Von Gert Gasser<BR /><BR />Das sind nur einige der interessanten Erkenntnisse, die aus den offiziellen Statistiken des italienischen Finanzministeriums zu den Steuererklärungen der Steuerperiode 2024 hervorgehen, die erst kürzlich veröffentlicht wurden. Die neuen Statistiken liefern das aktuellste Bild davon, wie viel in Italien und in Südtirol verdient wird – und wer wirklich für die Allgemeinheit zahlt.<h3> Die Zahlen in Kürze</h3>42,8 Millionen Menschen haben für 2024 eine Steuererklärung abgegeben auf einer Gesamtpopulation von 59 Millionen Menschen in Italien. Sie haben zusammen 1.076 Milliarden Euro Einkommen deklariert, im Durchschnitt 25.820 Euro pro Person auf gesamtstaatlicher Basis. Aus dieser Basis flossen insgesamt 197,4 Milliarden Euro an Einkommensteuer (IRPEF) – knapp vier Prozent mehr als im Vorjahr. <h3> Wer trägt die Steuerlast?</h3>Ein Blick auf die Verteilung nach Einkommensklassen zeigt, wie konzentriert die Steuerlast in Italien ist. Steuerzahler mit einem Bruttoeinkommen bis 35.000 Euro stellen 76,6 Prozent aller Steuerpflichtigen, tragen aber nur 35 Prozent Prozent der Nettosteuer.<BR /><BR /> Wer hingegen ein Bruttoeinkommen über 35.000 Euro hat, trägt überproportional zum Steueraufkommen bei – insgesamt werden 65 Prozent in die Staatskassen einbezahlt. Besonders die Klasse zwischen 35.000 und 70.000 Euro – die klassische Mittelschicht – schultert ein Drittel der gesamten Einkommensteuer IRPEF. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1311954_image" /></div> <BR /><BR />Zudem bemerkenswert: Auf der einen Seite zahlen über 11,3 Millionen Steuerzahler gar keine Einkommensteuer, weil ihre Einkommen zu niedrig sind (rund 11.000 Euro brutto) oder durch Abzüge und Boni ausgeglichen werden. Andererseits erklären nur 1,4 Millionen Steuerzahler (somit rund drei Prozent der Steuerzahler) in Italien mehr als 75.000 Euro brutto. <BR /><BR />In anderen Worten ausgedrückt: Es gibt in Italien acht Mal so viele Personen, die keine Steuern zahlen, im Vergleich zu jenen, die mehr als 75.000 Euro erklären. Eine beeindruckende Zahl.<BR /><BR />Mehr als 300.000 Euro brutto an Einkommen erklärt nur eine Minderheit von 0,2 Prozent der Steuerzahler, welche allerdings 6,6 Prozent der Nettosteuer zahlt.<BR /><BR />Die Zahlen belegen einerseits die Progressivität des italienischen Steuersystems (in einfachen Worten ausgedrückt: Wer mehr verdient, zahlt auch höhere Steuern), verdeutlichen andererseits auch, dass die Schattenwirtschaft relevant ist und nur ein Teil des Einkommens offiziell erklärt werden. <BR /><BR />Anders kann man es sich nicht erklären, wie über elf Millionen Steuerzahler mit einem Einkommen von 11.000 Euro brutto im Jahr über die Runden kommen und über 60 Prozent der Steuerzahler weniger als 26.000 Euro brutto verdienen – es muss noch andere, nicht versteuerte Einnahmen geben. <h3> Eine Steuer für Arbeitnehmer und Rentner</h3>Was die Zahlen noch verraten: Die Einkommensteuer IRPEF trifft in Italien in besonderem Ausmaß zwei Gruppen, und zwar Arbeitnehmer und Rentner. Zusammen stellen sie 84,6 Prozent des deklarierten Gesamteinkommens und damit auch den Großteil der Steuerbasis. Unselbständige Arbeit allein macht mehr als die Hälfte des deklarierten Gesamteinkommens aus und betrifft die Mehrheit der Steuerzahler, Renten steuern rund ein Drittel bei. <BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><img src="https://img.genial.ly/5fd380c29270490f70f47a03/f30fb79b-ab39-43a4-b16e-6acb3b0565c8.jpeg" class="loader-genially" style="position: absolute; top: 0; right: 0; bottom: 0; left: 0; margin-top: auto; margin-right: auto; margin-bottom: auto; margin-left: auto; z-index: 1;width: 80px; height: 80px;"/><div id="6a02d67c9841ed2f131bd75b" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = "https://view.genially.com/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <BR /><BR />Freiberufler und Unternehmer scheinen in der Statistik nur im untergeordneten Ausmaß auf – das hat jedoch auch technische Gründe. Rund zwei Millionen Steuerzahler haben sich für die Pauschalregelung („Flat Tax“) entschieden. Sie zahlen eine Ersatzsteuer von 15 oder 5 Prozent und tauchen in der IRPEF-Statistik nicht auf, da diese Einkommen nicht zum Gesamteinkommen dazugerechnet werden, sondern eben separat besteuert werden.<BR /><BR />Des Weiteren scheinen auch bestimmte Arten von Einkommen nicht auf, wie zum Beispiel die Finanzerträge, welche im Normalfall von den Banken ersatzbesteuert werden und daher nicht in der Steuererklärung angegeben werden müssen.<h3> Große geografische Unterschiede</h3>Geografisch zeigt sich ein vertrautes Bild. Die nördlichen Regionen Italiens sind wohlhabender und verzeichnen die höchsten Durchschnittseinkommen, angeführt von der Lombardei mit 30.200 Euro. Südtirol erreicht knapp dahinter 29.850 Euro, das Trentino liegt leicht darunter. Am unteren Ende stehen hingegen die südlichen Regionen Italiens, mit einem Negativwert in Kalabrien mit nur 19.020 Euro Durchschnittseinkommen. <BR /><BR />Dieses Gefälle zwischen Nord und Süd ist kein neues Phänomen: Es ist ein strukturelles Merkmal, das bereits seit Jahrzehnten besteht und das auch durch die Daten des 2024 erneut bestätigt wird.<h3> Ein Blick auf Südtirol</h3>Insgesamt wurden in Südtirol über 13 Milliarden Euro Einkommen generiert, worauf eine Einkommensteuer von fast 2,6 Milliarden Euro anfiel. In Südtirol wohnen 1,05 Prozent aller italienischen Steuerzahler, sie tragen aber überproportional mit 1,31 Prozent zum gesamtstaatlichen Steueraufkommen bei. Pro Kopf zahlt ein Südtiroler im Schnitt 5.738 Euro Einkommensteuer, während der italienische Mittelwert bei 4.608 Euro liegt. <BR /><BR />Schaut man genauer auf die Verteilung nach Einkommenshöhe, wird klar, woher die Unterschiede stammen. In den unteren Einkommensbereichen sind weniger Südtiroler vertreten als im italienischen Schnitt: Bis 15.000 Euro Einkommen liegen 30,7 Prozent der Südtiroler Steuerzahler – in Italien sind es 33 Prozent. In der Klasse 15.000 bis 26.000 Euro ist der Unterschied noch größer: 23,2 Prozent in Südtirol gegenüber 28 Prozent auf gesamtstaatlicher Ebene, somit fast fünf Prozentpunkte weniger.<BR /><BR />Die Klasse der Einkommensbezieher von 26.000 bis 55.000 Euro, somit die klassische Mittelschicht, umfasst in Südtirol hingegen 37,6 Prozent der Steuerzahler, während im italienischen Vergleich diese Einkommensklasse nur 29,2 Prozent ausmacht. Eine Lücke von 8,4 Prozentpunkten – und genau diese Mittelschicht trägt den Großteil der Steuerlast in Südtirol: Sie steuert 44,9 Prozent der Südtiroler Einkommensteuer bei, während die gleiche Klasse auf gesamtstaatlicher Ebene nur auf 39,4 Prozent kommt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1311960_image" /></div> <BR />In den höheren Einkommensbereichen ähnelt Südtirol wieder dem italienischen Schnitt. Auffällig ist, dass die 1,8 Prozent Spitzenverdiener mit über 120.000 Euro in Südtirol 21,4 Prozent des Steueraufkommens zahlen.<h3> Fazit</h3>Zusammenfassend kann man sagen: In Südtirol wird über alle Einkommensklassen betrachtet mehr verdient und werden auch höhere Steuern bezahlt als wie auf gesamtstaatlicher Ebene. <BR /><BR />Südtirol ist jedoch nicht nur reicher als der italienische Durchschnitt – es ist anders strukturiert. Eine breite Mittelschicht trägt den Großteil der Steuerlast, weniger Menschen leben im niedrigen Einkommensbereich, und die Spitzenverdiener verdienen gut und zahlen überdurchschnittlich hohe Steuern. <BR /><BR />Dass die offiziellen Einkommenszahlen so hoch sind, deutet auch darauf hin, dass die Schattenwirtschaft in Südtirol nicht so ausgeprägt ist wie in anderen Regionen Italiens. <BR /><BR /><i>* Gert Gasser ist Experte für nationales und internationales Steuerrecht. Er arbeitet in der Kanzlei Gasser, Springer, Perathoner,Eder & Oliva in Bozen, Lana und Naturns.</i>