Mittwoch, 30. Mai 2018

Wie die EZB auf die Italien-Krise reagieren kann

Die politische Krise in Italien wirbelt die Finanzmärkte durcheinander. Kommt es zu Neuwahlen, könnte die jetzt ausgebremste Koalition aus der 5-Sterne-Bewegung und rechtsextremen Lega ihren Stimmenanteil wohl noch erhöhen. Dies hat am Devisenmarkt den Euro seit Monatsbeginn in der Spitze um rund 5 US-Cent auf ein 10-Monats-Tief von gut 1,15 Dollar gedrückt.

Die politische Krise in Italien wirbelt die Finanzmärkte durcheinander.
Die politische Krise in Italien wirbelt die Finanzmärkte durcheinander. - Foto: © shutterstock

An der Mailänder Börse warfen Anleger Aktien im hohen Bogen aus ihren Depots, so dass der Leitindex seit Anfang Mai rund 10 Prozent verlor. Am Rentenmarkt führte der Ausverkauf bei den Staatsanleihen dazu, dass sich die Renditen im 10-jährigen Bereich in den vergangenen 3 Wochen fast verdoppelten: Sie liegen nun bei knapp 3,4 Prozent – der höchste Stand seit 2014. Damit wächst der Druck auf das Land, womöglich mit unabsehbaren Folgen für die Euro-Zone. Investoren schauen deshalb verstärkt auf die Europäische Zentralbank (EZB) und ihre Eingriffsmöglichkeiten.

Erstmals keine Schuldenkrise  

Analysten zufolge droht Italien vorerst keine Schuldenkrise – auch dank der Euro-Notenbank. „Denn die EZB hat die Zinsen am Anleihenmarkt so weit gedrückt, dass die Zinslast des italienischen Staates auch bei höheren Risikoaufschlägen noch ein paar Jahre sinken wird“, glaubt Commerzbank-Experte Ralph Solveen. Selbst wenn die Rendite 10-jähriger italienischer Papiere auf Niveaus um die 6 Prozent wie zur Zeit der Staatsschuldenkrise steigen sollte, werfe dies den Haushalt kaum aus der Bahn. Die Zinsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt würden in den nächsten 5 Jahren nur wenig zunehmen. Erst 2030 wären sie so hoch wie in den Jahren vor der Staatsschuldenkrise von 2012, so der Commerzbank-Experte.

Sollten die Renditeaufschläge bei italienischen Staatsanleihen dennoch in extreme Höhen steigen, hat die EZB ein scharfes Schwert in der Hintergrund – das sogenannte OMT-Programm. Es steht für „Outright Monetary Transactions“, direkte geldpolitische Geschäfte. Mit dem Programm können gezielt Staatsanleihen von kriselnden Euro-Ländern gekauft werden, um die Renditeaufschläge zu drücken. Die Transaktionen müssen im voraus nicht begrenzt werden. OMT ist bislang noch nie zum Einsatz gekommen.

apa/reuters

stol