Der USA zu Ruhm und Glanz vergangener Tage verhelfen, die Wirtschaft ankurbeln, die Steuern senken und illegale Migranten abschieben: Mit diesen Versprechen hat Donald Trump vor einem Jahr die Präsidentschaftswahlen für sich entschieden. Wie steht es jedoch um die US-Wirtschaft? Auf den ersten Blick wirken die aktuellen Wirtschaftsdaten solide – doch unter der Oberfläche zeigen sich erste Risse. Ökonom Stefan Franz Schubert erklärt, warum die US-Wirtschaft ins Wanken geraten könnte.<BR /><BR />„Sie ist derzeit weder in einem rasanten Aufschwung noch in einer tief steckenden Rezession“, fasst Stefan Franz Schubert, Professor für Makroökonomik und Wirtschaftswachstum an der Freien Universität Bozen, zusammen. Die aktuellen Konjunkturdaten geben noch wenig Anlass zur Sorge – die Wirtschaft wächst. „Doch ein Großteil der soliden Wirtschaftsentwicklung 2025 ist noch von Trumps Vorgänger Joe Biden bestimmt.“ Die Folgen von Trumps Politik werden ihre Wirkung erst noch entfalten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1235133_image" /></div> <h3> Wachstum – das nicht bei allen ankommt</h3>Zwar rechnen Ökonomen in diesem Jahr mit einem BIP-Wachstum von rund zwei Prozent, doch die Entwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich. In einigen Bundesstaaten zeichne sich bereits eine wirtschaftliche Flaute ab. „Wenn auch New York und Kalifornien, die beiden wirtschaftlichen Schwergewichte, ins Straucheln geraten, würde die gesamte US-Wirtschaft in eine Rezession rutschen“, warnt der <BR />Experte.<BR /><BR />Zudem profitiert längst nicht die gesamte Bevölkerung vom Aufschwung. „Das liegt daran, dass Löhne nicht sofort angepasst werden und Trumps Politik insbesondere einkommensschwache Haushalte benachteiligt“, so Schubert. Kürzungen im Gesundheitssystem und die Rücknahme von Obamacare träfen vor allem weniger wohlhabende Menschen, die dadurch einen größeren Teil ihres Einkommens für medizinische Versorgung aufbringen müssten.<h3> Zölle befeuern Inflation</h3>Verstärkt wird der Preisdruck durch Trumps Zollpolitik, die die Inflation zuletzt ankurbelt. Nach Angaben der Statistikbehörden lag die Inflationsrate im September bei 3,0 Prozent. Dass insbesondere Lebensmittel deutlich teurer geworden sind, spüren die Verbraucher. „Insbesondere weniger wohlhabende Haushalte, deren Ausgaben für Lebensmittel einen höheren Anteil des Einkommens in Anspruch nehmen, bekommen dies zu spüren. Sie müssten an anderer Stelle sparen, wodurch die Gesamtnachfrage nach Konsumgütern fallen könnte“, erklärt Schubert. Für die US-Wirtschaft wäre das fatal, weil der private Konsum knapp 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht.<BR /><h3> Arbeitsmarkt droht ein Mangel</h3>Auch Trumps restriktive Einwanderungspolitik dürfte sich schon bald negativ auf die US-Wirtschaft auswirken. Der Grund: „Viele der sogenannten einfachen Jobs werden in den USA von Migranten erledigt“, erklärt Schubert. Dazu gehören etwa Jobs in der Landwirtschaft oder in der Lebensmittelverarbeitung. „Wenn diese Arbeitskräfte das Land verlassen müssen, entsteht ein erheblicher Personalmangel.“<BR /><BR /> Nicht zuletzt belastet auch der anhaltende Haushaltsstreit die US-Wirtschaft. Der Rekord-Shutdown, ausgelöst durch den nicht verabschiedeten Bundeshaushalt, verursacht täglich Schäden in Millionenhöhe. „Seit Oktober erhalten viele Beschäftigte von Bundesbehörden kein Gehalt mehr – das schwächt die Nachfrage“, betont Schubert. Dass die Stimmung unter den amerikanischen Verbrauchern sich bereits eintrübt, zeigt der Konsumklimaindex, der sich im Oktober verschlechtert hat. <BR /><h3> „Wenn Amerika hustet, bekommen alle einen Schnupfen“</h3>Als größte Volkswirtschaft und zentraler Handelspartner bleibt die USA der Taktgeber der globalen Konjunktur. Ein Abschwung jenseits des Atlantiks würde deswegen auch international spürbare Erschütterungen auslösen. Nach dem Motto: „Wenn Amerika hustet, bekommen alle Länder einen Schnupfen“, so Schubert.<BR /><BR />Noch ist unklar, ob Trumps Kurs die US-Wirtschaft beflügeln oder bremsen wird. Sicher ist nur: Die anhaltende Unsicherheit unter seiner Präsidentschaft ist kein guter Nährboden für Erfolg.