Die Schönheit der Südtiroler Almen treibt jährlich viele Einheimische und Sommergäste in die Berge. „Doch sind Almen viel mehr als nur ästhetisch wertvoll“, wie Urban Perkmann vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO), zu STOL sagt. Er ist einer der Autoren der Studie zur Almwirtschaft, die den Status Quo sowie die größten Herausforderungen aus Sicht der Almbauern aufzeigt. <BR /><BR />Das Wifo der Handelskammer stellte am Donnerstag gemeinsam mit Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler eine Studie zur Zukunft von Südtirols Almen vor. <BR /><BR />„Die positiven Effekte der traditionellen Bewirtschaftungsform für den Heimbetrieb einer Alm sowie für die gesamte Gesellschaft sind vielfältig. Zum einen entlastet der Almauftrieb den Heimbetrieb von der Stallarbeit. Über die Beweidung werden die vorhandenen primären Grünlandflächen genutzt. Dies hilft Futter einzusparen und verbessert die Tiergesundheit der zumeist jüngeren Tiere. Darüber hinaus werden auf vielen Südtiroler Almen hochwertige Lebensmittel produziert“, so Perkmann. Zudem trage die Almwirtschaft zum Erhalt und der Förderung der Artenvielfalt bei und biete Schutz vor Naturgefahren.<BR /><BR />In Südtirol bewirtschaften jedes Jahr über 1400 Almbetriebe rund 1500 Almen und sömmern – so nennt man die Sommerfrische der Tiere – über 86.000 Rinder, Ziegen und Schafe und 36.000 Großvieheinheiten. Die Nettofläche der bewirtschafteten Almen liegt bei 70.742 Hektar. „Eine Besonderheit ist, dass die Almwirtschaft hierzulande ausgesprochen kleinstrukturiert ist. 404 der 1428 Betriebe, also 28,3 Prozent, weisen eine Weidefläche von weniger als 5 Hektar auf. Auf der anderen Seite hat jeder Zehnte eine Fläche von über 100 Hektar, wobei es sich bei den Großflächenbesitzern eher um Interessentschaften und öffentliche Körperschaften handelt.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-59231561_quote" /><h3> Wo der Almwirtschaft der Schuh drückt</h3>Ein ganz wesentliches Ziel der WIFO-Erhebung war es, herauszufinden, wo der Almwirtschaft der Schuh drückt. Laut Einschätzung der befragten Almbetriebe stehen 2 Herausforderungen ganz oben: Als größtes Problem für die Zukunft erachten 80 Prozent der Betriebe die Rückkehr des Großraubwildes, „damit ist vor allem der Wolf gemeint“, wie Perkmann erläutert. „Unter den Almbetrieben, die hauptsächlich Kleinvieh auftreiben, lag der Wert gar bei 92,3 Prozent“, erklärt der WIFO-Experte. <BR /><BR />Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr erreichten die Nutztierrisse durch Wölfe mit 498 Stück ihren bisherigen Höhepunkt. „Als Maßnahmen zum Schutz vor dem Großraubwild fordern die Almbetriebe in erster Linie eine Bestandsregulierung, die Entnahme von Problemtieren und die Schaffung von wolfsfreien Zonen, während Maßnahmen zum Herdenschutz ihrer Meinung nach weniger relevant sind.“<BR /><BR />Auf Platz 2 der größten Herausforderungen für die Almwirtschaft steht die Schwierigkeit, künftig noch eine ordentliche Almbewirtschaftung – eine systematische Weidepflege und einen konsequenten Herdenschutz, etwa durch Einzäunungen – garantieren zu können. „Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass jeder dritte Almbetrieb eine Fläche von weniger als 5 Hektar besitzt und sich weder einen eigenen Hirten noch weiteres Personal für die Almpflege leisten kann bzw. die Almeigentümer keine Zeit für diese Aufgaben haben“, so Perkmann. 57,1 Prozent der Almbetriebe gaben in der Befragung an, dass die Verbuschung bzw. Verwaldung ihrer Almflächen in den letzten Jahren bereits zugenommen habe.<h3> Jeder vierte Alm vor ungewisser Zukunft</h3>Geradezu alarmierend ist das Ergebnis, dass rund ein Viertel der Almbetriebe, hauptsächlich wegen der genannten Gründe, die Zukunft düster sieht und der Meinung ist, dass seine Alm in den nächsten 10 Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird. „Unter den kleineren Almbauern ist der Anteil noch höher“, wie Perkmann ausführt. Die Zukunftsfähigkeit erhöhen, könne man, abgesehen vom Großraubwild, durch Maßnahmen im Bereich der Wirtschaftlichkeit. „Etwa durch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Bauern, neue Einnahmequellen etwa in Form einer Käserei auf der Alm, sowie höhere Förderungen – zum Beispiel für den Auftrieb von Tieren. Auch eine stärkere finanzielle Beteiligung der Allgemeinheit wäre sinnvoll, wenn man an die Bedeutung der Almbetriebe für den Erhalt der Kulturlandschaft denkt.“