„Kollegen in der Branche berichten von Rückgängen von 10 bis 20 Prozent zum Vorjahr. Wobei es natürlich stark von der jeweiligen Realität abhängt“, sagt Kurt Unterkofler, Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie im Wirtschaftsverband hds. Viele Betriebe seien davon überrascht worden, wie schnell sich das Geschäft abgeschwächt habe: „Besonders betroffen sind Aperitifbars und Nachtlokale, aber auch Restaurants.“<BR /><BR />Ein wesentlicher Faktor ist laut Unterkofler der veränderte Getränkekonsum. „Es sind weniger Menschen unterwegs, und vor allem wird deutlich weniger Alkohol getrunken, was sich auch negativ auf die Umsätze niederschlägt – in den Restaurants und Ausgehlokalen.“ Getränke und insbesondere alkoholische Getränke seien für viele Betriebe traditionell ein wichtiger Bestandteil ihrer Erlöse.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75785238_quote" /><BR /><BR />Gleichzeitig beobachtet Unterkofler, dass Gäste ihr Geld mehr zusammenhalten. Das gelte sowohl für Urlauber, vor allem aus Deutschland, als auch für die einheimische Bevölkerung. „Man muss sehen, dass die Kaufkraft der Südtiroler in den vergangenen Jahren sukzessive nachgelassen hat. Diverse Krisen und Preissteigerungen haben am Budget der Menschen genagt. Dass das irgendwann auch der Restaurant- und Barbetreiber spürt, ist ganz normal.“<BR /><BR />Auf der anderen Seite waren viele Betriebe gezwungen, ihre Preise anzupassen. Gestiegene Stromkosten, ein teurerer Wareneinkauf und weitere finanzielle Belastungen hätten den Spielraum stark eingeschränkt. „Sogar die Rückzahlung der Coronakredite, die bis heuer lief – all das verursachte Mehraufwände, die auf den Schultern der Betriebe lasteten und teils bis heute lasten“, sagt Unterkofler.<BR /><BR />Den Vorwurf zu starker Preissteigerungen in seiner Branche will er daher nicht gelten lassen. „Wichtig ist, dass Gäste und Betriebe Verständnis für die jeweilige Situation aufbringen. Und das tun sie“, ist er überzeugt. „Darum glaube ich, dass sich diese Entwicklung auch wieder ändern wird. Wir dürfen nur nicht anfangen, an der Qualität zu rütteln: Wir müssen konsequent am Ball bleiben. Und außerdem wird erst am Schluss abgerechnet.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-75785332_quote" /><BR /><BR />Auch Thomas Geiser, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Bars und Restaurants im Hoteliers- und Gastwirteverband HGV, warnt vor vorschnellen Schlussfolgerungen. „Die Saison ist noch lang, Höhen und Tiefen sind wir in unserer Branche gewohnt.“ Die Gastronomie befinde sich derzeit in einer Phase der Konsolidierung. „Aber Alarmstimmung ist nicht angebracht.“<BR /><BR />Gleichzeitig seien gewisse Veränderungen im Konsumverhalten nicht mehr zu übersehen. Auch Geiser nennt insbesondere den rückläufigen Alkoholkonsum. Die Betriebe müssten sich darauf einstellen und ihr Angebot weiterentwickeln. „Wir versuchen deshalb, dem Gast attraktive alkoholfreie Varianten zu bieten.“<BR /><BR />Einen Wandel beobachtet auch Herbert Hintner, ehemaliger Chef des Sternelokals „Zur Rose“ in Eppan und Initiator der Gruppe Südtiroler Gasthaus. „Alkohol ist ein ganz großes Thema, ohne Frage. Flaschen werden sehr viel weniger bestellt, eher einzelne Gläser.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-75785337_quote" /><BR /><BR />Bei den Speisen komme es umso mehr darauf an, einfallsreich und hochwertig zu kochen und dabei auch vegetarische Gerichte anzubieten. Mit der Frequenz in seiner „Osteria Platzegg“ zeigt sich Hintner im Großen und Ganzen zufrieden. Im Gourmetrestaurant „Zur Rose“, das mittlerweile von seinem Sohn Daniel geführt wird, schwanke die Nachfrage hingegen stärker. „Mal sind drei Leute da, mal 30. Es ist alles schwerer vorhersehbar geworden“, sagt Hintner. Gerade für Betriebe im gehobenen Segment werde damit auch die Planung anspruchsvoller. „Insgesamt zeigt sich, dass viele Gäste weniger Geld zur Verfügung haben und bewusster entscheiden, wofür sie es ausgeben.“<BR /><BR />Das sei auch völlig in Ordnung, pflichtet ihm Geiser bei. „Bei den vielen finanziellen Verpflichtungen, die vor allem Familien mit Kindern haben, ist das nachvollziehbar.“