Was die Ursachen für die hohen Baukosten in den vergangenen Jahren waren und wie man beim Bauen Kosten sparen kann, erklärt Thomas Auer im Interview. Er war Gastredner beim „Klimahouse-Congress“ vergangene Woche in der Messe Bozen.<BR /><BR /><b>Können wir uns nachhaltiges Bauen noch leisten – oder müssen wir es?</b><BR />Thomas Auer: Kurze Antwort: Ja. Wir wissen um die Folgekosten der Klimaerwärmung. Die werden wir natürlich zum Teil trotzdem haben, aber wir können die Folgen durch klimaschonendes Bauen reduzieren. Deswegen gibt die EU auch vor, den Gebäudesektor, dem 30 bis 40 Prozent der CO<sub>2</sub>-Emissionen zuzuordnen sind, zu dekarbonisieren. Die eigentliche Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Haben wir es nicht immer viel zu kompliziert gemacht? Können wir es nicht auch einfacher machen?<BR /><BR /><b>Und da lautet ihre Antwort?</b><BR />Auer: Ja, können wir. Wir können intelligenter bauen und erreichen Nachhaltigkeitsziele mit viel weniger Aufwand und Kosten. Dafür müssen wir gewisse Dinge, Standards, Gewohnheiten, die sich eingeschlichen haben, hinterfragen.<BR /><BR /><b>Was macht Bauen so teuer: Sind es die gesetzlichen Effizienzstandards oder sind es die Komfortwünsche der Leute?</b><BR />Auer: Beides. Wir sehen eine Gemengelage, die in den letzten Jahren zusammengekommen ist, vor allem im Wohnungsbau. Materialknappheit hat dazu geführt, dass Materialkosten bis vor wenigen Jahren explodiert sind. Arbeitskosten sind gestiegen, auch die normativen Anforderungen und nicht zuletzt die Komforterwartungen. Ich meine jetzt nicht nur thermischen Komfort. Wir nehmen es heutzutage selbstverständlich an, dass wir einen Tiefgaragenstellplatz, Aufzüge oder eine maschinelle Lüftung haben. Unsere Gebäude werden übertechnisiert.<BR /><BR /><b>Bedeutet?</b><BR />Auer: Wir bauen gläserne Gebäude, die im Winter Wärme verlieren und im Sommer überhitzen – und beide Probleme, die wir selbst geschaffen haben, lösen wir mit Technik wie Klimaanlagen oder Geothermie. Das ist Effizienz mit Gadgets und von dieser Übertechnisierung wissen wir, dass sie häufig nicht so funktioniert wie geplant und enorme Folgekosten zur Folge hat. Da sind dann für mich dumme Gebäude.<BR /><BR /><b>Wie sieht die Lösung aus? Wie kann man bezahlbar und klimagerecht bauen?</b><BR />Auer: Dass wir intelligenter bauen, heißt nicht, dass wir keine Heizung brauchen oder nicht kühlen dürfen. Gebäude sollten so gebaut werden, dass wir wirklich nur technische Systeme additiv brauchen, also als Unterstützung – wenn es heiß ist oder kalt ist. Aber ansonsten soll das Haus von sich aus funktionieren, weil es klug gestaltet wurde. Das ist die Voraussetzung für ein Low-Tech-Gebäude.<BR /><BR /><b>Wie sieht in der Praxis ein Low-Tech-Gebäude aus? Es gibt bereits Prototypen.</b><BR />Auer: Diese drei Gebäude der B&O-Gruppe in Bad Aibling sind aus einem Forschungsprojekt der TU München hervorgegangen. Der Architekt und Kollege Florian Nagler hat die Gebäude geplant. Uns ging es um Dinge weglassen, Sortenreinheit und um Behaglichkeit durch Architektur und nicht durch Technik. Es sind einfache Baukörper, monolithische Wände (Anm. d. Red: das Material der Außenwand erfüllt die Anforderungen an den Wärmeschutz, ohne dass hierfür zusätzlich Dämmung aufgebracht werden muss), größere Raumhöhe, weniger Fensterflächenanteil. Die hohen, schmalen Fenster bringen Tageslicht tief in das Gebäude. Und das Ergebnis: Wir haben weniger CO<sub>2</sub>-Emissionen in der Erstellung pro Quadratmeter und weniger CO<sub>2</sub>-Emissionen auch im Betrieb.<BR /><BR /><b>Und von der ökonomischen Seite: Hat man sich auch Kosten sparen können?</b><BR />Auer: Es gibt in Deutschland diesen Hamburg-Standard, der besagt: Wenn wir Dinge wie Tiefgarage und Keller weglassen, können wir bis zu 1000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sparen. Und dann sagt der Hamburg-Standard: Durch Reduzierung von weiteren Standards – Reduzierung des Schallschutzes auf Mindestschallschutz, kein Trittschall, keine Aufzüge, sichtbare Installation etc.- können wir noch mal 600 Euro pro Quadratmeter sparen. Die Zahlen des Hamburg-Standards können wir bestätigen. <BR /><BR /><b>Beim Sanieren: Welche Tipps würden Sie Eigentümern geben?</b><BR />Auer: Ein bestehendes Haus auf Passivhausstandard zu bekommen, ist aufwendig und oft nicht finanzierbar, auch manchmal kaum herstellbar. Sozusagen fünf Pullover um ein Haus zu wickeln, ist nicht immer leistbar. Man muss mit Sinn und Verstand Bauteile ertüchtigen. Wenn ein Dach sanierungsbedürftig ist, dann ist es sinnvoll, dieses dann auch gut zu dämmen. Man muss vielmehr in Bauteilen und Sanierungszyklen denken. Am kostengünstigsten ist es, erstmal die Wärmeerzeugung umzustellen auf eine Wärmepumpe. Dabei wird für jeden eingesetzten Euro am meisten CO<sub>2</sub> eingespart.