Der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) sagte in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstagsausgabe), jetzt sei der „historische richtige Moment“, sich aus der Allmacht dieser privaten Einrichtungen zu lösen. Die mit quasi hoheitsrechtlichen Kompetenzen ausgestatteten Rating-Agenturen seien „ein Fehler aus den 1990er Jahren“. Regulierungsbehörden in den USA hätten diese Form der Bewertung von Zahlungsfähigkeit bei Staaten und Unternehmen den Europäern „aufgedrängt und übergestülpt“.Straubhaar appellierte an die deutsche Bundesregierung, schnellstmöglich die Dominanz der US-Rating-Agenturen zu beenden und dazu in der EU-Kommission einen Vorstoß zu starten. „Hier werden einzelne private Akteure in den Rang von Göttern in Nadelstreifen erhoben. Das ist verhängnisvoll“, warnte Straubhaar. Nach US-Grundsätzen tickende Rating-Agenturen seien für Europa völlig ungeeignet. Sie könnten Probleme nicht lösen, sondern verursachten neue.Standard & Poor's hatte zuletzt griechische Anleihen um drei Bonitätsstufen auf den Ramschstatus „CCC“ gesenkt und damit weitere Pleite-Gerüchte provoziert. „Diese Privatunternehmen treiben die Politik vor sich her und erzeugen dadurch nicht mehr, sondern weniger Stabilität“, erklärte Straubhaar. „Das muss ein Ende haben.“Der Wirtschaftswissenschaftler forderte stattdessen einen Wettbewerb vieler gleichgestellter Agenturen. Dies werde dazu führen, dass Urteile einzelner Rating-Agenturen nur noch zu einer Meinungsäußerung von mehreren würden. Auf die könne dann hören, wer wolle. Straubhaar unterstützte den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, der sich an der Griechenland-Hilfe private Gläubiger deutlich beteiligen will. „Ich stehe ganz auf seiner Seite. Wir müssen die Haftung der deutschen Steuerzahler minimieren.“ Es könne nicht sein, dass Gewinne privatisiert, Verluste aber den Steuerzahlern aufgebürdet würden, sagte er und plädierte für „mehr oder weniger sanften Druck“ auf private Gläubiger. apa/afp