<BR />Das Thema leistbares Wohnen ist seit Jahren ein Dauerbrenner in Südtirol. Das Forschungszentrum Eurac Research und das Landesinstituts für Statistik (Astat) haben sich nun genauer angeschaut, wie die Südtiroler darüber denken und dafür 954 Personen befragt. <h3> Hohe Immobilienpreise sind größtes Problem</h3>Wenig überraschend zeigt die Studie zunächst einmal, dass 80 Prozent der Südtiroler die hohen Immobilien- und Mietpreise als das mit Abstand drängendste Problem im Bereich des Wohnens und Bauens erachten. Aber auch die hohen Kreditzinsen und die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten, ein Darlehen zu erhalten, sind für viele – 39 Prozent – ein Problem. <BR /><BR />Kritisch sehen ähnlich viele (38 Prozent) den hohen Anteil an Zweit- und Ferienwohnungen, aber auch Immobilienspekulation sowie Leerstand und ungenutzter Wohnraum. Ein Viertel der Befragten bezeichnet hingegen die bürokratischen Hürden als Herausforderung, etwas mehr als ein Fünftel nannte die als unzureichend empfundene Unterstützung für einkommensschwache Menschen als Problem.<h3> Nur ein Fünftel kann Wohnkosten locker zahlen</h3>Doch nicht nur Mieten und Kreditrückzahlungen tragen zum steigenden Wohnkostendruck bei, sondern auch verschiedene laufende Kosten rund um das Wohnen, etwa Strom- und Heizkosten sowie andere Nebenkosten. <BR />„Aus diesem Grund haben wir die Frage gestellt, wie einfach oder schwierig es für die Befragten im Jahr 2023 war, die gesamten Wohnkosten ihres Haushalts zu bewältigen“, sagt Christoph Kircher, Soziologe am Center for Advanced Studies von Eurac Research. <BR /><BR />Ergebnis: Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, dass dies „eher schwierig“ oder „sehr schwierig“ für sie ist. Nur ein Fünftel der Südtiroler kann laut der Umfrage seine Wohnkosten problemlos bestreiten. <BR /><BR />Was die Studie auch zeigt: Mieter haben im Vergleich zu Personen, die im Eigenheim wohnen, häufiger Schwierigkeiten, ihre Wohnkosten zu tragen (52 Prozent vs. 32 Prozent).<h3> Ruf nach höherer Besteuerung von Zweitwohnungen</h3>Doch wie könnte man mehr Wohnraum schaffen? Wo würden die Südtiroler ansetzen, wenn sie könnten? Der Großteil - 69 Prozent – würde Zweit- und Ferienwohnungen deutlich höher besteuern. <BR /><BR />Gespalten sind die Meinungen hingegen zur Frage, ob es Immobilienbesitzern frei stehen soll, ihre Immobilie leer stehen zu lassen. „43 Prozent der Befragten lehnen dies ab, was darauf hindeutet, dass viele Südtirolerinnen und Südtiroler Eigentum auch mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinden. 36 Prozent hingegen stimmen der Aussage zu, was zeigt, dass das Recht auf Eigentumsfreiheit für einen bedeutenden Teil der Bevölkerung weiterhin eine hohe Priorität hat“, erklären die Autoren der Studie. <h3> Vertrauen in die Politik sinkt</h3>Wenn die Menschen sich das Wohnen nur schwer leisten können, dann hat das zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Gesellschaft. „Hohe finanzielle Belastungen aufgrund der Wohnkosten betreffen unmittelbar die Existenzgrundlage der Haushalte und haben daher ein besonders großes Gewicht – und das nicht nur auf individueller, sondern gesamtgesellschaftlicher Ebene. Wohnpolitik ist deshalb auch ein zentrales Werkzeug für sozialen Zusammenhalt“, betont Kircher. <BR /><BR />So zeigt die Studie von Astat und Eurac auch, dass Menschen, die unter den Wohnkosten stärker leiden, weniger Vertrauen in die Politik haben. Und sie fühlen sich weniger verbunden mit ihrem Umfeld. <BR />In der Umfrage haben solche Menschen zum Beispiel seltener der Aussage zugestimmt, dass die Menschen in ihrem Dorf oder Stadtteil gut miteinander auskommen oder vertrauenswürdig sind. <BR /><BR />Prekäre Wohnverhältnisse können somit auch das soziale Miteinander und den Zusammenhalt vor Ort belasten, wie es vonseiten der Studienautoren heißt.