Dienstag, 18. Dezember 2018

Wie der Vater, so der Sohn?

Werden in Südtirol Berufe „vererbt"? Ergreifen Söhne und Töchter von Arbeitern vorwiegend Arbeiterberufe, Nachkommen von Angestellten vorwiegend Angestelltenberufe? Geben Selbständige ihren Unternehmergeist an die nächste Generation weiter? Welchen Einfluss haben das Geschlecht und der Wohnort? Antworten auf diese Fragen gibt die Beobachtungsstelle für den Arbeitsmarkt.

Der Familienhintergrund spielt eine ganz entscheidende Rolle für die Berufswahl.
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Der Familienhintergrund spielt eine ganz entscheidende Rolle für die Berufswahl. - Foto: © shutterstock

Sie hat mit fundierten Daten für die auf dem Arbeitsmarkt tätigen Geburtenjahrgänge 1968 bis 1988 unter anderem belegt, dass der Familienhintergrund eine ganz entscheidende Rolle für die Berufswahl spielt.

Wie der Vater, so der Sohn

Deutlich wird: Eine starke berufliche Vererbung besteht vor allem zwischen Vätern und ihren Söhnen. So ergreifen 48 Prozent der Söhne von Arbeitern ein Arbeiter- und 25 Prozent einen Angestelltenberuf.

Ebenso fällt bei den Landwirten der Apfel nicht weit vom Stamm: 24 Prozent der männlichen Nachkommen von Landwirten werden ebenfalls Selbständige (zumeist Landwirte), 42 Prozent ergreifen einen manuell geprägten Arbeiterberuf. Den Einfluss des Familienhintergrundes unterstreicht auch die Beobachtung, dass Selbstständigkeit „in die Wiege gelegt" wird: Knapp die Hälfte der Söhne von Selbständigen übt ebenso eine entsprechende Tätigkeit aus.

Die Töchter öfters in Angestelltenverhältnis

Ein markant anderes Bild zeigt sich bei den weiblichen Erwerbspersonen. Frauen üben stärker als Männer Angestelltenberufe aus: den geringsten Wert (immerhin 44 Prozent) verzeichnen die Töchter von Landwirten, den höchsten Wert die Töchter von Angestellten (56 Prozent).

Nur eine von 10 Töchtern von Selbstständigen (außerhalb der Landwirtschaft) und von Angestellten ergreift einen Arbeiterberuf. Der familiäre Hintergrund hat also Auswirkungen trotz unterschiedlicher Berufswahl.

Die Bedeutung des Wohnorts

Welchen Beruf jemand ergreift, hängt auch von den Arbeitsmöglichkeiten am jeweiligen Wohnort ab. Obwohl in den Städten die berufliche Mobilität insgesamt höher ist, hinterlässt der familiäre Hintergrund, gemessen am Beruf des Vaters, durchaus seine Spuren. Dies hängt mit der Wirtschaftsstruktur zusammen, die in den Städten anders ist als im ländlichen Raum.

Besondere Erwähnung verdienen die öffentlich Angestellten: Söhne und Töchter von im öffentlichen Dienst Tätigen ergreifen häufiger Berufe aus diesem Bereich, wobei es auch hier Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Nachkommen gibt.

Auch der Migrationshintergrund spielt eine Rolle

Als dritter Einflussfaktor auf die Berufsausübung spielt der Migrationshintergrund eine Rolle: bei gleichem wirtschaftlichen Familienhintergrund wie die Inländer übt die erste in Südtirol aufgewachsene Generation von ausländischen Staatsbürgern deutlich weniger oft einen Angestelltenberuf aus.

Auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt prägt der familiäre Hintergrund stark die Wahl des Berufes der untersuchten Gruppe der heute 30- bis 50-jährigen Erwerbstätigen. Das Geschlecht, die räumliche und ethnische Herkunft sind weitere Einflussgrößen. Offen ist, ob diese Form der Berufswahl auch für jüngere Generationen gilt und in Zukunft Bestand haben wird.

stol

stol