Dienstag, 19. November 2019

WIFO: Das Geschäftsklima bleibt positiv

Mehr als 9 von 10 Unternehmen sind mit der Ertragslage im Jahr 2019 zufrieden und die Erwartungen für 2020 sind ebenfalls gut.

Die Erwartungen der Südtiroler Wirtschaft für das Jahr 2020 sind gut.
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Die Erwartungen der Südtiroler Wirtschaft für das Jahr 2020 sind gut.

Investitionen und bei der Zahlungsmoral der Kund/innen. Dies zeigt die Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen. Das WIFO erwartet ein Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandsproduktes von 1,3 Prozent im Jahr 2019 und von 1,4 Prozent im Jahr 2020.

Die Wirtschaft in Südtirol

Das Geschäftsklima ist gut: 91 Prozent der Südtiroler Unternehmen sind mit der Ertragslage im laufenden Jahr zufrieden. Die Unternehmer/innen bleiben auch im Hinblick auf 2020 zuversichtlich: 92 Prozent gehen von einem (zumindest) befriedigenden Betriebsergebnis im kommenden Jahr aus und über ein Fünftel rechnet sogar mit einer guten Rentabilität. Allerdings gibt es Anzeichen einer Abschwächung, welche die Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft in den kommenden Monaten beeinflussen könnte.

Gut ein Drittel der Unternehmen konnte heuer das Geschäftsvolumen steigern, vor allem auf dem Südtiroler Markt. In mehreren Sektoren ist jedoch ein Rückgang des Umsatzes bei den Kunden aus anderen italienischen Provinzen zu verzeichnen. Auch die Exporte zeigen ein geringeres Wachstum als in den letzten Jahren. Der Anstieg der Verkaufspreise war moderat und trug nicht signifikant zur Umsatzdynamik bei. Die Verbraucherpreise in Südtirol sind in den letzten 12 Monaten durchschnittlich um 1,0 Prozent gestiegen. Für das kommende Jahr erwarten die Unternehmen eine leichte Steigerung der Nachfrage auf allen Märkten, insbesondere im Ausland.

Trotz der Wiedereinführung der steuerlichen Begünstigungen auf staatlicher Ebene (sogenannte „Super-Abschreibung“) war 2019 auch durch eine Verlangsamung der Investitionen gekennzeichnet. Außerdem melden die Unternehmer eine Verschlechterung der betrieblichen Wettbewerbsfähigkeit, die teilweise auf den Anstieg der Betriebskosten zurückzuführen ist. Sie beklagen darüber hinaus die sinkende Zahlungsmoral der Kunden, während die Bedingungen für den Zugang zu Krediten als stabil gelten. Nach Angaben der Unternehmen wird sich diese Situation auch 2020 fortsetzen.

Im Vergleich zur vorherigen Konjunkturerhebung im Sommer sind die Ertragserwartungen für das laufende Jahr im verarbeitenden Gewerbe und im Gütertransport leicht gesunken. Diese Bereiche sind von der schwächelnden Weltwirtschaft am stärksten betroffen. Andererseits haben sich die Einschätzungen der Tourismus-, Einzelhandels- und Bauunternehmen gebessert. Für 2020 wird in den meisten Sektoren eine Steigerung der Rentabilität erwartet.

Was die Südtiroler Haushalte betrifft, so zeigen die Erhebungen des WIFO einen Rückgang des Konsumklimas in der 1. Jahreshälfte und eine anschließende Verbesserung im Herbst. Die Erwartungen der Konsumenten zur zukünftigen Entwicklung der Wirtschaft in Südtirol bleiben aber weitgehend stabil und besser als im europäischen Durchschnitt. Positive Anzeichen kommen auch vom Arbeitsmarkt. Zwischen Jänner und September lag die Zahl der Arbeitnehmer in Südtirol durchschnittlich bei fast 215.000, bzw. um 2,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Im Hinblick auf 2020 gehen die Unternehmen von einer weiteren Zunahme der Beschäftigung aus.

Die Wirtschaft in Italien


Nach 4 Jahren moderaten Wachstums wird das italienische Bruttoinlandsprodukt 2019 nahezu stagnieren. Der Rückgang der Industrieproduktion wird durch die Zunahme von Exporten, privatem Konsum und Investitionen ausgeglichen. Letztere profitieren nach wie vor von günstigen Finanzierungsbedingungen und von der Wiedereinführung der „Super-Abschreibung“. Auch die Lage des Arbeitsmarktes bleibt relativ günstig und die Arbeitslosigkeit sinkt weiter (9,9 Prozent im September). Im Jahr 2020 dürfte das Wachstum aber mit rund 0,4 Prozent weiterhin mäßig ausfallen. Die Debatten zum Haushaltsgesetz im Parlament stellen diesbezüglich einen erheblichen Unsicherheitsfaktor dar. Die Regierung möchte die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes verhindern und plant eine leicht expansive Fiskalpolitik, vor allem durch die Senkung des Steuerkeils. Durch die verstärkte Bekämpfung der Steuerhinterziehung sollen mehr finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums erwartet aber die EU-Kommission eine Verschlechterung des Haushaltsdefizits in den nächsten Jahren.

Die Konjunkturabschwächung in Italien und in den wichtigsten Partnerländern Südtirols wirkt sich auf das lokale Wirtschaftsumfeld aus. Dies ist jedoch nach wie vor durch ein gutes Geschäftsklima, einen soliden Arbeitsmarkt und eine zufriedenstellende Rentabilität der Unternehmen gekennzeichnet. Das WIFO geht daher von einem Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandsproduktes um 1,3 Prozent im Jahr 2019 und um 1,4 Prozent im Jahr 2020 aus.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, betont die Notwendigkeit, die Wirtschaft zu unterstützen: „2019 war ein schwieriges Jahr für die internationale Wirtschaft. In mehreren Ländern führen die Regierungen expansive fiskalpolitische Maßnahmen ein, um Unternehmen und Konsumenten zu helfen. Auch in Südtirol muss die Politik aktiv werden und die Möglichkeiten der Autonomie zur Unterstützung von Konsum und Investitionen voll ausschöpfen.“

stol