<BR />Die Zukunft des Weinbaus wird im wahrsten Sinne des Wortes brenzlig. Der Klimawandel bringt zunehmend heiße und trockene Sommer. Für die Rebe sind das keine guten Aussichten: Wassermangel setzt die Pflanzen unter Stress und hohe Temperaturen beschleunigen die Reife. Laut zahlreichen internationalen Studien verschiebt sich die Weinlese in vielen europäischen Anbaugebieten seit Jahrzehnten kontinuierlich nach vorne. Die Folge: Die Trauben lagern Zucker schneller ein und verlieren gleichzeitig an Säure, der Alkoholgehalt steigt und das Geschmacksprofil gerät aus dem Gleichgewicht. Kurzum: Der Charakter des Weins droht in dieser Negativspirale abzuschmieren. Den Winzerinnen und Winzern bleibt keine Wahl – sie müssen umdenken.<BR /><BR />Weltweit suchen Wissenschaftler nach Wegen, die Folgen des Klimawandels abzufedern. Ein Fokus liegt auf der Zucht klimaresistenterer Rebsorten. Gerade pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwi) wie Solaris, Muscaris oder Johanniter sind auf dem Vormarsch. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1340937_image" /></div> <BR /><BR />Ein anderes Augenmerk in der Forschung liegt auf innovativen Schutzsystemen gegen zu viel Sonneneinstrahlung. Eine Untersuchung der Universität Palermo aus dem Vorjahr fand beispielsweise heraus, dass über den Reben aufgespannte, schwarze Schattierungsnetze überaus hilfreich sein können. Während der heißesten Tagesstunden sanken die Temperaturen unter dem Netz spürbar. Das bewahrt die Beeren vor tückischem Sonnenbrand und bremst die Reifung auf ein gesundes Maß herunter.<BR /><BR />Auch an der Freien Universität Bozen widmet sich die Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften der Zukunft des Weinbaus und forscht zu mehreren Schwerpunkten. Kürzlich wurden dazu zwei Studien veröffentlicht.<h3> Ein Sonnenschutz für Weintrauben</h3>Eine der beiden Studien untersuchte Maßnahmen, mit denen sich die Reifeentwicklung der Trauben verlangsamen lässt. Dabei wurden verschiedene Stoffe auf die Pflanzen aufgesprüht. Besonders vielversprechend zeigte sich dabei ein Anti-Transpirationsmittel auf Basis von Pinolen, einem natürlichen Wirkstoff aus Kiefernharz. „Wird dieses Mittel auf die Blätter der Rebe aufgebracht, reduziert es vorübergehend die Fotosyntheseleistung und verzögert dadurch die Traubenreife um rund zehn Tage“, sagt Carlo Andreotti, Professor für Obst- und Weinbau an der Freien Universität Bozen und Koordinator der Forschungsarbeiten. Für Winzer bedeutet das mehr Spielraum bei der Wahl des optimalen Lesezeitpunkts.<BR /><BR />Ganz ohne Nachteile ist die Methode allerdings nicht. Sommerliche Niederschläge, etwa Gewitterregen, können den Wirkstoff von den Blättern abwaschen und seine Wirkung deutlich verringern. „Die Prozedur müsste daher nach jedem signifikanten Niederschlag wiederholt werden, was dann eben Kosten verursacht“, erklärt Andreotti.<h3> Trockenstress schadet vor allem im Frühjahr</h3>Eine weitere Studie der Freien Universität Bozen widmete sich den Folgen von Trockenstress für die Rebe. Denn obwohl Südtirol im Vergleich zu anderen Weinanbaugebieten in Italien oder Frankreich viel Niederschlag abbekommt, speichern hierzulande viele Böden, auf denen Wein angebaut wird, wenig Wasser. Ursache sind laut Andreotti die oft steinigen Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität. Die Ergebnisse zeigen: „Die Auswirkungen von Trockenstress unterscheiden sich deutlich, je nachdem, zu welchem Zeitpunkt die Pflanze dem Wassermangel ausgesetzt ist“, so der Studienleiter. Tritt Trockenstress bereits kurz nach der Blüte auf, können Ertrag und Pflanzenentwicklung deutlich leiden. Spätere Trockenphasen im Hochsommer verkraften die Reben zwar besser, sie beeinflussen jedoch weiterhin die Qualität der Trauben und damit auch jene des Weins.<BR /><BR />Zugleich zeigte die Untersuchung deutliche Unterschiede zwischen den Rebsorten. Während sich Sauvignon Blanc als besonders empfindlich gegenüber Trockenheit erwies, reagierte Chardonnay deutlich robuster.<h3> Was bedeutet das für den Weinbau?</h3>Für die Praxis leitet das Forscherteam mehrere Handlungsempfehlungen ab. Winzer sollten den Wasserhaushalt von Boden und Reben mithilfe moderner Sensorik laufend überwachen, um die Bewässerung gezielt an besonders sensible Entwicklungsphasen anzupassen. Ebenso gewinnen die Wahl trockenheitsverträglicher Sorten und standortgerechte Bewirtschaftungsmethoden an Bedeutung. Sie können dazu beitragen, die Reifeentwicklung gezielt zu steuern und Qualitätseinbußen zu begrenzen.<BR /><BR />Unsere Forschung zeigt, dass es keine Patentlösung gibt“, fasst Damiano Zanotelli, Professor für Obstbau an der Freien Universität Bozen und Mitautor beider Studien, zusammen. „Die Anpassung an den Klimawandel wird nur gelingen, wenn verschiedene Maßnahmen sinnvoll miteinander kombiniert und auf die Eigenschaften des jeweiligen Weinbergs abgestimmt werden – etwa auf Bodenbeschaffenheit, Rebsorte, Unterlage oder Reberziehung. Nur so lässt sich auch künftig die Qualität der Weine und ihre enge Verbindung zum Herkunftsgebiet bewahren.“