Philipp Moser, Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbandes (hds) zieht im Interview mit s+ eine Zwischenbilanz.<BR /><BR /><b>Herr Moser, ein wichtiger Teil des Weihnachtsgeschäfts liegt hinter uns. Welche Rückmeldungen haben Sie von den Kaufleuten erhalten?</b><BR />Philipp Moser: Eine interne hds-Umfrage zeigt ganz klar, dass die Stimmung unter den Einzelhändlern aktuell sehr viel besser ist als vor einem Jahr. Es ist alles entspannter heuer. Kein Wunder, der Handel darf wieder arbeiten, das ist für viele die Hauptsache, dementsprechend zufrieden sind die allermeisten. <BR /><BR /><b>Entspannt hört sich nicht unbedingt einträglich an...</b><BR />Moser: Was die Umsätze betrifft, liegen wir in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. <BR /><BR /><b>Bewerten Sie das positiv oder negativ?</b><BR />Moser: Das Weihnachtsgeschäft 2020 war sehr außergewöhnlich. Der „Black Friday“ am 27. November, also der Auftakt des Weihnachtsgeschäfts, war lockdownbedingt ausgefallen. Am 30. November sperrten die Läden wieder auf und die Umsätze waren danach wirklich gut. Das war auch wichtig, weil ja viel wettgemacht werden musste, was unterm Jahr verloren gegangen war. Heuer erwarten sich die Kaufleute ähnliche Umsätze wie im Weihnachtsgeschäft des Vorjahres, aber mit „Black Friday“, offenen Weihnachtsmärkten und wesentlich mehr Touristen im Land. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="716012_image" /></div> <BR /><BR /><b>Heißt?</b><BR />Moser: Die Situation und die Rahmenbindungen sind mit denen von vor einem Jahr nicht vergleichbar, aber das finanzielle Ergebnis könnte ähnlich ausfallen. Und trotzdem ist die Stimmung größtenteils positiv, wohl auch weil in diesem Jahr der Überlebenskampf nicht mehr so im Vordergrund steht. <BR /><BR /><b>Was bereitet den Kaufleuten aktuell noch Sorgen?</b><BR />Moser: In der Umfrage zeigte sich, dass auf kurze Sicht natürlich die Sorge besteht, es könnte doch noch zu Schließungen kommen. Lieferengpässe spürt vor allem der Spielwaren- und der Elektronikbereich, auch gibt es bei vielen Produktsegmenten Preissteigerungen. Abgesehen davon, spüren fast alle Branchen – außer der Lebensmittelbereich – schon recht deutlich die Konkurrenz des Onlinehandels.<BR /><BR /><b>Der durch die Pandemie einen enormen Aufschwung erlebt hat...</b><BR />Moser: Richtig, Berechnungen zeigen, dass der Onlinehandel bereits 2022 das ursprünglich für 2030 prognostizierte Umsatzniveau erreichen wird. Durch die Corona-Pandemie hat er also einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Es gilt, den Onlinehandel als Realität anzuerkennen und ihn als Chance zu begreifen, sich weiterzuentwickeln; als Schubser in die richtige Richtung. <BR /><BR /><b>Ein notwendiger Schubser?</b><BR />Moser: Es ist in erster Linie Umsatz, der abwandert, keine Frage. Und das ist nie gut. Aber ein Effekt ist der, dass die Veränderungsdynamik gestiegen ist und nach wie vor steigt. Die meisten haben begriffen, dass man nicht mehr alles machen kann wie immer.