„Es ist nicht möglich, dass der Besitz einer Erstwohnung Familien vom Zugang zu öffentlichen Beiträgen ausschließt“, sagte Salvini kürzlich. „Wer nach Jahren der Opferbereitschaft eine Ein- oder Zwei-Zimmerwohnung abbezahlt hat, darf nicht bestraft werden.“<BR /><BR />Fakt ist: Kaum ein anderes Instrument hat so direkten Einfluss auf das Haushaltsbudget der Familien wie der ISEE. Und seine Bedeutung wird eher größer als kleiner. Doch wie genau wird er berechnet – und warum ist der Vorwurf der Benachteiligung von Eigentümern nicht aus der Luft gegriffen?<h3> Einkommen plus Vermögen</h3>Die Logik des ISEE ist einfach: Er kombiniert Einkommen und Vermögen zu einem einzigen Wert, der die wirtschaftliche Lage eines Haushalts abbildet.<BR /><BR />Zum Einkommen zählen nicht nur alle steuerpflichtigen Einkünfte, sondern auch öffentliche Hilfen – allerdings ist das Familiengeld seit der letzten Reform ausgenommen.<BR /><BR />Beim Vermögen werden zunächst Finanzwerte berücksichtigt. Bankguthaben werden nur oberhalb eines Freibetrags herangezogen, und zwar mit 20 Prozent, Wertpapierdepots mit 22,5 Prozent (eine Ausnahme sind Staatspapiere, die bis 50.000 Euro nicht hinzugezählt werden). <BR /><BR />Der Freibetrag beträgt 6.000 Euro für Alleinstehende und steigt für jedes weitere Familienmitglied um 2.000 Euro, ab dem dritten Kind um zusätzliche 1.000 Euro. <BR /><BR />Der zweite Vermögensblock betrifft Immobilien. Auch die abbezahlte Erstwohnung wird anteilig berücksichtigt – mit einen Fünftel des Katasterwerts. Mieter können hingegen bis zu 7.000 Euro Jahresmiete abziehen, was ihren ISEE deutlich senkt.<h3> Der Familienfaktor</h3>Sind Einkommen und Vermögen addiert, ergibt das den ISE („Indicatore della Situazione Economica“). Erst durch die Teilung mit einem Familienquotienten entsteht der ISEE („Indicatore della Situazione Economica Equivalente“). Dieser Quotient beträgt 1,57 für zwei Personen, 2,04 für drei und 2,46 für vier. Arbeiten beide Elternteile, erhöht sich der Faktor leicht – der ISEE fällt also etwas niedriger aus. Das Prinzip dahinter: Wer mehr Kinder hat, hat auch höhere Ausgaben und braucht mehr Unterstützung.<h3> Wenn die Wohnung den Ausschlag gibt</h3>Salvinis Kritik zielt vor allem auf die Bewertung des Immobilienvermögens. Familien, die ihre Wohnung abbezahlt haben, landen oft über den Anspruchsgrenzen für Boni und Beihilfen – obwohl ihr laufendes Einkommen nicht besonders hoch ist.<BR /><BR />Ein Beispiel: Eine vierköpfige Familie mit 55.000 Euro Jahreseinkommen und 40.000 Euro Ersparnissen erreicht einen ISEE-Wert von über 34.000 Euro, wenn die Eigentumswohnung abbezahlt ist. Würde dieselbe Familie zur Miete wohnen, läge der Wert unter 19.000 Euro – und damit deutlich günstiger für Förderansprüche. Läuft noch ein hoher Wohnungskredit, wird der Katasterwert der Immobilie nicht berücksichtigt. Bei einer Restschuld von mindestens 80.000 Euro reduziert sich der ISEE derselben Familie auf rund 21.800 Euro.<BR /><BR />Diese Beispiele zeigen, wie stark die Wohnsituation den ISEE beeinflusst: Eine abbezahlte Immobilie treibt den Wert nach oben, Miete oder eine laufende Hypothek drücken ihn deutlich.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1212180_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Auch moderate Ersparnisse wirken sich spürbar aus. Hat eine dreiköpfige Familie 50.000 Euro auf dem Konto, werden zunächst 10.000 Euro Freibetrag abgezogen. Von den verbleibenden 40.000 Euro fließen 20 Prozent – also 8.000 Euro – in die Berechnung ein. Liegt dasselbe Geld in Wertpapieren, werden 22,5 Prozent angerechnet, was 9.000 Euro entspricht. Der ISEE steigt also um 1.000 Euro – was im Extremfall den Verlust von öffentlichen Hilfen bedeuten kann. Wer sein Geld auf dem Konto liegen lässt, steht besser da als jemand, der es in Wertpapieren anlegt, um es vor Inflation zu schützen.<h3> Reformbedarf und Ausblick</h3>Grundsätzlich erfüllt der ISEE seine Aufgabe, öffentliche Mittel einigermaßen zielgerichtet zu verteilen. Doch die Gewichtung des Vermögens sorgt seit Jahren für Diskussionen. Rücklagen werden relativ stark berücksichtigt, und die starke Einbeziehung der Erstwohnung ist vielen ein Dorn im Auge. Salvinis Vorstoß könnte Eigentümerfamilien entlasten, die bisher wegen ihres Wohnungsbesitzes durchs Raster fallen.<BR /><BR />Ob die von Salvini geforderte Reform kommt, entscheidet sich in den Haushaltsverhandlungen der nächsten Wochen.<BR /><BR /> <a href="mailto:redaktion@stol.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Haben Sie einen Fehler entdeckt? Geben Sie uns bitte Bescheid.</a>