Insgesamt lagern in Europa derzeit rund 900 Millionen bis 1 Milliarde Barrel Rohöl und Erdölprodukte. Die strategischen Reserven gehen auf die Ölkrisen der 1970er-Jahre zurück. Damals verpflichtete die IEA ihre Mitglieder, nationale Notlager anzulegen. Die zentrale Vorgabe lautet bis heute: Jedes Land muss Vorräte halten, die 90 Tage abdecken.<BR /><BR />Diese 90-Tage-Regel wird allerdings häufig falsch interpretiert. Sie bedeutet nicht, dass ein Land im Ernstfall tatsächlich 90 Tage lang allein von diesen Reserven leben könnte. Die Vorgabe bezieht sich ausschließlich auf die Importmenge – nicht auf den gesamten täglichen Verbrauch.<BR /><BR />Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigt Italien besonders deutlich. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestreserve, berechnet nach der Regel der Internationalen Energieagentur (IEA), liegt bei rund 76 Millionen Barrel. Bei einem täglichen Verbrauch von etwa 1,2 Millionen Barrel würde diese Menge nur rund 60 Tage reichen.<BR /><BR />Tatsächlich liegen die Bestände derzeit deutlich höher. Insgesamt verfügt Italien über 130 bis 140 Millionen Barrel an Ölreserven – darunter staatliche strategische Vorräte sowie verpflichtende Lagerbestände der Industrie. Gemessen am heutigen Verbrauch entspricht das einer rechnerischen Reichweite von etwas über 100 Tagen.<BR /><BR />Die strategischen Reserven lagern dabei nicht in einem einzigen gigantischen Depot. In Italien koordiniert das Organismo Centrale Stoccaggi (OCSIT) ein weit verzweigtes System aus Tanklagern, Raffinerien und Hafenterminals.<BR /><BR />Ein kleinerer Teil der Vorräte liegt bereits als Benzin, Diesel oder Kerosin vor und kann im Krisenfall relativ schnell freigegeben werden. Der Hauptteil besteht jedoch aus Rohöl, das erst in Raffinerien verarbeitet werden muss, bevor zusätzliche Mengen tatsächlich an den Tankstellen ankommen.<BR /><BR />Über die größten Ölbestände in Europa verfügen Deutschland mit rund 250 Millionen Barrel und Frankreich mit etwa 150 Millionen Barrel.<BR /><BR />Ein Puffer existiert auch beim Erdgas. Italiens Gasspeicher waren zuletzt etwa zur Hälfte gefüllt. Bei einem vollständigen Importstopp würden diese Vorräte den Bedarf des Stiefelstaates rund 50 Tage decken.