Der größte Feind der Spielwarenbranche ist die Demografie. Die europaweit sinkende Kinderzahl schränkt ihren Markt ein. Dagegen versuchen die Hersteller unter anderem damit anzukämpfen, dass sie neue Zielgruppen ansprechen. Dazu zählen die sogenannten „Kidults“, ein Kofferwort aus „kids“ und „adults“. „Kaufkräftige Erwachsene spielen eine immer wichtigere Rolle“, bestätigt auch Janina Graus vom größten Südtiroler Spielwarenfachhändler Pfiff Toys. Sie ist aktuell in Nürnberg, um sich über die Neuheiten des Sektors zu informieren. <h3> Zweites Standbein</h3>Die „Kidults“ könnten als zweites Standbein dienen, da das klassische Spielalter üblicherweise mit 12 Jahren ende. Wie bedeutend dieser Sektor bereits jetzt ist, belegen Zahlen des Marktforschungsinstituts Circana: 4,5 Milliarden Euro gaben die spielenden und sammelnden Jugendlichen und Erwachsenen zuletzt in Europa aus, was 30 Prozent des gesamten europäischen Spielwarenmarkts entsprach.<BR /><BR />Womit punkten die Hersteller bei den „Kidults“? „Die Palette reicht von Modellbausätzen und Brettspielen bis hin zu Sammelfiguren“, so Graus. „Wichtig ist, dass es sich nicht um Produkte für Kinder handelt, die auch von Erwachsenen genutzt werden; sie werden eigens für sie entwickelt.“ Als Beispiele nennt sie etwa die Lego-Serien „Botanicals“ für Blumenfans und „Arts“ für Kunstliebhaber, oder auch Produkte und Marken aus der „echten“ Welt in Miniaturformat. „Das Angebot ist bereits jetzt sehr umfangreich, und es wächst stetig.“<h3> Neue Shop-Konzepte</h3>Vom „Kidults“-Trend profitierte bislang der Onlinehandel stärker als der stationäre Fachhandel. Der Grund: Erwachsene fühlen sich von Spielwarengeschäften vielfach nicht angesprochen, da diese auf Kinder ausgerichtet sind. Darum wurden in Nürnberg unter anderem neue Laden-Konzepte in den Fokus gerückt; von Shop-in-Shop-Systemen bis hin zu eigenen Filialen für die „Kidults“-Zielgruppe. Seien derlei Konzepte auch in Südtirol denkbar? „Wir können uns durchaus vorstellen, in Zukunft in unseren Filialen eigene Bereiche für Erwachsene einzurichten. Für eine reine „Kidults“-Filiale dürfte unser lokaler Markt hingegen zu klein sein.“<h3> Allerhand Asiatisches</h3>Ein weiterer Schwerpunkt auf der 175.000 Quadratmeter umfassenden Ausstellungsfläche sind heuer Lizenzen. Dazu gehören beispielsweise Spielzeuge, die Motive aus japanischen Anime-Filmen oder Manga-Comics aufgreifen. „Die Fangemeinde wird immer größer; vor allem bei den etwas älteren Kindern sind sie sehr beliebt.“ Teilweise überschneide sich dieses Phänomen mit dem Plüsch-Trend, erklärt Graus. „Plüsch war nie wirklich ,out', aber ist zurzeit wieder besonders ,in' eben auch wegen der Asia-Welle. Da tut sich sehr viel.“ <h3> Die „gesunden Helden“</h3>Eher ein Randphänomen sei hingegen jenes der „Healthy Heroes“, also der gesunden Helden. Damit ist Spielzeug gemeint, das Kinder zu gesunder Ernährung, mehr Achtsamkeit und Bewegung animieren soll. „Vor allem Start-ups sind da sehr innovativ. In Südtirol sind die Themen Ernährung und Bewegung aber glücklicherweise noch stärker im Alltag der Kinder verankert. Zudem bleibt zumindest zu hinterfragen, ob eine Karotte mit einem lustigen Gesicht tatsächlich zu mehr Gemüseverzehr verleitet.“