Donnerstag, 19. August 2021

Wirtschaftsbarometer Sommer 2021: Handel im langsamen Aufschwung

Die Erholung der Südtiroler und der italienischen Wirtschaft hat zu einer Verbesserung des Geschäftsklimas in allen 3 Sparten des Handels geführt: Einzelhandel, Großhandel, Kfz-Handel und Reparatur, schreibt die Handelskammer in einer Aussendung.

Der Handel erlebt einen langsamen Aufschwung im Sommer 2021.
Badge Local
Der Handel erlebt einen langsamen Aufschwung im Sommer 2021. - Foto: © Ocean
Die Unternehmen bewerten jedoch verschiedene Rahmenbedingungen weiterhin eher negativ, insbesondere was die Zahlungsmoral der Kunden betrifft. Darüber hinaus unterscheiden sich die Ertragserwartungen zwischen den verschiedenen Branchen erheblich. Dies geht aus der Sommerumfrage des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Großhandel

Am meisten Optimismus finde man im Großhandel, wo 60 Prozent der Unternehmen erwarten, dass der Umsatz heuer höher sein wird als 2020. In den Branchen „Holz und Baustoffe“, „Einrichtung und Haushaltsartikel“ und „Textil und Bekleidung“ ist das Geschäftsvolumen bereits ab März um mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, schreibt die Handelskammer weiter.




Dabei sei jedoch zu berücksichtigen, dass die Umsatzsteigerungen zum Teil auf den starken Anstieg der Preise für viele Waren, wie beispielsweise Baumaterialien, zurückzuführen sind. Die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der Ertragslage im laufenden Jahr seien positiv: 79 Prozent gehen von einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis aus. Auch die Investitionen ziehen an, insbesondere in Gebäude, Maschinen und Anlagen. Allerdings berichten die Unternehmen von einer weiterhin sinkenden Zahlungsmoral der Kunden und einer leichten Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der steigenden Kosten, heißt es weiter in der Aussendung.

Kfz-Handel und -Reparatur


Eine Verbesserung des Geschäftsklimas sei auch im Sektor „Kfz-Handel und -Reparatur“ zu beobachten, wo 9 von 10 Unternehmen heuer von einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis ausgehen. Auch hier sind die Unternehmen mit der Umsatzentwicklung zwar zufrieden, bewerten aber viele Rahmenbedingungen – wie die Kostenentwicklung, die Wettbewerbssituation, die Zahlungsmoral der Kunden und den Zugang zu Krediten – weiterhin negativ.




Die Ungewissheit über das tatsächliche Ausmaß des Aufschwungs in den kommenden Monaten spiegelt sich auch in der Investitionstätigkeit wider, die sich voraussichtlich auf dem Niveau des vergangenen Jahres stabilisieren wird.

Einzelhandel


Im Einzelhandel scheint das Geschäftsklima bescheidener zu sein, auch aufgrund der langsamen Erholung der touristischen Nächtigungen. Der Aufschwung des Umsatzes betrifft bisher nur die Südtiroler Kundschaft und auch die ersten vorläufigen Auswertungen des Sommerschlussverkaufs zeigen keine große Zufriedenheit bei den Kaufleuten. Darüber hinaus klagen die Einzelhändler über die steigenden Kosten und die verschärfte Wettbewerbslage.




Die Rentabilitätserwartungen für das Jahr 2021 sind in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich. Fast die Hälfte der Einzelhandelsunternehmen in den Warenbereichen „Textil und Bekleidung“ sowie „Kosmetik- und Pharmaprodukte“ klage immer noch über eine schlechte Ertragslage. Das Gleiche gilt für etwa ein Drittel der Unternehmen des Wanderhandels und des Fachhandels mit Lebensmitteln. Optimistischer sind dagegen die Kaufleute des Bereichs „Einrichtung und Haushaltsartikel“ sowie die Super- und Minimärkte, heißt es weiter.

Großhandel: Wichtig für gesamte Wirtschaft


Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, erinnert an die wichtige Rolle des Großhandels für die Wirtschaft: „Neben ihrer Brückenfunktion zwischen dem italienischen Markt und dem deutschsprachigen Raum versorgen die Großhandelsunternehmen die gesamte Südtiroler Wirtschaft mit Rohstoffen und Produkten. Stabile und effiziente internationale Verbindungen für den Warentransport sind deshalb für die Fortsetzung des Aufschwungs von entscheidender Bedeutung.“





Auch der hds-Präsident Philipp Moser äußert sich dazu: „Rund 7700 Betriebe im Einzel- und Großhandel sind Leistungsträger vor Ort, die Wertschöpfung und Wohlstand für unseren Lebensraum generieren. Wir brauchen dieses Unternehmertum, auch um weiterhin Arbeitsplätze zu sichern und vor allem um neue zu schaffen.“

Der Präsident der Confesercenti Südtirol, Federico Tibaldo, sagt abschließend: „Der Handel arbeitet hart daran, die von der Pandemie verursachten Verluste auszugleichen. Der Rückkehr der Touristen, die Saisonschlussverkäufe und die Sehnsucht nach Normalität fördern einen moderaten Optimismus. Wir wissen nicht, was der Herbst bringt, aber wir müssen die Probleme des Handels in all seinen Formen, einschließlich des Online-Handels, angehen. Es braucht Regeln, die den Wettbewerb und die Chancengleichheit gewährleisten und das Wachstum von Kleinst- und Kleinunternehmen ermöglichen.“

stol