Arbeitsmarkt-Experte Stefan Luther, Direktor der Landesabteilung Arbeit, über die April-Daten und die Aussicht auf die kommenden Monate.<BR /><BR /><BR /><BR /><i>Von Arnold Sorg</i><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Herr Luther, im April gab es seit langem wieder ein Plus (1,5 Prozent) bei der Beschäftigung. Ist das schon der erste Effekt der Lockerungen bzw. der Öffnung der Gastronomie?<BR />Stefan Luther: Nein, den Effekt der Ga</b>stronomie-Öffnung werden wir im Mai erst richtig sehen. Die Beschäftigungszahlen vom April sind auf einige Sektoren zurückzuführen, die überdurchschnittlich gut unterwegs sind. <BR /><BR /><BR /><b>Sie meinen das Baugewerbe?</b><BR />Luther: Ja, im Bauhandwerk ist die Beschäftigung im April um 5,6 Prozent gestiegen, in der Bauindustrie um 4,0 Prozent. Aber auch in der Industrie gab es ein Plus von 2,2 Prozent und im Transportwesen ein Plus von 3,0 Prozent. Diese Sektoren haben es geschafft, dass es unterm Strich im April ein positives Beschäftigungsergebnis von plus 1,5 Prozent gab. Der Grund, warum dieses Plus noch relativ gering ausgefallen ist, ist wegen des Gastgewerbes. Die Öffnung in diesem Sektor gab es erst Ende April. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-48933293_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Im Gastgewerbe gab es im April noch ein Beschäftigungsminus von 3,7 Prozent aus. Wie sieht es aktuell aus?</b><BR />Luther: Wenn wir uns die neuesten Daten bis zum 5. Mai anschauen, dann sind die Zahlen deutlich gestiegen. Derzeit haben wir im Vergleich zum Pandemie-Jahr ein Plus von 3 Prozent und im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr nur mehr ein Minus von 3 Prozent. Das ist eine gute Entwicklung. Im Mai wird die Beschäftigung also nach oben gehen, aus mehreren Gründen: Wegen der Lockerungen im Gastgewerbe, aber auch wegen der Lockerungen der Quarantäne-Pflicht und der Bewegungsfreiheit. <BR /><BR /><BR /><b>Sie sind also zuversichtlich, was den Arbeitsmarkt anbelangt?</b><BR />Luther: Ja, wir können wieder optimistisch sein – für den Sommer auf jeden Fall. Es ist jetzt so, dass die Leute wieder eher eine Arbeit finden. <BR /><BR /><BR /><b>Und für den Herbst?</b><BR />Luther: Ich bin kein Hellseher, aber ich hoffe, dass wir nie wieder einen solchen Herbst wie 2020 erleben müssen. Aber auch im vergangenen Sommer glaubten viele, dass das Gröbste überstanden sei, dass die Pandemie überstanden sei, und wir wissen ja, was dann passiert ist. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass die Impfungen bis Herbst abgeschlossen sind und wirken, sodass es keine großen Einschränkungen geben wird. Im Jahr 2022, wenn wir die Pandemie dann endgültig hinter uns gelassen haben werden, dann werden wir wieder schauen müssen, woher wir genügend Arbeitskräfte mit den passenden Qualifikationen bekommen. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>2022 könnte es also so sein, dass wir in Südtirol wieder einen Arbeitskräftemangel haben?</b><BR />Luther: Zumindest einen Mangel an Arbeitskräften für bestimmte Qualifikationen. Wir werden immer Arbeitslosigkeit haben. Nach jeder Krise bleibt ein bestimmter Sockel an Arbeitslosigkeit übrig. Das war immer so und das wird auch nach dieser Krise der Fall sein. <BR /><BR /><BR /><b>Glauben Sie, dass die Strategie der italienischen Regierung, den Kündigungsstopp und die Lohnausgleichskasse so lange zu verlängern, doch noch aufgehen könnte, in dem Sinn, dass die Wirtschaft inzwischen wieder anzieht und es doch nicht zu so vielen Entlassungen kommen wird, wie befürchtet?</b><BR />Luther: Diese Strategie hat durchaus ihren Sinn und ihre Logik. Nur ist diese Strategie kein Dauerrezept. Unternehmen entwickeln sich immer weiter und ein bestimmter turnover (Fluktuation, Anm. d. Red.) beim Personal ist normal. Der Kündigungsstopp hat sicher einen Effekt, aber er ist außerordentlich teuer, da er mit dem Lohnausgleich verbunden ist. Die öffentlichen Haushalte müssen aufpassen, dass sie sich nicht zu wahnsinnig überschulden und damit keinen Handlungsspielraum mehr haben. Der Kündigungsstopp wird sicher viele Kündigungen verhindern, aber nicht alle. Aber auf Dauer könnte man das nicht machen, dann würde man die Unternehmen in ihrer Entwicklung behindern.