Die Vertreter der Tankstellenbetreiber im hds – Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol haben sich vor kurzem in Verona zur einer Aussprache mit der Verbandsspitze der Berufsgruppe getroffen. Gemeinsames Anliegen ist ein Verhaltenskodex. Was dahintersteck - STOL hat nachgefragt:Südtirol Online: Um eines klarzustellen, es geht nicht um das Verhalten Ihrer Kundschaft ...Haimo Staffler, Präsident der freien Tankstellen Südtirols: Nein. Es geht um das Verhältnis von Tankstellenbetreibern und -pächtern zu den Mineralölgesellschaften. Da geht es um Verträge, die lange dauern.STOL: Sie verlangen einen Verhaltenskodex - weshalb?Staffler: Wir verfolgen in Europa - hauptsächlich in Italien - eine Richtung, die uns in Sachen Endpreis immer weniger Spielraum lässt. Es geht zu Lasten der Arbeit. Wir möchten, dass Pächter und Eigentümer wirtschaftlich so dastehen, dass sie Arbeitgeber sein können. STOL: Es geht also um den Service an der Tanke?Staffler: Ja. Man denke nur an Frankreich. Dort ist die Situation so schlimm, dass mir das Grauen kommt. Man findet sich in der "Pampa" wieder, macht alles allein. Den Treibstoff bekommt man selbst an der Säule, den Kaffee holt man vom Automaten und dann magari auch noch ein verpacktes Brot von irgendeiner Maschine. In Spanien hingegen wurden erst vor kurzem Geister-Tankstellen verboten. STOL: Und genau das blüht unserem Land - nur noch Geister-Tankstellen?Staffler: Es blüht ganz Italien. Es wäre die Katastrophe, wenn keine Mitarbeiter mehr da sind. Bei uns haben sich die Tankstellen als Treffpunkt, als Dienstleistungszentrum etabliert. Es ist schwer, dem Kunden zu sagen: Ja, der andere ist billiger. Auch ich könnte keine Mitarbeiter mehr anstellen, um den Treibstoff billiger anzubieten. Aber meine Haltung ist eine gegenteilige. Vom Gesetzgeber her ist es möglich, dass der Pächter ausgesaugt wird und es nicht mehr möglich ist, die Tankstellen zu bemannen. STOL: Und dabei sollen nun die Erdölgesellschaften helfen ... mit einem Ehrenkodex?Staffler: Es sollten gewisse Prinzipien festgelegt werden, wie es etwa in Deutschland mit einem Kodex bereits seit 2015 ist. Damit sollte die Figur des Pächters bzw. des Betreibers und dessen wirtschaftliche Selbstständigkeit garantiert werden. Es geht um verschiedene Businessmodelle. Es ist auch durchaus wirtschaftlich interessant. Es geht um ein generelles, ehrliches und aufrichtiges Miteinander.Denn die Erdölgesellschaften, wie die Eni, haben ihren Charakter verloren. Sie werden zu Finanzunternehmen. Dort wird die menschliche Leistung nicht in Gewinne umgerechnet. Doch wenn alles automatisiert wird, dann geht auch die wichtigste Charakteristik der Tankstelle verloren. Daher wehren wir uns gegen Geister-Tankstellen. STOL: Warum sollen gerade die wirtschaftlich orientierten Erdölgesellschaft mithelfen?Staffler: In den Komissionen, die die Gesetze machen, sitzen die Erdölgesellschaften und nicht wir. Darum brauchen wir sie. Warum sie uns unterstützen sollten? Wir sind nicht in Amerika, wo es nur um Bilanzen und knallharte Zahlen geht. Hinter den Zahlen steht etwas. Und das hat einen Wert, der wiederum Gewinn einbringt. Davon bin ich überzeugt. STOL: Was hat Ihr Kunde letztlich davon - billigeren Sprit jedenfalls nicht?Staffler: Er ist ein Teil eines gesamten System. Wenn wir uns freuen, dass es billiger wird, weil die Tankstelle nicht mehr bemannt wir, dann soll das wohl so sein. Wir müssen uns entscheiden, in welche Richtung es geht. Wenn die Ghost-Tankstellen Wirtschaft betreiben, dann können die anderen nicht standhalten. Ich möchte aber, dass der Mensch bleibt. Und das zählt für viele Kunden sicher auch. Man hat einen persönlichen Bezug, geht zum Kaffeetrinken und Plaudern hin. Und was den Spritpreis betrifft: Für den Endkunden geht es dabei um 30-40 Euro pro Jahr. Interview: Petra Kerschbaumer