Mittwoch, 14. Oktober 2020

Wirtschaftswachstum in Südtirol: So könnte es weitergehen

Ausgehend von der gegenwärtigen Lage veröffentlicht das Landesinstitut für Statistik ASTAT die aktualisierten Schätzungen der möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Südtiroler Bruttoinlandsprodukt. Die aktualisierten Schätzungen des Südtiroler BIP für 2020 und 2021 berücksichtigen mehrere Szenarien. Für 2020 schätzt das ASTAT eine reale BIP-Wachstumsrate zwischen -6,8 und -11,3 Prozent und für 2021 zwischen +6 und +8,3 Prozent.

2 Szenarien für das Wirtschaftswachstum 2020 hat das ASTAT entworfen: Je nach dem weiteren Verlauf der Pandemie.
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2 Szenarien für das Wirtschaftswachstum 2020 hat das ASTAT entworfen: Je nach dem weiteren Verlauf der Pandemie. - Foto: © shutterstock
Nach einer vorübergehenden Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19 zu Beginn des Sommers, hat die Pandemie mit der Öffnung der Grenzen und später der Schulen und mit dem damit verbundenen intensiveren Personenverkehr ihren Lauf in ganz Europa wieder aufgenommen. Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben daher sehr unsicher und hängen weitgehend vom Verlauf der Pandemie sowie von der Entwicklung eines möglichen Impfstoffs, seiner Wirksamkeit und der Geschwindigkeit seiner Verteilung ab.

Wie die anderen europäischen Regionen verzeichnet auch Südtirol seit Mitte August einen Zuwachs an neuen Fällen, was eine Revidierung der Schätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung für 2020 und 2021 erfordert hat. Die bereits veröffentlichten Prognosen wurden daher auf der Grundlage der vom ISTAT im Mai veröffentlichten neuen Daten aktualisiert, wobei versucht wurde, die jüngste Entwicklung der Pandemie zu berücksichtigen. Insbesondere wurden 2 getrennte Szenarien für das Jahr 2020 entworfen.



Für das 1. Szenario wird eine ähnliche Ausbreitung des Virus wie in den letzten anderthalb Monaten angenommen; eine Situation, die daher sowohl die Mobilität innerhalb des Staatsgebiets als auch die
Ausübung der Erwerbstätigkeit vorsieht, wenn auch mit einigen Verlusten im Vergleich zu den Vorjahren, z.B. bedingt durch kleinere Touristenströme aus Drittländern und den Rückgang einiger Tätigkeiten aufgrund einer geringeren Konsum- und Bewegungsneigung der Menschen. Bei diesem Szenario läge der Verlust bei -6,8 Prozent und somit etwas höher als Ende Mai geschätzt.

Im 2. Szenario wird dagegen von einer allmählichen Zunahme der Ansteckung ab Mitte Oktober ausgegangen, was weitere restriktive Maßnahmen erfordern würde. Der geschätzte Verlustbereich liegt zwischen -7,2 und -11,3 Prozent und berücksichtigt mehrere mögliche Schließungsszenarien. Ein mäßiger Verlust wäre das Ergebnis von Maßnahmen wie einer stufenweisen Rückkehr zu agilen Arbeitsmethoden,
weniger Tourismus und einem Rückgang des Besuchs von Versammlungsorten wie Restaurants und Bars, aber ohne Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Mit der Verschärfung der Eindämmungsmaßnahmen wird ein substanziellerer Rückgang des BIP bis zu -11,3 Prozent erwartet, unter der Annahme eines erneuten vollständigen Lockdowns, wie er im März erfolgte und einer allmählichen Wiederöffnung erst ab Mitte/Ende Dezember - ein Szenario, das jedoch unwahrscheinlich ist.

Auch die Prognosen für 2021 sind ungewiss. Die berücksichtigten Schätzungen gehen von einem vom Virus nicht eingeschränkten wirtschaftlichen Szenario aus. Dies könnte erreicht werden, wenn man von einer Impfstoffverteilung ab Anfang 2021 oder einer geringeren oder weniger aggressiven Ausbreitung des Virus ausgeht.

Die ursprüngliche Schätzung für 2021 von +5,1Prozent wurde nach oben revidiert (+6 Prozent). Geht man stattdessen von einem erneuten Lockdown im Jahr 2020 und damit von einem durchschnittlichen Gesamtrückgang des BIP um -10,0 Prozent im Jahr 2020 aus, würde das Wachstum im Jahr 2021 +8,3 Prozent betragen.

Diese Schätzungen gelten laut ASTAT für die aktuelle Situation und könnten aufgrund neuer Bestimmungen und des Pandemieverlaufes entsprechend aktualisiert werden.

stol