Die Präsenz von Südtiroler Weinen in der heimischen Hotellerie und Gastronomie ist heute hoch. Kaum ein Lokal kommt ohne zumindest ein Etikett aus heimischer Produktion aus. Ausschlaggebend dafür sind das insgesamt hohe Qualitätsniveau und der anhaltende Trend zu Regionalität im Genussbereich. Laut einer Wifo-Studie aus dem vergangenen Jahr ist Horeca (Hotels, Restaurants, Catering) der mit Abstand wichtigste Absatzkanal für den Südtiroler Wein, Tendenz steigend. Und doch ist das Verhältnis zwischen Weinwirtschaft und Gastronomie nicht frei von Spannungen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-73043173_quote" /><BR /><BR />Zur Einordnung schildert Simon Staffler vom Wein- und Genussmagazin Falstaff Italia seine Beobachtungen aus der Praxis: „In den letzten Jahren hat es einen nicht unerheblichen Preiszuwachs auf den Weinkarten in Südtirol gegeben.“ Gäste würden zunehmend abwägen, ob sie noch eine Flasche bestellen oder sich auf ein Glas beschränken. Teils hätten sich die Preise verselbständigt. „Tatsache ist, dass wir heute von einem Verhältnis von eins zu zwei zwischen Preis im Handel und Gastronomiepreis streckenweise weit entfernt sind.“ Heißt: „15 Euro im Geschäft, 30 Euro im Lokal? Das ist lange her.“ Der Vorwurf des übermäßigen Aufschlags wird von vielen in der Weinwirtschaft geteilt.<BR /><BR />Zur Gesamtbetrachtung gehört allerdings auch, dass die Produzenten ihre Abgabepreise in den vergangenen fünf Jahren angehoben haben. „Mehrere Hersteller setzen heute bereits bei den Einstiegslinien relativ hoch an“, so Staffler. Das habe zur Folge, dass qualitativ vergleichbare italienische Weine aus dem mittleren Segment teils günstiger angeboten werden.<h3> „Schleichende Elitarisierung“</h3>Der Experte warnt vor möglichen Langzeitfolgen: Ein dauerhaft hohes Preisniveau könne den Konsum bremsen, dem Image schaden und zu einer schleichenden Elitarisierung führen. „Der Wein muss für alle da sein, nicht nur für eine kleine, zahlungskräftige Klientel“, sagt er – gerade in Südtirol, wo viele bäuerliche Familien Wein in kleinem Maßstab produzieren und Wein Kulturgut ist. Staffler dürfte damit einigen Herstellern aus der Seele sprechen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-73042968_quote" /><BR /><BR />Deutlich pragmatischer beschreibt Andreas Kofler, Präsident des Konsortiums Südtirol Wein, die Situation. „Wenn die Preisgestaltung fair ist, profitieren am Ende alle“, betont Kofler. Gerade angesichts hoher Preistransparenz, bei der Preise binnen Sekunden per Smartphone vergleichbar sind, sei Augenmaß gefragt. Ziel sei es nicht, Vorgaben zu machen, sondern gemeinsam einen ausgewogenen und tragfähigen Zugang zu finden. <BR /><BR />Ein weiteres zentrales Thema beim Weingipfel war die Weinkommunikation gegenüber dem Gast, die eng mit der Preisfrage verknüpft ist und den wahrgenommenen Wert eines Weines wesentlich mitprägt. Der Arbeitskräftemangel mache auch vor Tourismus und Gastronomie nicht halt, entsprechend fehle es weniger am guten Willen, sondern oft an Zeit und geschultem Personal. Um Wissen und Begeisterung für das Weinland Südtirol dennoch zu vermitteln, wurde angeregt, Schulungsangebote breiter aufzustellen – etwa über Fernunterricht oder Online-Kurse, die zumindest ein solides Basiswissen gewährleisten. Denn klar ist: „Mitarbeitende in Hotels und Restaurants sind wichtige Botschafter der Südtiroler Weine.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-73042963_quote" /><BR /><BR />Und was sagen die Gastwirte dazu? „Es ist bekannt, dass heute alles mehr kostet als noch vor ein paar Jahren“, erklärt Klaus Berger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV) auf Anfrage. Die Kritik an der Preiskalkulation in seiner Branche will er jedoch nicht pauschal stehen lassen. „Das muss man differenziert betrachten“, sagt Berger. Jedes Lokal habe eine andere Kostenstruktur. „Es ist ein Unterschied, ob ich eine große Weinauswahl mit 80, 90 oder 100 Etiketten anbiete – mit entsprechendem Lager, Kapitalbindung, Sommelier und zusätzlichen Kosten – oder ob ich eine Bar führe.“ Entsprechend unterschiedlich seien auch die Aufschläge zu bewerten. <h3> Konsum ändert sich</h3>Unabhängig von der Preisfrage regt Berger an, auch strukturelle Veränderungen zu betrachten, so sei der Weinkonsum generell rückläufig. Gründe dafür sieht er unter anderem in einem veränderten Lebensstil, neuen Trends wie Longevity mit geringerem oder keinem Alkoholkonsum sowie im verschärften Straßenkodex. Flaschen würden schon seit Längerem seltener bestellt. Als möglichen Ansatz nennt Berger kleinere Gebinde: Wenn heute zwei Personen essen gehen, werde kaum mehr eine klassische 0,7-Liter-Flasche konsumiert – kleinere Formate könnten hier neue Impulse setzen. Aktuell sei das Sortiment aber in diesem Bereich noch gering. <BR /><BR />Was die Schulung der Mitarbeitenden betrifft, zeigt sich Berger offen: „Wir sind sicher die Letzten, die sich vor interessanten Schulungsangeboten verschließen, und sind gerne bereit, gemeinsam mit der Weinwirtschaft an praxisnahen Möglichkeiten zu arbeiten.“<BR /><BR />Und was bleibt vom Weingipfel? Vereinbart wurde, gemeinsam mit IDM Südtirol konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, um die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Weinwirtschaft und Gastronomie langfristig zu verbessern.