<BR />Gestatten? Das ist Simon. 41 Jahre alt, zweifacher Vater und im Familienbetrieb so etwas wie der Joker im Ärmel: immer gebraucht, flexibel einsetzbar und einer, mit dem man gut gewinnen kann. <BR />So auch im vergangenen Sommer. Simon war gerade mit Renovierungsarbeiten auf einer Baustelle beschäftigt. Da fiel sein Blick auf die Fenster des Gebäudes: Die sollten tatsächlich entsorgt werden? Simon konnte es kaum glauben, denn die Rahmen und Scheiben waren noch in einem Top-Zustand. Also schlug er vor, die Fenster auszubauen und zu verschenken. Gute Idee, fand der Besitzer, und am Ende erfuhren nicht nur die Fenster ein zweites Leben, sondern auch ein gut erhaltener Natursteinboden und eine Ladung Holz. Ein Gewinn für alle Beteiligten – und für die Umwelt. <h3> Nachhaltigkeitslabel für Klein- und Mittelbetriebe</h3>„Manchmal geht es einfach darum, einen Schritt weiterzudenken“, sagt Simon, während er die Farbeimer in den Lieferwagen hievt. Deshalb hat er sich auch für die Teilnahme an einem Pilotprojekt entschieden, zu dem der Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister (lvh) seine Mitgliedsbetriebe eingeladen hatte. <BR />Es geht um das Nachhaltigkeitslabel Südtirol, das bisher Tourismusbetrieben vorbehalten war. IDM möchte es in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsverbänden auf Klein- und Mittelbetriebe ausweiten, und als Erste sind die Handwerksunternehmen dran. „Wenn es solche zukunftsweisenden Angebote gibt, dann sollte man sie auch nutzen“, findet Simon.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1120560_image" /></div> <BR />Natürlich traf er die Entscheidung zum Mitmachen nicht allein. Hinter der Malbo GmbH steht eine ganze Familie. Da ist Vater Davide (66), der die Firma in den 1980er-Jahren gegründet hat, Mama Emilia (64), die den dazugehörigen Bastelladen führt, und nicht zu vergessen: Simons Bruder Daniel (42), der sich mit Pinsel und Werkzeug zwar wenig anfreunden kann, dafür aber in der Verwaltung den Laden zusammenhält. „Zum Glück!“, sagt Simon, er selbst wollte immer schon Handwerker werden, selbst wenn er, wie sein Bruder, zunächst die Handelsoberschule besucht hat. <BR />„Mach erstmal die Matura, arbeiten kannst du noch lange genug“, hatte ihm Vater Davide geraten. Heute ist er froh darüber.<h3> Zertifizierung als Orientierung</h3>Seit mehr als 20 Jahren ist Familie Frenes ein eingespieltes Team, wobei längst die jüngere Generation die Zügel in der Hand hält. „Daniel ist das Gehirn, ich bin die Hand“, sagt Simon lachend und vergisst dabei nicht, auf den Erfahrungsschatz seines Vaters hinzuweisen: „Er ist zwar schon in Rente, aber nach wie vor im Einsatz und vor allem bei kniffligen Aufträgen gefragt.“ Zum Team gehören außerdem 7 Mitarbeiter, darunter Micki und Egon, 2 Cousins von Simon und Daniel, und nächstes Jahr soll es mit Simons Neffe Alex weitere familiäre Verstärkung geben. <BR /><BR />Malen, verlegen, dämmen und restaurieren – es ist diese Vielseitigkeit, die Simon an seiner Arbeit schätzt. „Und dass ich abends sehe, was ich tagsüber geschafft habe“, ergänzt er. <BR /><BR />Das Nachhaltigkeitslabel betrachtet er als Chance, den Betrieb auf eine neue Ebene zu heben und damit fit für die Zukunft zu machen. „Es geht darum, zu wissen, wo wir stehen, zu erkennen, wie wir uns weiterentwickeln können, und mit Experten gemeinsam Maßnahmen zu setzen.“ Natürlich erhofft er sich auch einen wirtschaftlichen Mehrwert: „Kunden können sich künftig darauf verlassen, dass zertifizierte Unternehmen nachhaltig arbeiten. Das ist eindeutig ein Pluspunkt.“ <h3> Nicht nur ökologische Aspekte</h3>Aktuell befindet sich die Firma Malbo noch am Beginn des Prozesses, wobei die Familie rein umwelttechnisch schon vor Jahren zahlreiche Maßnahmen ergriffen hat. „Wir achten auf ökologische Materialien wie Farben auf Wasserbasis, bieten Naturholzböden aus den nachhaltig bewirtschafteten Wäldern des Benediktinerstiftes Admont in der Steiermark an, und wir setzen auf Strom aus erneuerbaren Energien.“<BR /> Doch in den nächsten Jahren soll noch mehr passieren: Die Werkstatt soll so bald wie möglich umgebaut, ein Flachdach mit Solarpaneelen installiert werden, und der selbst erzeugte Strom soll künftig eine Wärmepumpe antreiben. <BR /><BR />Das Bewusstsein für eine nachhaltige Arbeits- und Lebensweise ist also unabhängig vom Pilotprojekt bereits vorhanden. Aber Simon weiß: „Besser geht immer.“ Schließlich umfasst das Nachhaltigkeitslabel Südtirol nicht nur ökologische und wirtschaftliche Aspekte, sondern auch Management und soziale Nachhaltigkeit – Bereiche, die gerade für kleine Unternehmen immer wichtiger werden. Es geht schließlich einfach darum, einen Schritt weiterzudenken. Sagt es, steigt in seinen Lieferwagen und macht sich auf zur nächsten Baustelle.