der Freien Universität Bozen sind neben dem Versuchszentrum Laimburg weitere Institutionen und Forschungseinrichtungen beteiligt: Die Forschungseinrichtung Eco Research nimmt die physisch-chemische Charakterisierung der aktuell in Südtirol produzierten Biokohle vor. Neben den im Bereich Vergasung operierenden Energieproduzenten sind unter den Interessenvertretern des Projektes das Konsortium Südtiroler Wein, der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau und der Südtiroler Bauernbund.

stol/lpa

stol