Mittwoch, 27. Juli 2016

Wirtschaftsbarometer: Gute Stimmung

Auch in der Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers bleiben die Südtiroler Unternehmen zuversichtlich, zumindest 84 Prozent davon. Die Wirtschaftstreibenden erwarten sich wachsende Umsätze und eine positive Entwicklung der Beschäftigung.

Die Südtiroler Unternehmen erwarten sich wachsende Umsätze und eine positive Entwicklung der Beschäftigung.
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Die Südtiroler Unternehmen erwarten sich wachsende Umsätze und eine positive Entwicklung der Beschäftigung. - Foto: © shutterstock

Trotz der internationalen Konjunkturlage, die immer risikoreicher wird, und eines mäßigen Aufschwungs in Italien bleiben die Südtiroler Unternehmen positiv gestimmt- das Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen (Wifo) prognostiziert eine Steigerung des Südtiroler Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent im laufenden Jahr. 

Die Ertragslage im Jahr 2016 dürfte für 84 Prozent der befragten Wirtschaftstreibenden zufriedenstellend ausfallen. Dies entspricht dem höchsten Wert seit zehn Jahren.

Umsätze sollen steigen - Vor allem Export zieht

Laut Unternehmern dürften die Umsätze 2016 steigen: Die Südtiroler Wirtschaft befindet sich auf einem Wachstumspfad und auch der italienische Markt erholt sich, wenn auch langsamer als erwartet. Vor allem gehen die Wirtschaftstreibenden von einem guten Exportgeschäft aus. Im ersten Quartal 2016 exportierte Südtirol Waren im Wert von fast 1,1 Milliarden Euro - eine Zunahme von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Positiver Trend am Arbeitsmarkt

Der Zugang zum Kredit wird derzeit positiver bewertet als in den Vormonaten, was auch die Investitionen begünstigen könnte. Ebenfalls positiv sind die Erwartungen zur Beschäftigungsentwicklung. Diese werden von den vorläufigen Daten zum Arbeitsmarkt bestätigt, zumal die Anzahl der unselbständig Beschäftigten zwischen Januar und Mai um 2,5 Prozent höher war als 2015.

Die Analyse der einzelnen Wirtschaftssektoren zeigt, dass das Geschäftsklima in fast allen Bereichen positiv ist. Besonders zuversichtlich sind die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes sowie des KFZ-Handels, wo mehr als neun von zehn Befragten mit zufriedenstellenden Erträgen rechnen.

Dienstleistungssektor schwächelt

Auch der Großhandel und das Baugewerbe, die am meisten von der Wirtschaftskrise betroffen waren, sind wieder im Schnitt der Südtiroler Wirtschaft. Einen deutlich unterdurchschnittlichen Wert zeigt hingegen der Dienstleistungssektor. Dies ist vor allem auf der schwierigen Lage der Kreditbranche zurückzuführen.

Das Vertrauensklima von Unternehmen und Konsument ist derzeit nicht nur in Südtirol, sondern allgemein auf internationaler Ebene auf einem eher hohen Niveau. Allerdings ist der entsprechende Index in Europa und besonders in Italien seit Jahresanfang sinkend, weil die Konjunkturlage weiterhin fragil ist.

Risikofaktoren könnten sich negativ auswirken

Verschiedene Probleme wirken sich negativ auf das Wirtschaftswachstum aus, beziehungsweise könnten dieses Wachstum in Zukunft beeinträchtigen. Neben der Verlangsamung des internationalen Handels, der hohen Staatsverschuldung und der Flüchtlingskrise bereiten seit einigen Wochen zusätzliche Unsicherheitsfaktoren Sorgen. Dazu zählen der "Brexit", die politische Instabilität in der Türkei, das italienische Verfassungsreferendum in Herbst und vor allem die Krise der italienischen Banken.

Letztere sind mit etwa 360 Milliarden Euro an notleidenden Krediten belastet und sollen rekapitalisiert werden, wobei eine staatliche Intervention aus EU-rechtlichen Gründen bedenklich scheint.

Derzeit liegen die Wachstumsprognosen für das italienische Bruttoinlandsprodukt bei knapp 1,0 Prozent, das tatsächliche Wachstum könnte aber aufgrund der genannten Faktoren schlechter ausfallen. Südtirols wichtigste Handelspartner Deutschland (+1,6 Prozent) und Österreich (+1,5 Prozent) werden hingegen stärker wachsen.

Aufgrund der positiven Situation der lokalen Wirtschaft und unter Berücksichtigung der italienischen und internationalen Konjunktur und der damit verbundenen Risikofaktoren geht das WIFO von einem Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandproduktes von 1,3 Prozent im Jahr 2016 aus.

Investitionstätigkeit soll gestärkt werden

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, unterstreicht die Wichtigkeit optimaler Finanzierungmöglichkeiten für die Unternehmen: „Um das Wirtschaftswachstum zu unterstützen, muss die Investitionstätigkeit der Betriebe gestärkt werden. Diesbezüglich sind innovative Instrumente wie die Mini- und Mikrobonds interessante Alternativen zum Kredit.“

stol

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