Donnerstag, 06. Januar 2022

Wie verkraftet der Südtiroler Arbeitsmarkt die Corona-Krise?

Knapp 2 Jahre wütet das Coronavirus nun schon weltweit. Wir haben Lockdowns hinter uns, Betriebe mussten schließen und Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. Wie steht es nun, nach all diesen Monaten, um den Südtiroler Arbeitsmarkt? Das sagt der Direktor der Landesabteilung Arbeit, Stefan Luther.

Stefan Luther: „Befürchtungen sind Gott sei Dank nicht eingetreten.“
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Stefan Luther: „Befürchtungen sind Gott sei Dank nicht eingetreten.“
Mehrere Lockdowns hat Südtirol hinter sich. Vor allem die Gastronomie, die Hotellerie, der Einzelhandel und die Eventdienstleister litten stark darunter. Betriebe mussten schließen, einige gerieten an den Rand der Existenz und für viele Mitarbeiter blieb nur die Arbeitslosigkeit. Und selbst das Arbeitslosengeld blieb in einigen Fällen verwehrt. Wie hat sich nun, fast 2 Jahre nach Beginn der Pandemie, die Situation auf dem heimischen Arbeitsmarkt entwickelt?


„Überraschend gut“, sagt Stefan Luther zu STOL. „Wir sind alle positiv überrascht, nicht nur in Südtirol, sondern auch in den umliegenden Gebieten.“ Denn vor allem zu Beginn der Pandemie habe man „berechtigte Sorgen und Befürchtungen“ gehabt, dass sich diese Krise sehr negativ auf den Südtiroler Arbeitsmarkt auswirken werde. „Diese Befürchtungen sind Gott sei Dank nicht eingetreten“, sagt Luther.





Dies sei einerseits auf die Hilfen des Staates und des Landes zurückzuführen, die den Betrieben zugutegekommen sind, andererseits vor allem aber auch auf die Aufstockung und die Ausweitung der Lohnausgleichskasse. Dies habe die Krise für den Arbeitsmarkt deutlich abgefedert, so der Arbeitsmarkt-Experte.


Dass es keine Entlassungswellen gab in Italien und in Südtirol, sei zudem auf die Einschränkungen zurückzuführen, die die Regierung eingeführt hat: Es gab den Kündigungsstopp für unbefristet angestellte Mitarbeiter. Und es gab die Lohnausgleichskasse. Diese Einschränkungen seien mittlerweile aber weggefallen, sagt Luther. „Und trotzdem gibt es keine Entlassungswelle.“ Die betriebsbedingten Entlassungen seien sogar unter dem Niveau von 2019, also der Zeit vor der Corona-Pandemie.


Alles in allem, so Luther, sei die Situation am Arbeitsmarkt in Südtirol also besser, als man befürchten musste. Es gibt zwar noch keine genauen Zahlen, aber die Arbeitslosigkeit im Jahr 2021 werde sich um die 3,5 Prozent eingependelt haben. „Es ist momentan sogar eher so, „dass man Probleme hat, Arbeitskräfte zu finden“, sagt Luther.


Es gibt aber auch Probleme: „Es gibt in Südtirol einen Anstieg von Langzeitarbeitslosen, einen Anstieg von minderqualifizierten Arbeitskräften und einen Anstieg von Beschäftigten über 50 Jahre, die einen Job suchen“, so Luther. „Und diese 3 Kategorien tun sich immer schwerer, einen Arbeitsplatz zu finden, da sie zu einem guten Teil nicht ins Anforderungsprofil der Betriebe passen, die auf Mitarbeitersuche sind.“

sor

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