Das Bäckerhandwerk liegt Alexander und David Volgger gewissermaßen im Blut: Schon seit 75 Jahren wird in der Familie gebacken. Bereits in jungen Jahren standen sie mit ihrem Vater in der Backstube. „Als wir in der Mittelschule waren, hat uns unser Vater manchmal unser eigenes Brot backen lassen, das wir dann selbst verkaufen durften – so haben wir uns damals unser erstes Taschengeld verdient“, erzählt David Volgger. <h3>Der Rat des Vaters: „Tiat und probiert“</h3>Während Alexander nach der Pflichtschule die Lehre im elterlichen Betrieb begann, entschied sich David nach zwei Jahren Handelsoberschule ebenfalls für das Bäckerhandwerk. Ihr Vater sei kein strenger Lehrmeister gewesen, erinnern sich die beiden Bäcker. „Tiat und probiert“, habe er seinen Buben gesagt. Er sei immer offen für Neues gewesen und habe ihnen viel Freiraum gelassen. „Lasst die Jungen tun“, sei seine Einstellung gewesen.<BR /><BR />Die beiden Brüder sind dem Rat ihres Vaters gefolgt, haben viel ausprobiert und im Laufe der Jahre neue Produkte entwickelt. Sie erweiterten das Angebot unter anderem um süßes Gebäck, Schüttelbrot und Brotsorten aus Dinkel, Kamut und Vollkorn. Weiße Wecken, Semmeln und „Loabn“ backen sie heute noch nach den bewährten Rezepten ihres Vaters und Großvaters. <BR /><BR />In der Backstube erleichtern einige neue Geräte die Arbeit in dem Zwei-Mann-Betrieb. Aber auch was die maschinelle Ausstattung betrifft, halten die Brüder Volgger an Bewährtem fest: Die Semmelmaschine zum Beispiel läuft seit 1989 einwandfrei. „Als mein Vater diese Maschine vor fast 40 Jahren für 100 Millionen Lire gekauft hat, haben ihn die Bäcker in Sterzing für verrückt erklärt“, erinnert sich sein Bruder David.<h3>Die beliebten Pfitscher Semmeln</h3>Die Semmelmaschine sorgt auch für das typische Aussehen der sogenannten Pfitscher Semmeln, für die die Bäckerei über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist. „Zu Schulzeiten haben uns unsere Mitschüler aufgezogen, weil unsere Semmeln kleiner sind als andere. Sie gehören aber zu unseren beliebtesten Produkten. In den Teig kommt nur Wasser, Mehl und Salz“, erklärt David Volgger. Auf Backmischungen und Zusatzstoffe verzichtet die Bäckerei. <h3>Vom Bäcker zum Nahversorger</h3>Als nach und nach die Gemischtwarenläden in Pfitsch schlossen, nahmen die Volggers zunächst einzelne Lebensmittel in ihr Sortiment auf. Weil die Nachfrage stieg, richteten sie den Verkaufsraum in St. Jakob neu ein und eröffneten einen kleinen GOL-Supermarkt. <BR /><BR />Als 2009 auch in Kematen der letzte Gemischtwarenladen schloss, pachteten die Brüder Volgger das Geschäft und führen dort seitdem ebenfalls Brot, Gebäck und Waren des täglichen Bedarfs. <BR /><BR />Ein Betrieb wie der ihre könne nur bestehen, wenn die Einheimischen ihn nutzen. Einfach sei es nicht, doch die beiden sind Nahversorger mit Leib und Seele und liefern jenen, die nicht mehr ins Geschäft kommen können, die bestellte Ware bis vor die Haustür. „Wenn im Sommer dank der Touristen etwas mehr los ist, ist das nur ein Zuckerle.“<BR /><BR />Ihnen ist auch der soziale Aspekt des Dorfladens bewusst. „Vor allem unser Geschäft in St. Jakob ist mehr als ein Ort zum Einkaufen, sondern ein richtiger Treffpunkt für die Dorfbewohner. Hier treffen sie sich auch zum Kaffeetrinken, und um einen Ratscher zu machen“, erzählt Alexander Volgger. <h3> Neue App: Einkaufen, wenn andere geschlossen haben</h3>Um langfristig bestehen zu können, haben die Brüder einen innovativen Weg eingeschlagen. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihre Geschäfte auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich zu machen, stießen sie auf die ursprünglich für Hofläden entwickelte App Lock Best. Nach überschaubaren Investitionen und Anpassungen starteten sie damit im Jänner.<BR /><BR />Zwischen 5 und 22 Uhr kann nun jederzeit im Geschäft eingekauft werden, auch an den Wochenenden. Nach der Registrierung erhalten die Kunden über einen QR-Code Zutritt, scannen die Waren mit dem Smartphone und bezahlen bar oder mit Karte.<BR /><BR />„Wir sehen das Einkaufen per App als Zusatzservice für unsere Kunden. Einige nutzen die App schon regelmäßig. Sie hilft uns aber auch zum Beispiel bei urlaubsbedingter Personalknappheit“, erklärt David Volgger. <BR /><BR />Die gute Seele in der Backstube und im Geschäft ist übrigens Mama Margareth, die tatkräftig mitarbeitet. Zwei Buben legen zwei große Packungen Eis vor ihr auf die Kasse. 10,89 Euro kosten sie, zehn Euro haben die beiden dabei. „Das passt schon“, sagt Margareth Volgger lächelnd. Die Buben bedanken sich und laufen hinaus. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1354305_image" /></div>