Vizepräsident Simon Thun erklärt im Interview die neuen Strategien, die ehrgeizigen Pläne und was es mit Haustieren als Geschäftsfeld auf sich hat.<BR /><BR /><BR /><i>Von Sabine Gamper</i><BR /><BR /><BR /><b>Herr Thun, Sie haben mit Lenet Group eine neue Firmenholding geschaffen, die die Unternehmen Thun, Unitable und Connecthub unter sich vereint. Sie sagen, Sie schlagen ein neues Kapitel auf. Was wird jetzt anders?</b><BR />Simon Thun: Dadurch dass nun die verschiedenen Unternehmungen, die schon vorher zur Familie Thun gehört haben, in einer Gruppe zusammengeschlossen werden, ergibt sich ein synergetisches Businessmodell unter einheitlicher Führung. Entscheidend ist, dass wir dadurch in eine neue Dimension wachsen können. <BR /><BR /><BR /><b>Weshalb der Schritt?</b><BR />Thun: Mein Vater hat die Markenunternehmen, in erster Linie Thun, und die Unternehmen, die sich um die Logistik, die digitale Entwicklung usw. gekümmert haben, sehr separat gehalten. Als ich dann vor 3 Jahren in die Unternehmensführung operativ eingestiegen bin, habe ich die Synergien gesehen, die sich da ergeben können und die es uns auch erlauben werden, über uns hinauszuwachsen. Denn wir sind seit 70 Jahren ein Markenunternehmen des Einzelhandels, das Wertschöpfung durch Kreativität schafft. Aber zum einen ist die heute nichts wert, wenn sie nicht durch perfekt funktionierende digitale Service- und Logistikleistungen ergänzt wird. Und zum anderen können wir alle unsere Kompetenzen, jene des Digitalbereichs und jene der Logistik – für neue, zeitgemäße Geschäftsmodelle nutzen, zum Beispiel im Haustier-Bereich. <BR /><BR /><BR /><b>Sie meinen Luxpets, den ersten Online-Marktplatz für Haustier-Luxusartikel, den Sie gegründet haben. Wie passt der eigentlich ins Konzept?</b><BR />Thun: Das muss man eher von der Seite des Geschäftsmodelles betrachten als von der des Produktes, das verkauft wird. Wir haben uns gefragt: Was sind unsere Kernkompetenzen? Was ist ein Markt, der sich stark entwickelt? <BR /><BR /><embed id="dtext86-48736074_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Und weil sie die digitale und logistische Kompetenz schon quasi im Haus hatten…</b><BR />Thun: … war es naheliegend, im Haustier-Bereich einen Marketplace zu gründen. Vor allem im Luxussegment tut sich da sehr viel. Zudem ist der ganze Bereich rund um Haustiernahrung sehr onlinegetrieben. Das Ziel von Luxpets ist es dann, all das sowie Serviceleistungen, von der Versicherung bis zum Pet-Hotel, auf eine Onlineplattform zu bringen. Das ist sehr spannend, und da wollen wir auch ordentlich investieren: in den nächsten 3 Jahren rund 15 Millionen Euro. <BR /><BR /><BR /><b>Dieses Konzept ließe sich dann ja auch auf andere Sparten umlegen …</b><BR />Thun: Absolut. Der Fashionbereich beispielsweise ist noch ein braches Land für uns. Unsere Retailkompetenzen auch für den Modebereich zur Verfügung zu stellen, ist sehr naheliegend. Da gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten: entweder dass man selber einen Brand gründet, oder aufkauft oder dass man die Distribution für eine Marke übernimmt.<BR /><BR /><BR /><b>Sie planen, den Umsatz bis 2024 nahezu zu verdoppeln. Geht das trotz Coronakrise?</b><BR />Thun: Wir stehen heute mit der Lenet Group bei rund 110 Millionen und halten es durchaus für möglich, bis 2024 210 Millionen Euro zu erreichen. In der Vergangenheit, haben wir sehr stark auf die Entwicklung der Marke Thun beharrt, um unsere Umsatzziele zu erreichen. Heute sind wir aber ganz anders aufgestellt. Eine Verdoppelung des Umsatzes klingt nach wie viel, aber der Businessplan ist sehr ausgefeilt und wenn es jetzt zu einer wirtschaftlichen Verbesserung und zu einer Erholung des Konsums kommt – und danach schaut es aus –, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen können. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-48736075_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Sie wollen zukünftig die digitalen Verkaufskanäle noch mehr stärken, aber gleichzeitig auch den stationären Handel. Hat der noch Zukunft?</b><BR />Thun: Als Konsument merkt man doch selbst, dass man nicht nur einen Kanal haben will. Man sieht zum Beispiel etwas im Geschäft, probiert es und kauft es dann online – oder umgekehrt. Deshalb ist es wichtig, auf beiden Kanälen hochwertig präsent zu sein, auch wenn die wirtschaftliche Rechnung von dem einem oder anderen Kanal nicht immer aufgeht. Das muss man aber zusammen sehen, weil die Erfahrung des Konsumenten auch zusammen entsteht. Deshalb werden wir den stationären Kanal ausbauen und in die Customer Experience und Personalisierungsangebote investieren, die es im Online nicht gibt. Dafür hat das Online-Geschäft andere Vorteile, etwa ein breiteres Sortiment. Aber das Eine geht nicht ohne das andere. <BR /><BR /><BR /><b>Der Erlebniseinkauf ist also das Um und Auf für stationären Handel?</b><BR />Thun: Auf jeden Fall. Der reine stationäre Handel, bei dem man hineingeht, was nimmt und wieder hinausgeht, der wird nicht überleben. Die Läden aber, die eine Serviceleistung bieten, den Kunden involvieren, eine Mehrwert liefern, der im Online nicht möglich ist, zum Beispiel durch personalisierte Produkte, die werden Zukunft haben. <BR /><BR /><BR /><b>Das Wachstumskonzept von Lenet sieht neben der Diversifizierung und der Stärkung der digitalen Kanäle und des Verkaufs auch die Expansion in neue Märkte vor….</b><BR />Thun: Ja, Großbritannien, die sogenannte DACH-Region, sprich Deutschland, Österreich, die Schweiz, sowie Spanien stehen sicher im Hauptfokus. Mit Luxpets als Online-Marktplatz sind wir sowieso geografisch nicht beschränkt und innerhalb von 48 Stunden bei jedem Kunden in Europa. Und sobald wie möglich wollen wir damit in die Staaten und nach China.<BR /><BR /><BR /><b>Wie ist Thun durch die Krise gekommen?</b><BR />Thun: Sicher haben wir die Krise gespürt, auch wenn uns der Onlinehandel stark ausgeholfen hat. Denn der ist 3-stellig – also über 100 Prozent – gewachsen in 2020. Grundsätzlich ist aber der Haushaltsbereich ein Bereich, aus dem sich der Konsument in der Krise nicht zurückgezogen hat. Und im Heim- und Dekorbereich haben wir ja einen großen Stellenwert und somit weniger verloren als der Durchschnitt im stationären Handel. Das heißt, wir hatten Einbußen, haben aber 2020 positiv abgeschlossen. <BR /><BR /><BR /><b>Lenet nimmt am Programm Elite der italienischen Börse teil – ein Hinweis auf einen bevorstehenden Börsengang?</b><BR />Thun: Das Thema ist heute nicht der Rede wert. Für uns ist das ein hochqualitatives Schulungsprogramm. Denn unser Konzept ist: Wir wollen die Attitude eines Start-up-Unternehmens und transparent und organisiert sein wie ein börsennotiertes Unternehmen.<BR />Interview: Sabine Gamper