Wenn die Wirtschaft in Schwierigkeiten gerät, müssen die Banken einspringen, können in der Folge aber auch selbst Probleme bekommen, wenn sich Unternehmen schwer tun, ihre Kredite zu tilgen. Wie schaut es diesbezüglich bei den Südtiroler Lokalbanken aus? Das sagt Sparkassen-Präsident Gerhard Brandstätter. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Herr Brandstätter, im Jahr 2020 konnte die Südtiroler Sparkasse einen Reingewinn von 29 Millionen Euro erwirtschaften. Die Coronakrise dauert aber an. Wie lief das erste Halbjahr 2021?</b><BR />Gerhard Brandstätter: Wir werden die Halbjahresbilanz Anfang August genehmigen, daher kann ich Ihnen noch nicht die genauen Zahlen nennen, nur so viel kann ich schon sagen: Es wird ein sehr gutes Halbjahr und das Ergebnis deutlich besser als im ersten Halbjahr 2020 (14,6 Millionen Euro, Anm. d. Red.). <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Nun dauert die Corona-Pandemie schon eineinhalb Jahre, viele Betriebe leiden unter Liquiditätsengpässen. Wie sehr bekommen das die Banken zu spüren, wie stark ist die Zahl der Kreditausfälle angestiegen?</b><BR />Brandstätter: Wir führen seit 5 Jahren eine rigide Kreditpolitik und können so jene Kunden, die in Schwierigkeiten sind, frühzeitig ausmachen und unterstützen. Daher haben wir bislang keine wesentlichen Verluste zu beklagen. Es waren auch nur knapp 10 Prozent unserer Kreditnehmer, die im Frühjahr, nach dem Ende der allgemeinen Kreditstundung, um eine Verlängerung ebendieser Stundung angesucht haben. Die ganze Situation ist glimpflich ausgegangen für die heimische Wirtschaft, wobei man aber jene Betriebe nicht vergessen darf, die herbe Rückschläge hinnehmen mussten. Jetzt müssen wir aber vorsichtig sein, denn einen weiteren Lockdown kann sich die Wirtschaft nicht leisten. <BR /><BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-49889540_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Die Südtiroler Sparkasse hat vor wenigen Wochen einen Anteil von 9,18 Prozent an der Civi-Bank im Veneto erworben und ist damit der größte Anteilseigner dieser Bank. Ist dieser Schritt eine Maßnahme, um der Volksbank in diesem Gebiet den Rang abzulaufen, die dort vor wenigen Jahren die Banca Popolare di Marostica übernommen hat?</b><BR />Brandstätter: Wir waren bei der Civi-Bank bereits Gesellschafter, aber in einem ganz bescheidenen Ausmaß. Die deutliche Aufstockung unserer Anteile war eine strategische Überlegung: die Civi-Bank ist eine gesunde Bank, es findet auch keine Überlappung der Territorien zwischen der der Civi-Bank und der Sparkasse statt. Äußerst wichtig für uns ist auch, dass wir uns mit diesem Anteilskauf vor möglichen Angriffen von außen schützen. <BR /><BR /><BR />Die Sparkasse will sich so also vor einer eventuellen Übernahme durch italienische Großbanken schützen?<BR />Brandstätter: Genau. Denn wenn wir auf dem gesamten Territorium Nord-Ost stark sind, dann kann die Sparkasse aufgrund von Anti-Trust-Regelungen nicht mehr so leicht Beute einer Übernahme werden, obwohl der Appetit auf die Sparkasse groß ist. <BR /><BR /> <BR /><b>Weil es bei einer Übernahme der Sparkasse durch eine Großbank zu einer Monopolstellung kommen könnte…</b><BR />Brandstätter: Es wird nun jedenfalls deutlich schwieriger, die Sparkasse von außen anzugreifen.<BR /><BR /><BR /><b>Die Sparkasse hat knapp 10 Prozent Anteile an der Civi-Bank erworben. Werden es mehr werden?</b><BR />Brandstätter: Unsere Beteiligung an der Civi-Bank ist eine strategische, die wir sicherlich noch ausbauen wollen. <BR /><BR /><BR /><b>Wie sehr wird der mehrjährige Strategieplan der Sparkasse durch die Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogen?</b><BR />Brandstätter: Wir sind überzeugt, dass wir mit dem vor einigen Monaten neu erstellten Strategieplan die vorgegebenen Ergebnisse einhalten können. Dies ist vor allem durch die Diversifizierung der Produkte möglich, die wir vorgenommen haben. Das trägt Früchte. <BR /><BR /><BR /><b>Wie gehen Ihrer Meinung die Lokalbanken aus dieser Krise hervor: gestärkt oder geschwächt?</b><BR /> Brandstätter: Ich denke, die Rolle der Lokalbanken ist immens gestärkt worden. Der Eingriff einer Lokalbank in so einer Krise kann schneller, unkomplizierter und gezielter erfolgen. Das wird mittlerweile auch von europäischer und römischer Ebene anerkannt. Daher will man die Lokalbanken auch verstärkt bei der Umsetzung des Recovery Plans einsetzen. Die Lokalbanken kennen die Erfordernisse vor Ort nun einmal deutlich besser als eine Großbank. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-49889542_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Heißt das, dass man damit auch abgeht von den Bankenfusionen, die in den vergangenen Jahren auf Geheiß der Europäischen Zentralbank durchgeführt werden mussten?</b><BR />Brandstätter: Es ist ganz klar, dass eine Lokalbank nachhaltig tragbar sein muss. Aber wenn das garantiert ist, dann wird die EZB nicht auf eine Fusion drängen. Man hat die Rolle und die Stärke der Lokalbank erkannt und will diese nutzen. <BR /><BR /><BR /><b>Die Sparkasse kann ihr Stand-Alone-Konzept also fortführen?</b><BR />Brandstätter: Absolut. Mit der Beteiligung an der Civi-Bank wollen wir eine Größe erreichen, die das deutlich untermauert. <BR /><BR /><BR /><b>Welche Krise war aus Bankensicht gesehen schlimmer: Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 oder die Coronakrise?</b><BR />Brandstätter: Sicherlich die Finanz- und Wirtschaftskrise, da diese Krise ja von der Finanzwelt und der Bankenbranche selbst ausging. Die Coronakrise ist vor allem eine sanitäre Krise, die die Wirtschaft getroffen hat. Aber die Banken sind in dieser Krise relativ stabil im Gegensatz zur Krise von 2008/09 und sind zur Stütze der Gesellschaft geworden. <BR /><BR /><BR /><b>Trotzdem: Welchen Schluss kann oder sollte die Wirtschaft aus der Coronakrise ziehen?</b><BR />Brandstätter: Wir mussten auf europäischer Ebene erkennen, dass wir angreifbarer sind, als wir dachten. Der Schluss daraus ist, dass man wieder verschiedene Produktionen nach Europa zurückholen muss, um die Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern. Insgesamt müssen wir, um uns besser vor wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Krisen schützen zu können, vor allem rundum auf Qualität setzen. Das heißt gleichzeitig auch, dass wir die Umweltpolitik massiv verstärken müssen, der Klimawandel wird nämlich einer der größten Herausforderungen für uns werden.