Italien hat eines der dichtesten Tankstellennetze in Europa: Rund 20.100 zählt das Unternehmensministerium (Mimit). Die größten Platzhirsche auf dem Markt sind Enilive mit 3.800 Stationen, gefolgt von IP (3.400), Q8 (2.600), Tamoil (1.400) und Esso (1.200). Gemeinsam vereinen die fünf größten Marken rund 61 Prozent des italienischen Tankstellennetzes auf sich.<BR /><BR />In Südtirol ist die Markenkonzentration laut Mimit noch stärker. Hier teilen sich ENI (43), Q8 (27), Esso (22), IP (8) und Tamoil (9) gemeinsam fast drei Viertel der 150 Tankstellen im Land unter sich auf. <h3>Vier von fünf unter staatlichem Einfluss</h3>Hinter den bekannten Marken verbirgt sich ein Geflecht aus Unternehmen, Staatsfonds und Raffinerieanlagen, von denen die meisten Autofahrer wenig Wissen haben. <BR /><BR />Die Marke mit dem sechsbeinigen Hund gehört dem italienischen Energiekonzern ENI, an dem der Staat mit rund einem Drittel beteiligt ist. ENI ist in der gesamten Wertschöpfung integriert – vom Bohrloch bis zur Zapfsäule. Das Rohöl sprudelt aus eigenen Feldern in der Basilikata sowie in Libyen, Ägypten und anderen afrikanischen Staaten, bevor es in den Werken wie Sannazzaro (Lombardei), Tarent (Apulien) oder Livorno (Toskana) veredelt wird.<BR /><BR />IP ist Teil der API-Gruppe, die seit 2025 vom staatlichen aserbaidschanischen Energiekonzern Socar aufgekauft wurde. Ein bedeutender Teil des schwarzen Goldes stammt daher aus Aserbaidschan bzw. dem Kaspischen Meer. Raffiniert wird in den Werken Falconara Marittima bei Ancona sowie Trecate bei Novara.<BR /><BR />Wer hinter Q8 steckt, verrät bereits der Name: Ausgesprochen auf Englisch steht er für Kuwait. Eigentümer ist die staatliche Kuwait Petroleum Corporation, die über einige der größten Ölreserven der Welt verfügt. Entsprechend stammt ein erheblicher Teil des Rohöls aus dem Golfstaat. Doch der Konzern fördert darüber hinaus auch in Ländern Asiens und Ozeaniens. Raffiniert wird unter anderem in der Raffinerie Milazzo auf Sizilien, einem Gemeinschaftsunternehmen von Q8 und ENI. <BR /><BR />Anders stellt sich die Lage bei Tamoil und Esso Italia dar, die heute keine eigenen Raffinerien mehr betreiben und sich auf den reinen Vertrieb konzentrieren. Tamoil gehört zur niederländischen Oilinvest-Gruppe, die mehrheitlich vom libyschen Staat kontrolliert wird, wodurch auch hier nordafrikanische Lieferketten dominieren. Die traditionsreiche Marke Esso wiederum gehört zum US-Ölriesen ExxonMobil; das italienische Tankstellengeschäft wurde jedoch an ein einheimisches Konsortium verkauft, das den Treibstoff über flexible Handelsverträge bezieht.