<BR /><b><BR />Herr Brandstätter, die Sparkasse schüttet 0,45 Euro Dividende je Aktie aus und lässt den Aktionären erneut die Wahl: auszahlen lassen oder in neue Aktien reinvestieren. Wovon sollte diese Entscheidung abhängen?</b><BR />Gerhard Brandstätter: Wer kurzfristig Liquidität braucht, wird sich eher für die Auszahlung entscheiden – muss dann aber die Kapitalertragssteuer von 26 Prozent berücksichtigen. Wer die Dividende hingegen in neue Aktien investiert, setzt bewusst auf ein solides und verlässliches Institut. Unsere Aktie ist zudem sehr liquide: Auf der Handelsplattform Vorvel findet sich in der Regel innerhalb einer Woche ein Käufer. Angebot und Nachfrage sind gut ausbalanciert.<BR /><BR /><b>Beim aktuellen Kurs der Sparkassen-Aktie von rund 13 Euro entspricht das einer Bruttodividende von etwa 3,5 Prozent. Andere Lokalbanken buhlen deutlich offensiver um die Gunst der Aktionäre.</b><BR />Brandstätter: Wir verfolgen eine umsichtige Geschäftspolitik und stellen einen wesentlichen Teil der Gewinne in die Rücklagen. Die kurzfristige Maximierung der Ausschüttung ist nicht unser Ziel. Bei weiterhin positiver Geschäftsentwicklung ist aber davon auszugehen, dass wir die Dividende in den kommenden Jahren schrittweise erhöhen.<BR /><BR /><b>Sie sprechen die weitere Geschäftsentwicklung an: Für Banken ist das Zinsumfeld entscheidend – ein höheres Zinsniveau bedeutet mehr Luft im Kerngeschäft. Aktuell deutet vieles auf steigende Leitzinsen hin. Wovon gehen Sie aus?</b><BR />Brandstätter: Im Juni ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Anhebung um 0,25 Prozent zu erwarten, der weitere Kurs ist offen. Auch wir Finanzinstitute agieren im Marktumfeld und sind auf stabile Rahmenbedingungen angewiesen. Viel hängt jedoch von der geopolitischen Lage ab – insbesondere vom Krieg im Iran. Die gestiegenen Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck spürbar.<BR /><BR /><b>Dieser Krieg sorgt auch in Südtirol für Unsicherheit – bei Unternehmen und Haushalten. Wie erleben Sie Ihre Kunden derzeit?</b><BR />Brandstätter: Die wirtschaftliche Lage ist besser, als sie vielfach dargestellt wird. Insgesamt hält sich die Südtiroler Wirtschaft gut. Auch bei den privaten Haushalten sehen wir derzeit keine größeren Probleme: Die Rückzahlungsfähigkeit bei Krediten ist gegeben, ebenso die Sparfähigkeit. Voraussetzung sind allerdings in vielen Fällen zwei Einkommen. Wie lange diese Ausnahmesituation anhält, bleibt abzuwarten – grundsätzlich bin ich aber zuversichtlich. Klar ist aber auch: Stabilität und Wohlstand sind in hohem Maße von einem funktionierenden europäischen Rahmen abhängig – von einem Europa der Völker, der Regionen und der gemeinsamen Werte.<BR /><BR /><b>Bleiben wir kurz beim Sparverhalten der Südtiroler. Hat sich das in den letzten Jahren verändert?</b><BR />Brandstätter: Unverändert ist, dass Immobilien nach wie vor für viele die bevorzugte Anlageform sind. Gleichzeitig beobachten wir – vor allem bei jüngeren Kunden – ein wachsendes Interesse am Aktienmarkt.<BR /><BR /><b>…auch, weil Aktien langfristig höhere Renditen versprechen. Vor allem ETFs liegen im Trend – für Banken aufgrund sehr geringer Kommissionen allerdings ein wenig lukratives Geschäft. Wie stehen Sie dazu?</b><BR />Brandstätter: Wir passen uns den Gegebenheiten an. Das ist eine unserer Stärken: Nah an den Bedürfnissen der Kunden zu sein – unabhängig davon, welches Produkt im Vordergrund steht.<BR /><BR /><b>Die Sparkasse hat zuletzt wieder verstärkt die junge Zielgruppe angesprochen, vor allem mit „SPARK“. Ist das auch eine Reaktion auf Neobanken wie Revolut und Co.? </b><BR />Brandstätter: Wettbewerb gibt es, das ist unbestritten. Und vielleicht haben auch wir eine Zeit lang zu wenig Augenmerk auf die jüngere Zielgruppe gelegt. Das haben wir korrigiert – mit Erfolg.<BR /><BR /><b>Was erwartet ein jüngerer Bankkunde heute?</b><BR />Brandstätter: Ein technologisch ausgereiftes Angebot ist die Basis. Gleichzeitig bleibt die persönliche Beziehung zentral – vor allem bei wichtigen finanziellen Entscheidungen. Eine Neobank wird die klassische Hausbank nicht ersetzen. Davon sind wir überzeugt. Deshalb investieren wir gezielt in die Modernisierung unserer Filialen. Unser Ziel ist es, den Mehrwert einer lokal verankerten Bank mit Präsenz in Städten und Dörfern wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken.