Freitag, 15. Mai 2020

Wirtschaftsprüfer: „Wollen helfen, doch Rom ignoriert uns“

Verworrene Dekrete sorgen für Unmut bei den Wirtschaftsprüfern, die von Rom einen Aufschub der steuerlichen Fristen fordern: „Die Situation für die Menschen ist prekär.“

Claudio Zago, Präsident der Kammer der Wirtschaftsprüfer von Bozen.
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Claudio Zago, Präsident der Kammer der Wirtschaftsprüfer von Bozen.
Das Vorgehen der Regierung sorgt bei den Wirtschaftsprüfern Südtirols für Unverständnis; und zwar in doppelter Hinsicht: Einerseits wegen der Flut an Dekreten und Rundschreiben der letzten Monate, die ohne klare Vorgaben gelesen, übersetzt und interpretiert werden mussten. Andererseits, weil die steuerlichen Fristen vom 30. Juni 2020 nicht verschoben wurden. An dem Tag stehen nämlich Bilanzen, die Berechnung des Saldo 2019 sowie der IMU und die Erklärung der Mehrwertsteuer an.

„In unseren Kanzleien machen wir momentan nichts anderes, als komplizierte und schlecht verfasste Dekrete zu entschlüsseln, die weder uns Wirtschaftsprüfern noch unseren Kunden Sicherheit garantieren. Wir hängen mit unserer Arbeit momentan in der Luft“, moniert Claudio Zago, Präsident der Kammer der Wirtschaftsprüfer von Bozen. „Die Mitarbeiter der Kanzleien befinden sich zum Großteil noch im Homeoffice. Wir widmen dem Austausch mit unseren Kunden sehr viel Zeit, um ihnen Sicherheit zu geben und ihnen in dieser schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Situation zur Seite zu stehen.“

Die Wirtschaftsprüfer, so Zago, beklagen besonders die Tatsache, dass zahlreiche Vorschläge aus den eigenen Reihen einfach ignoriert wurden: „Rom befürchtet oft, dass unsere Vorschläge nur zur Täuschung dienen. Aber viele Menschen haben momentan nicht das Geld, um Steuern zu bezahlen. Das Geld haben sie nämlich dafür verwendet, ihre Unternehmen über Wasser zu halten oder um ihren Mitarbeitern das Geld der Lohnausgleichskasse vorzustrecken. Daher wäre es äußerst sinnvoll, wie letztes Jahr, die Fristen auf 30. September zu verschieben. So wäre wenigstens ein Minimum an Liquidität gewährleistet.“

„Außerdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Fristen im Juni auch für die Wirtschaftsprüfer einen nicht zu unterschätzenden Arbeitsaufwand bedeuten. Immerhin mussten in den letzten Monaten auch die ganzen Neuerungen aufgearbeitet werden, die sich im Zuge der Notfallgesetze angehäuft haben. Auch das würde einen Aufschub für die Steuererklärung rechtfertigen. Um nun die Fristen vom Juni einhalten zu können, muss alles in Rekordzeit abgearbeitet werden. Ehrlich gesagt wird es schwierig, das alles abzuschließen.“ Des Weiteren müsse man sich vor Augen führen, dass allein das gestern erlassene Dekret aus mehr als 250 Artikeln auf über 450 Seiten besteht.






stol