Er hat mit s+ über seine Pläne, die schwierige Gratwanderung zwischen den Wünschen von Kunden, Aktionären und Unternehmensnotwendigkeiten sowie über seine Meinung zur Stromautonomie gesprochen. <BR /><BR /><b>Herr Amort, was wird unter Ihrer Führung bei Alperia anders werden? </b><BR />Luis Amort: Revolutionen sind hausintern sicherlich nicht nötig. Alles, was gut gelaufen ist, und das ist sehr viel, werden wir weiterführen – gemeinsam mit dem Management und den Verwaltern. Ich bin bekannt als Teamspieler und diese Linie werde ich auch in Zukunft beibehalten. Was die Ausrichtung des Unternehmens angeht, hatten wir nach der ersten Phase der Fusion in den letzten Jahren eine Wachstumsphase und die gilt es jetzt zu konsolidieren – im Organisatorischen und Strukturellen. Unser Kerngeschäft ist Südtirol, da brauchen wir eine starke Basis. Und gleichzeitig sollen wir meiner Meinung nach auch über unsere Grenzen hinausschauen – aber nur Zukäufe tätigen, die zu dem passen, was wir hier im Land haben. Das heißt: Es wird auch in Zukunft kein „entweder oder“ geben, sondern ein vorsichtiges bedachtes Wachsen über die Grenzen hinaus. <BR /><BR /><b>War das in Vergangenheit nicht der Fall?</b><BR />Amort: Nein, das möchte ich nicht sagen. Aber im Ansatz wurde vielleicht zu extensiv vorgegangen. Das ist gut, aber wir müssen auch gut prüfen, welche Beteiligungen für uns in Frage kommen. <BR /><BR /><b>In Vergangenheit gab es auch Kritik an Alperia-Beteiligungen, etwa was das bulgarische Energieunternehmen PVB Power Bulgaria AD angeht, das mit dem Vorwurf rechtlicher Unregelmäßigkeiten konfrontiert war. Und auch in Bezug auf das Biomassekraftwerk in Sardinien, das zu 100 Prozent Alperia gehört und mit Palmöl betrieben wird – was als wenig nachhaltig gilt.</b><BR />Amort: Beide Beteiligungen haben wir von den Vorgängergesellschaften geerbt. Von Bulgarien konnten wir uns glücklicherweise trennen. Im Fall von Sardinien sind wir in Verhandlungen. Da müssen wir schauen, ob wir etwas Anderes draus machen können, aber bestenfalls werden wir uns davon trennen, weil ein mit Palmöl betriebenes Werk nicht zur Strategie von Alperia passt. Weitere „Altlasten“ gibt es aber nicht mehr. <BR /><BR /><b>Die hohen Strompreise machen aktuell den Südtirolern zu schaffen. Von Alperia, immerhin ein öffentliches Unternehmen, wird günstigerer Strom gefordert. Alperia hat in den letzten Monaten bereits Angebote entwickelt, um den Kunden entgegenzukommen, wird da noch mehr gehen?</b><BR />Amort: Lassen Sie mich eines vorausschicken: Manchmal hat man das Gefühl, das wir in Südtirol meinen, alle weltweiten Wirtschaftsregeln und -entwicklungen selber gestalten zu können. Ab und zu müssen wir aber eben zur Kenntnis nehmen, dass bestimmte Regeln auch uns betreffen, auch wenn wir manchmal die Insel der Seligen zu sein scheinen. Zur eigentlichen Frage der Abfederung der Strompreise: Ich möchte darauf hinweisen, dass Alperia nicht der einzige Stromanbieter in Südtirol ist. Aber meines Wissens sind wir die Einzigen, die bisher 2 Pakete für günstigere Energie aufgelegt haben: eines im Herbst, das von 40.000 Kunden genutzt wurde, und eines, das jetzt erst angelaufen ist und bereits in der ersten Woche 2000 Kunden in Anspruch genommen haben. Darüber hinaus hat ein öffentliches Unternehmen wie Alperia natürlich auch den Auftrag, gut zu wirtschaften, Erträge zu generieren, mit denen dann die Anlagen, Verteilernetze usw. instandgehalten werden können. Wir sollen also einerseits schauen, möglichst günstige Preise zu bieten, andererseits sollen wir auch angemessene Erträge erzielen, die ja dann wieder den Gemeinden und dem Land als Gesellschafter zugute kommen über Umweltgelder und Dividenden.<BR /><BR /><b>Mit anderen Worten: Alperia muss zwischen den Wünschen der Kunden, jenen der Aktionäre sowie den Notwendigkeiten des Unternehmens jonglieren …</b><BR />Amort: Was auch interessant ist: Obwohl wir diese speziellen Angebote für den freien Markt haben, haben wir immer noch rund 50.000 Kunden auf dem geschützten Markt, die also weder von den – besseren – Konditionen des freien Marktes profitieren, noch die beiden Sonder-Pakete genutzt haben bzw. nutzen. <BR /><BR /><b>Das kann viele Gründe haben. Aber warum muss man, um einen günstigeren Strompreis zu gewähren, überhaupt den „Umweg“ über eigene Angebote nehmen, bei denen der Kunde selbst aktiv werden muss, anstatt den Preis einfach nicht zu erhöhen? </b><BR />Amort: Strompreise sind nicht frei gestaltbar und folgen bestimmten Vorgaben. Abgesehen davon müssen wir wie gesagt Erträge erwirtschaften, die Erwartungen der Gesellschafter erfüllen und ein marktgerechtes Angebot vorlegen. Es wäre nicht verantwortungsvoll, wenn ein Anbieter, ohne all diese Kriterien zu berücksichtigen, die Marktpreise gestalten würde. <BR /><BR /><b>Viel diskutiert wurde in den vergangenen Monaten das Thema Stromautonomie: Laut einem Gutachten des Südtiroler Energieverbandes und Handelskammer könnte man in Südtirol eine autonome Regulierungsbehörde einrichten und es gäbe auch Spielräume, die Preisgestaltung zu bestimmen. Alperia hat bislang gesagt, das sei nicht möglich. Hat sich da was geändert?</b><BR />Amort: Meiner Meinung nach nicht. Es zieht ja niemand in Zweifel, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im Autonomiestatut eine Regulierungsbehörde vorgesehen wurde. Aber es wurden dazu nie Durchführungsbestimmungen erlassen oder spezifische Angaben diskutiert. Deshalb stellt sich mir nicht die Frage, ob diese Behörde vorgesehen ist oder nicht, sondern: Wird wirklich alles besser, wenn wir eine eigene Behörde einführen würden? Und könnten wir dann wirklich die Preise selber gestalten? Ich würde es zielführend finden, einmal durchzudiskutieren, ob das schon so opportun ist. Zudem muss man sich auch fragen: Wer übernimmt die Kosten dieser Behörde und für die Investitionen in die Infrastrukturen in Südtirol?<BR /><BR /><b>Nachhaltigkeit wird bei Alperia groß geschrieben. Unter anderem will man den „Übergang von einem rohstoffbasierten Geschäftsmodell auf ein dienstleistungsbasiertes Modell“ durchzuführen. Was kann man sich darunter vorstellen? </b><BR />Amort: Unsere heutigen Produkte sind Strom, Gas und Wärme, die wir verkaufen. Ausgehend davon möchten wir uns zu einem Fullservice-Anbieter entwickeln und auch alle Dienstleistungen rund um das Thema Energie anbieten, etwa im Hinblick auf Energiesparmaßnahmen, Energiegemeinschaften usw. Ziel ist, dass wir gemeinsam mit dem Kunden dessen Bedarf erheben und ihm dann ein Dienstleistungspaket anbieten, sodass sich der Kunde um nichts mehr kümmern muss. <BR /><BR /><b>Wo sehen Sie Alperia in den nächsten 5 Jahren?</b><BR />Amort: Ich möchte, dass Alperia als Partner für Land und Leute gesehen wird, der die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Gemeinden unterstützt. Zudem sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Energiewende mitzugestalten und da Innovationen voranzutreiben, auch was das Thema intelligente Stromnetze angeht <i>(In intelligenten Stromnetzen, Smart Grids, können Stromerzeugung, Verbrauch und Speicherung dynamisch gesteuert und somit Leistungsschwankungen ausgeglichen werden, Anm.d.Red.)</i>. Zentral wird für uns weiterhin die Wasserkraft sein, aber wir werden uns vorbereiten müssen, damit wir diese Energiequelle weiter betreiben können. Zudem möchten wir das Angebot für Kunden – Private und Unternehmen – ausbauen, in der Anzahl und im Inhalt.