Demnach hat die Wirtschaftsleistung in Südtirol im ersten Halbjahr 2025 um 0,5 Prozent zugenommen. Das liegt im italienischen Durchschnitt, aber etwas unter dem Wert des Trentino (0,7 Prozent).<BR /><BR />Etwas Auftrieb kam laut Banca d’Italia von der Exportwirtschaft. Viele heimische Betriebe konnten im Ausland mehr verkaufen – besonders Lebensmittel, Agrarprodukte und Fahrzeuge waren gefragt. Während der Handel mit den Euro-Ländern leicht zurückging, legten die Exporte in andere EU-Staaten – etwa nach Rumänien – und in Nicht-EU-Länder deutlich zu. <BR /><BR />Vor allem in die USA wurde kräftiger geliefert, auch weil viele Importeure ihre Käufe vor den angekündigten höheren Zöllen tätigten, heißt es im Bericht. Zur Erinnerung: Die Sonderzölle für Waren aus der EU, die in die USA importiert werden, traten erst im August in Kraft.<h3> Verarbeitendes Gewerbe tritt auf der Stelle</h3>Im verarbeitenden Gewerbe ist laut Konjunkturbericht von Aufschwung wenig zu spüren. Die Notenbank stützt sich dabei auf die Einschätzungen der Unternehmen im Wirtschaftsbarometer des Wifo der Handelskammer Bozen: Rund die Hälfte der Betriebe rechnet mit gleichbleibenden oder sinkenden Umsätzen, die andere Hälfte mit einem Zuwachs. Besonders kleinere Unternehmen tun sich schwer, während größere, exportorientierte Betriebe bislang etwas besser durch das Jahr kommen.<h3> Bauwirtschaft verliert an Kraft</h3>Einen deutlichen Dämpfer spürt der Bausektor. Nach einem positiven Jahr 2024 hat sich die Stimmung deutlich verschlechtert. Der Saldo zwischen optimistischen und pessimistischen Unternehmen liegt nun klar im Minus. Öffentliche Investitionen – etwa im Zusammenhang mit dem Wiederaufbauplan PNRR oder den Olympischen Winterspielen 2026 – sorgen zwar für Aufträge, konnten den Rückgang im privaten Wohnbau aber nicht wettmachen.<BR /><BR />Am Immobilienmarkt hat sich die Zahl der Verkäufe nach dem Rückgang Ende 2024 wieder etwas erholt. Die Wohnpreise sind laut Banca d’Italia weiter kräftig gestiegen – um rund sieben Prozent, also stärker als im italienischen Durchschnitt (plus 4,2 Prozent).<h3> Tourismus bleibt Motor der Wirtschaft</h3>Ein stabiler Tourismus sorgt laut dem Konjunkturbericht weiterhin für gute Stimmung im Dienstleistungssektor. Hotels, Gastbetriebe und Handel meldeten steigende Umsätze. Die Zahl der Übernachtungen nahm im ersten Halbjahr um 1,6 Prozent zu (Trentino: 3,1 Prozent). Während weniger Gäste aus Deutschland anreisten – wohl auch wegen der schwachen Konjunktur dort –, stieg die Nachfrage aus Osteuropa, den Niederlanden und den USA deutlich an.<h3> Mehr Kredite vergeben</h3>Auch auf dem Kreditmarkt zeigten sich laut der Banca d’Italia positive Signale. Unternehmen und Familien griffen wieder etwas häufiger zu Bankkrediten. Der Zinssatz für neue Investitionsdarlehen ist im Juni auf 4,2 Prozent gesunken, jener für Betriebsmittelkredite auf 4,9 Prozent. Die Kreditvergabe an Betriebe legte um zwei Prozent zu – vor allem bei größeren Firmen und im tourismusnahen Dienstleistungsbereich sei eine Trendumkehr sichtbar.<BR /><BR />Die Finanzlage der Betriebe bewertet die Notenbank weiterhin als solide. Der Anteil an notleidenden Krediten blieb mit 1,1 Prozent niedrig und deutlich unter dem italienischen Durchschnitt. Rückzahlungen liefen weitgehend planmäßig.<BR /><BR />Bei privaten Haushalten hat sich die Nachfrage leicht erhöht: Die Vergabe von Wohnbaukrediten stieg um 1,7 Prozent, und die durchschnittlichen Zinsen gingen leicht auf 3,7 Prozent zurück, heißt es im Bericht.<h3> Stabiler Arbeitsmarkt mit kleinen Dellen</h3>Am Arbeitsmarkt zeigt sich ein differenziertes Bild. Im ersten Halbjahr waren um 0,9 Prozent weniger Menschen beschäftigt als im Vorjahr – vor allem im verarbeitenden Gewerbe. Im Dienstleistungsbereich hingegen stieg die Beschäftigung leicht an. Die Arbeitslosenquote blieb im ersten Halbjahr mit 1,9 Prozent auf einem Rekordtief – weit unter dem italienischen Durchschnitt von 6,7 Prozent.<BR /><BR />Die Einkommen der Südtiroler Haushalte blieben von Jänner bis Ende Juni real weitgehend stabil, auch wenn die Preise etwas stärker stiegen als im Vorjahr. Die Menschen gaben im Schnitt etwas mehr Geld aus (plus 0,4 Prozent), behielten aber auch ihre Sparneigung bei: Die Bankeinlagen nahmen um 3,1 Prozent zu, die Geldanlagen – etwa in Fonds oder Wertpapieren – sogar um 17 Prozent.<h3> Solide Basis, aber wenig Schwung</h3>Insgesamt zeigt sich Südtirols Wirtschaft – in den Augen der Notenbank – robust, aber zurückhaltend. Für die kommenden Monate erwartet die Banca d’Italia eine verhalten positive Entwicklung – „sofern das internationale Umfeld stabil bleibt und keine neuen Unsicherheiten hinzukommen“.