Den Verbrauchern weht ein kalter Wind aus Brüssel entgegen. Diesen spürt auch Walther Andreaus, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS). Er traf sich vor wenigen Tagen mit Verbraucherschutzvertretern aus verschiedenen Regionen Europas im Rahmen des Netzwerkes NEPIM in Brüssel.Denn: Es gibt gar einige Entwicklungen in den Machtzentren der EU, die eher Verbraucher-feindliche Tendenzen haben. Der Kompromiss: Ein billigeres ZeitfensterZwar hat das Parlament beschossen, die Roaminggebühren gänzlich abzuschaffen, doch der EU-Rat, in dem die Regierungen der Mitgliedsstaaten vertreten sind, macht nun eine Rolle rückwärts. Er will verhindern, dass Telefonieren und Surfen im EU-Ausland ab 2016 zu gleichen Gebühren wie im Inland möglich wird."Der Kompromissvorschlag unter dem lettischen Vorsitz sieht derzeit vor, dass Verbraucher im Ausland zum einheimischen Tarif pro Jahr nur mehr 50 Minuten eingehend und 50 Minuten ausgehend telefonieren, 50 SMS verschicken und 100 MB Datenvolumen verbrauchen können", erklärt Andreaus. Das sei zwar nicht wenig, aber von einer Abschaffung meilenweit entfernt."Die Europäer sind mobil, Europa gehört zusammen. Mit der Regelung wäre es aber so, als würden wir haufenweise regionale Tarife einführen", wettert der Chef der Verbraucherzentrale. Und das alles nur, um Telekommunikationsunternehmen vor Einbußen zu schützen."Natürlich sollen die nicht auf das Geld verzichten, immerhin ist das ein sehr gutes Zubrot", so Andreaus. Doch der hoffe, das der Beschluss des Parlaments nach wie vor Bestand habe und nicht aufgeweicht werde, wie zu befürchten steht.Kein guten Aussichten für VerbraucherschutzWeshalb ein so kalter Wind aus Brüssel weht, weiß Andreaus auch. Es habe sich bereits bei der Zusammensetzung der neuen EU-Kommission abgezeichnet. So wurde die Verbraucherpolitik dem Bereich Justiz und Gleichstellung angegliedert. Verbraucheranliegen wurden damit mehr in den juristischen Bereich verschoben. „Dies ist angesichts der schlecht funktionierenden Justiz keine gute Aussicht, dem Verbraucherschutz zum Erfolg zu verhelfen“, meint der Geschäftsführer der VZS. „Ein spezielles Verbraucher-Ressort wäre viel besser gewesen“.stol/ker