China ist in der Tintenfisch-Fischerei weltweit führend. Im Jahr 2023 fing die chinesische Flotte 1,1 Millionen Tonnen Tintenfische, rund ein Drittel der weltweiten Fangmenge. Hunderte Schiffe der chinesischen Tintenfisch-Flotte kreuzen EJF zufolge ab „Meile 201“ in den internationalen Gewässern des Atlantischen, Pazifischen und Indischen Ozeans. Das heißt, sie fischen vor den Küsten traditioneller Fanggebiete wie Peru und Chile nur knapp außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer, welche bis zur 200-Meilen-Grenze reichen.<BR /><BR />Dank der umstrittenen Praxis, den Fang mitten im Ozean auf große Kühlschiffe umzuladen, würden chinesische Schiffe bis zu zwei Jahre ununterbrochen fernab der Häfen auf hoher See und somit auch fernab jeglicher Kontrolle bleiben, so EJF. Die Umweltorganisation Greenpeace beschreibt das Umladen auf hoher See als sehr schwer kontrollierbar. Oft diene es dazu, nicht rechtmäßige Fänge zu verschleiern, indem auf den Kühlschiffen illegal gefangener mit legal gefangenem Fisch vermengt werde.<BR /><BR />Die Fänge der chinesischen Tintenfisch-Flotte landen Informationen der Verbraucherzentrale zufolge in großem Stil auch in Europa. Dabei sind offenbar rund 95 Prozent des gehandelten Tintenfischs tiefgekühlt oder wieder aufgetaut. Italien habe 2024 gefrorene Calamari im Gesamtwert von 642 Millionen Euro importiert. 2025 hätten die italienischen Importe aus China 42 Millionen Euro und jene aus Spanien 195 Millionen Euro ausgemacht. <BR /><BR />„Zwar ist in der EU bereits seit 2008 die Verordnung gegen illegale, unregulierte und ungemeldete Fischerei in Kraft. Weil aber wirksamere Kontrollen fehlen und die Importe von Tintenfisch nicht vollständig rückverfolgbar sind, landen offenbar noch immer problematische Fischereiprodukte auf den Tellern der Europäerinnen“, so das ernüchternde Resümee von Silke Raffeiner, der Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol.