Welche das sind und warum es schon seit einigen Monaten teurer ist, Geld von der Bank zu leihen, klären wir mit Georg Mair am Tinkhof, Direktor Finanzen der Südtiroler Volksbank. <BR /><BR /><BR /><b>Der Hauptrefinanzierungssatz wird um 0,75 Prozent auf 1,25 Prozent angehoben. Ein kräftiger Schritt, wie er ja auch von vielen Experten gefordert worden war, besonders nach dem doch sehr entschlossenen Eingreifen der US-Notenbank Fed. Wie bewerten Sie diese Maßnahme?</b><BR />Georg Mair am Tinkhof: Aus Sicht der Inflationsbekämpfung ist dieser Schritt auf Basis der zugrundeliegenden Daten notwendig. Allerdings wird diese Maßnahme allein keinen direkten, unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung der Energiekosten haben – vor allem auf die Gaspreise. Gerade die Energiekosten sind jedoch der aktuell wesentliche Treiber der Inflation. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="807674_image" /></div> <BR />Auf der anderen Seite sehen wir nach COVID eine noch positive Wirtschaftsentwicklung, die sich jedoch zusehends eintrübt. Steigende Zinsen belasten tendenziell das Wirtschaftswachstum. Die EZB steht daher vor der schwierigen Herausforderung, dieses Spannungsfeld bestmöglich auszutarieren. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass wir uns im historischen, langfristigen Vergleich auch nach diesem Zinsschritt noch auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau befinden.<BR /><BR /><b>Der Referenzzins Euribor, der ja entscheidend für die Kreditzinsberechnung ist, ist in den vergangenen Monaten bereits deutlich angestiegen. Wie sehr haben sich Kredite seit Jahresanfang verteuert?</b><BR />Mair am Tinkhof: Der Euribor berücksichtigt bereits die Zinserwartungen der Marktteilnehmer und somit antizipiert dieser die voraussichtliche Zinsentwicklung. Seit Jahresbeginn ist beispielsweise der Euribor 6 Monate, der häufig als Referenzzinssatz für variabel verzinste Kredite herangezogen wird, um rund 1,90 Prozent gestiegen und ist somit wieder deutlich positiv; aktuell liegt dieser bei rund 1,35 Prozent.<BR /><BR /><b>Dazu kommt bekanntlich der Zinsaufschlag der Bank. Welche Veränderungen beobachten Sie im Bereich der festverzinslichen Kredite?</b><BR />Mair am Tinkhof: Die langfristigen Marktzinssätze, die als Basis für die Berechnung der fix verzinsten Kredite herangezogen werden, sind seit Jahresbeginn ebenfalls stark gestiegen. Beispielswiese ist der Marktzinssatz (IRS-Satz) für 15 Jahre Laufzeit in diesem Zeitraum um rund 2 Prozent auf aktuell rund 2,5 Prozent gestiegen. Somit haben sich auch die Voraussetzungen für neue Finanzierungen mit fixer Verzinsung geändert und insofern ist das Interesse an fest verzinslichen Krediten zurückgegangen.<BR /><BR /><b>Wie sieht es generell mit der Kreditnachfrage aus: Hat sie mit den steigenden Zinsen, der Energiekrise und weiteren Unsicherheitsfaktoren spürbar abgenommen?</b><BR />Mair am Tinkhof: Ja, wir sehen aktuell eine geringere Kreditnachfrage. Allerdings ist dieser Umstand vor allem auf das aktuelle makro-ökonomische Umfeld zurückzuführen, das von starker Unsicherheit geprägt ist und nicht vordergründig von gestiegenen Zinsen. Darüber hinaus ist aktuell auch das Verbrauchervertrauen bzw. das Konsumklima eingetrübt, was wiederum die Kreditnachfrage beeinflusst.<BR /><BR /><b>Wie wirkt sich der höhere Zins auf Sparguthaben aus?</b><BR />Mair am Tinkhof: Die Konditionen hängen von der Laufzeit der Zinsbindung ab. Durch die geänderten Voraussetzungen haben Sparer wieder mehr Möglichkeiten bei längerfristigen Anlagen. Grundsätzlich empfehlen wir, das Thema Geldanlage in einem professionellen Gespräch kontextbezogen zu vertiefen.