Mittwoch, 09. Oktober 2019

Wenn sich 2 streiten, freut sich auch nicht der Dritte

Parmesan ist nicht irgendein Käse: Er ist auch ein Exportschlager und – wie der gesamte Nahrungsmittelsektor in Italien – ein enormer Wirtschaftsfaktor. Umso schlimmer also, dass auch der König der Käsesorten in den Zollstreit zwischen den USA und der EU hineingezogen wird: Wegen illegaler EU-Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus wollen die USA Strafzölle erheben. Auch Südtirol wäre betroffen, wie der „WIKU“ schreibt.

Streit um den Parmesan-Käse.
Badge Local
Streit um den Parmesan-Käse. - Foto: © AP / Alessandra Tarantino

Statt wie bisher 2,15 Dollar soll auf das Kilo Parmesan nun 6 Dollar Zoll gezahlt werden, rechnet das Parmesan-Konsortium vor. Amerikaner müssten dann nicht mehr 40 Dollar pro Kilo zahlen, sondern 45 Dollar. Das entspricht etwa 41 Euro.

Die Befürchtung ist, dass der Absatz in Amerika leidet. Die USA sind für den Verkauf von Parmesan immerhin der zweitwichtigste Exportmarkt Italiens, pro Jahr werden rund 10.000 Tonnen Käse dorthin geliefert. Nur Frankreich kauft mit 11.000 Tonnen noch mehr.


Der italienische Europaminister Enzo Amendola warnte: „Wir stehen vor einem Szenario, über das wir Europäer gemeinsam nachdenken müssen. Mit Zollkriegen wächst keine Wirtschaft.“

Negative Folgen für Südtirol?

Auch für Südtirol könnte der Konflikt negative Folgen haben – direkte und indirekte, wie Stefan Franz Schubert, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Bozen, erklärt: „Der Zollstreit hat direkte Effekte insofern, als vielleicht auch Unternehmen in Südtirol betroffen sind, deren Produkte in den USA mit Zöllen belegt würden. Selbst wenn kein Südtiroler Unternehmen in die USA exportieren würde, würde es aber zu einem indirekten Effekt kommen: Die Zölle wirken auf die italienische und die deutsche Wirtschaft. Wenn die husten, wird sich Südtirol anstecken: Es kommen zum Beispiel weniger Touristen, da in den betroffenen Volkswirtschaften das Einkommen zurückgeht, werden weniger Südtiroler Produkte gekauft. Über Umwege würden die Zölle also auch Südtirol beeinträchtigen.“

Man könne es drehen und wenden, wie man wolle, sagt der Experte: „Ein Zoll ist langfristig nie etwas Gutes. Das gilt für Handelskriege umso mehr.“


Alle Hintergründe und tiefergehende Einschätzungen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des „WIKU“, Beilage des Tagblatts „Dolomiten“ am Mittwoch.

dpa/apa/kn