Es ist Mitte Dezember, Sie denken sich: Jetzt habe ich noch genug Zeit, mich um die Weihnachtsgeschenke zu kümmern. Einige kaufen Sie direkt im Geschäft, ein paar bestellen Sie online – einige bei heimischen Unternehmen und andere bei Amazon oder anderen großen Onlinehändlern. Das Ergebnis: Sie könnten überrascht und enttäuscht zugleich sein.<BR /><BR />Gut möglich, dass das Amazon-Päckchen bereits zwei Tage nach der Bestellung bei Ihnen zu Hause eintrifft, das Päckchen des heimischen Unternehmens hingegen vorerst gar nicht – und vielleicht erst irgendwann Anfang Jänner.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72739192_quote" /><BR /><BR />Was ist passiert? „Speditionsunternehmen haben mit den großen Onlinehändlern wie Amazon & Co. scheinbar prioritäre Servicevereinbarungen getroffen“, sagt der Präsident des Wirtschaftsverbandes hds, Philipp Moser, zu STOL. Will heißen: Diesen großen Unternehmen werde garantiert, dass die Päckchen pünktlich beim Kunden ankommen, während die anderen – also die Produkte der Südtiroler Betriebe – im Lager liegen bleiben.<BR /><BR />„Da spielen die großen Onlinehändler leider ihre Marktstärke aus, und das gerade zur Weihnachtszeit“, so Moser. Diese hätten nämlich erkannt, dass die Speditionsfirmen ausgelastet seien, dass es an Personal mangele und dass es zu Lieferengpässen kommen könnte. „Daher haben sie bereits Ende November solche prioritären Servicevereinbarungen getroffen, mit dem Ergebnis, dass unsere Unternehmen buchstäblich auf ihrer Ware sitzen bleiben.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-72739196_quote" /><BR /><BR />Das sei nicht nur ein massiver finanzieller Schaden für die heimischen Unternehmen, wenn ihre Päckchen nicht zu den Kunden kommen, sondern auch ein immenser Imageschaden. „Die Kunden bekommen den Eindruck, dass Amazon verlässlich ist, unsere Unternehmen hingegen nicht.“ Dabei sei das ganz und gar nicht der Fall, so Moser. „Unsere Ware wäre genauso bereit wie jene der großen Händler. Wir bekommen sie nur nicht zu den Kunden, weil die Speditionsfirmen sie einfach nicht mehr ausliefern.“<BR /><BR />Moser befürchtet, dass sich an dieser Situation über die Weihnachtsfeiertage nichts ändern werde. „Die Produkte der heimischen Unternehmen werden wohl erst irgendwann nach Weihnachten zu den Kunden geliefert.“ Er denke auch, dass diese prioritären Servicevereinbarungen mit Amazon & Co. nach Weihnachten wieder gelockert werden könnten. „Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es sich um eine eklatante Wettbewerbsverzerrung handelt“, sagt ein verärgerter hds-Chef.<BR /><BR />Seine Lösung? Die Wettbewerbsbehörde müsse eingeschaltet werden. „Es kann nicht sein, dass die Speditionsfirmen mit manchen Unternehmen zu Ungunsten anderer Unternehmen Vereinbarungen treffen. Das ist nicht im Sinne eines fairen Wettbewerbs“, so Moser.