Anlässlich der morgigen Vollversammlung der Sommeliervereinigung spricht Elvis Costa mit uns über die Herausforderungen der Vereinigung, fehlende „Wow“-Effekte, die Preispolitik und über den Trend zur Sektproduktion. <b>Von Herbert Taschler</b><BR /><BR /><BR /><b>Herr Costa, Sie sind in die Fußstapfen von Langzeitpräsidentin Christine Mayr getreten. Keine leichte Aufgabe?</b><BR />Elvis Costa: Christine Mayr hat in ihrer Amtszeit viel für Südtirols Weinwelt bewegt und mit der Südtiroler Sommeliervereinigung wichtige Akzente gesetzt. Natürlich war es nicht leicht, sie zu ersetzen. Aber mit einem jungen und engagierten Team ist es uns gelungen, sowohl den eingeschlagenen Weg erfolgreich fortzusetzen als auch einige neue Schwerpunkte zu setzen.<BR /><BR /><b>Die da wären?</b><BR />Elvis Costa: Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Neuausrichtung unserer Zeitschrift „Dionysos“. Es ist uns gelungen, aus einer kleinen Vereinszeitung ein ansprechendes Südtiroler Weinmagazin zu entwickeln, das professionell über Wein ganz allgemein sowie über Südtirols Weinszene berichtet. Wir freuen uns über einen großen Anklang. Ein großes Anliegen ist uns auch, die Veranstaltungen näher hin zu den Mitgliedern, nicht nur in Bozen, sondern hinaus in die Bezirke, zu bringen. Die Leute zu Fort- und Weiterbildung zu mobilisieren ist aber nicht ganz so leicht. Da muss schon ein sehr attraktives und hochwertiges Programm angeboten werden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1028103_image" /></div> <BR /><BR /><b>Ein wichtiger Schwerpunkt der Sommeliervereinigung ist die Ausbildung …</b><BR />Costa: 300 bis 400 Interessierte besuchen alljährlich unsere 10 bis 15 Sommelier-Ausbildungskurse. Die Nachfrage ist nach wie vor groß. Die Hälfte der Teilnehmenden kommt dank der guten Zusammenarbeit mit dem Hotelier- und Gastwirteverband aus der Gastronomie und Hotelerie. Auch die Kellereien schicken ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu den Kursen. Und dann kommen noch zahlreiche private Weininteressierte aus allen Berufssparten hinzu.<BR /><BR /><b>Was macht denn einen guten Sommelier im Restaurant aus?</b><BR />Costa: Ein Sommelier muss professionell und kompetent sein. „Doktor Google“ ersetzt nicht die Sommelier-Ausbildung, bei der den Teilnehmenden nichts geschenkt wird. Ein Sommelier muss aber vor allem Demut haben und er darf nicht arrogant auftreten. Ein freundlicher Umgang mit dem Gast und das Angebot einer beratenden Begleitung gehören dazu. Wenn ein Sommelier nur sich selbst darstellen will, dann kann ich gerne auf ihn verzichten.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-64735877_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Sommeliers gibt es heute ja in bald allen Bereichen: einen Fleischsommelier, einen Käsesommelier, einen Wassersommelier …</b><BR />Costa: Ein Sommelier ist von der Tradition her der Mundschenk oder Weinkellner. Ein Sommelier muss heute in den Bereichen Wein, Bier und Destillate kompetent sein, mit den Produkten, die er den Gästen anbietet. Ob die Übernahme des Begriffs auch auf die unterschiedlichsten Lebensmittelbereiche sinnvoll ist, das sei dahingestellt.<BR /><BR /><b>Wie präsentiert sich für Sie die Südtiroler Weinlandschaft heute?</b><BR />Costa: Südtirols Weinwirtschaft ist grundsätzlich sehr gut aufgestellt, italienweit als auch international. Das hat man wieder auf der letzten „Vinitaly“ in Verona gemerkt: Im Südtirol-Pavillon gab es von der ersten Stunde an kaum ein Durchkommen. Vor allem mit seinen Weißweinen steht Südtirol top da, aber auch mit Rotweinen von großer Qualität.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-64735879_listbox" /><BR /><BR /><BR /><b>Wo liegen die Stärken von Südtirols Weinwelt, wo die Schwachstellen?</b><BR />Costa: Fangen wir bei den Schwachstellen an. Ich habe einige Probleme mit der viel zitierten Vielfalt. Für mich macht es keinen Sinn, dass jeder Weinproduzent 10 und mehr Etiketten in seinem Angebot hat. Vielfalt ist grundsätzlich gut und zeichnet Südtirol aus, aber ein jeder Winzer sollte je nach Lagen und Möglichkeiten das machen, was er gut kann und sich auf 3 bis 4 Rebsorten konzentrieren. Südtirols Weine sind von hoher Qualität und technisch perfekt gemacht. Aber viele Weine, vor allem in den Basislinien, schmecken sehr ähnlich und sind bei ähnlicher Stilistik leicht austauschbar. Da fehlt oft der „Wow-Effekt“. Ich würde mir bei manchen Weinen mehr Charakter und Eigenständigkeit wünschen. Und noch eines: Der neue Trend, dass plötzlich alle in Südtirol Sekt produzieren wollen, ist für mich eine sehr kurzfristige Entscheidung. Einen guten Sekt zu machen, fordert mehr heraus als ein guter Stillwein. Unsere Nachbarn im Trentino haben da eine ganz andere Tradition.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-64735878_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was sagen Sie zur Preispolitik bei den Südtiroler Weinen?</b><BR />Costa: Mir fällt auf, dass wir in Südtirol vor allem bei den Basislinien eine sehr hochpreisige Schiene fahren. Das könnte auf die Dauer zu einem Problem werden. In Österreich und Deutschland und vor allem im restlichen Italien sind die meisten Weine der Basislinien teilweise noch weit unter 10 Euro zu haben. In Südtirol tut man sich da schon schwer. Für die Weine aus den gehobenen Linien gibt es immer Leute, die bereit sind, Geld für teure Weine auszugeben. Allerdings: Muss wirklich jeder Produzent einen Wein mit 100 Euro und mehr im Angebot haben und entspricht da wirklich jeweils die Qualität dem Preis?<BR /><BR /><BR /><?Bereich TagName="Bild"_> <BR /><BR /><b>Noch ein Wort zu PIWI, Orange- und Naturweinen …</b><BR />Costa: Der Name Naturwein ist irreführend und nicht ganz korrekt. Ich bin sehr offen für solche Weine und sie gehen für mich in Ordnung, solange sie sauber sind. Ein Winzer, der seinen Wein mit Fehlnoten präsentiert und dann sagt, dies sei das Ergebnis seines Terroirs, das geht nicht. Bei den pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWI) habe ich vor allem im Weißweinbereich einige sehr gute Weißweine entdeckt. Bei den Rotweinen scheint mir da noch Luft nach oben zu sein.<BR /><BR /><b>Noch ein Blick in die Zukunft …</b><BR />Costa: Ich finde es toll, wie viele junge, gut ausgebildete Önologen in den letzten Jahren Südtirols Weinwirtschaft eingestiegen sind und einsteigen. Viele haben Erfahrungen im Ausland gesammelt und über den Tellerrand geblickt. Mit der zukünftigen Generation der Südtiroler Winzer tut sich in der etwas festgefahrenen Südtiroler Weinlandschaft die Chance auf spannende neue Entwicklungen und neue Wege auf.