<BR /><b>Österreich hat zwei Rezessionsjahre hinter sich. Vergangenes Jahr ein marginales Wachstum von 0,5 Prozent. Was hat der österreichischen Wirtschaft zugesetzt?</b><BR />Wolfgang Hattmannsdorfer: Es ist die Frage der Wettbewerbsfähigkeit, wo wir massiv in den letzten Jahren verloren haben, gerade was die Energiepreise, aber auch die Lohnstückkosten betrifft. Bei den Lohnstückkosten haben wir in den letzten zwei Jahren in Österreich ein Plus von 20 Prozent gehabt. Im EU-Schnitt nur plus 11 Prozent. Das hat gerade für eine so exportgetriebene Wirtschaft wie Österreich massive Auswirkungen. Der zweite Bereich waren die hohen Energiekosten. Hier haben wir gehandelt und die Strommarktreform zustande gebracht. Und wir merken jetzt erstmals, dass Energie vom Inflationstreiber zum Inflationsdämpfer wird. Im Jänner ist die Inflation auf 2,0 Prozent gesunken. <BR /><BR /><b>Vor Kurzem haben Sie eine umfassende Industriestrategie vorgestellt. Was sind die wichtigsten Schlüsselpunkte?</b><BR />Hattmannsdorfer: Erstens, wir wollen wieder Top-10-Industrieland der Welt werden und den Anteil der Industrie am BIP von 16 auf 20 Prozent wieder steigern. Zweitens, wir setzen ganz intensiv auf Innovation, Forschung und Schlüsseltechnologien. Wir haben neun Schlüsseltechnologien definiert, bei denen wir den Anspruch haben, weltweit ganz vorne mitzuspielen. Darunter Photonik, Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik, Chips, Robotik oder Umwelttechnologien. Drittens, die Wettbewerbsfähigkeit. Wir werden ab nächstem Jahr einen eigenen Industriestrompreis einführen, um den Preisunterschied zwischen Deutschland und Österreich aufzulösen.<BR /><BR /><b>Welche Strategie braucht es auf EU-Ebene?</b><BR />Hattmannsdorfer: Grundsätzlich wieder mehr Wettbewerbsorientierung auf europäischer Ebene. Hier wurden in den letzten Jahren Fehler gemacht. Wir haben uns mehr mit Themen der Galerie aufgehalten, als mit wirklich entscheidenden Wettbewerbsfragen.<BR />Das heißt, Wirtschaftspolitik muss wieder Top-Priorität werden.<BR /><BR /><b> Was heißt das konkret?</b><BR />Hattmannsdorfer: Europa muss unabhängiger von den USA werden, gerade im Bereich der digitalen Dienstleistungen und der Energieversorgung. Unsere Unternehmen bis hin zur öffentlichen Verwaltung sind zu stark von den IT-Dienstleistungen der USA abhängig. Das fängt bei Cloudlösungen an, geht über Rechenzentren bis hin zu klassischer Software. Dasselbe gilt auch bei der Energie: Mich sorgt es, dass 60 Prozent der LNG-Importe in Europa mittlerweile aus den USA kommen. Wir haben uns unabhängiger gemacht von Russland, laufen aber gerade Gefahr, dass wir in eine andere Abhängigkeit schlittern. Wir müssen also zum einen unsere Handelsbeziehungen diversifizieren und Handelsabkommen rasch abschließen. Für uns ist jetzt entscheidend, nach Mercosur und Indien, dass man einen Fokus auf die Golfregion, die Golfanrainerstaaten, auf Südostasien mit Schwerpunkt Malaysia und auf Australien legt. Zum anderen müssen wir aber auch unseren Binnen- und Kapitalmarkt stärken.<BR /><BR /><b>Wie wichtig ist der Außenhandel zwischen Südtirol und Österreich und wo kann man mehr zusammenarbeiten? </b><BR />Hattmannsdorfer: Südtirol ist ein ganz wichtiger Exportpartner. Zehn Prozent unseres totalen Exports von Österreich gehen nach Südtirol. Ich denke, dass wir in Summe wirtschaftlich stärker zusammenrücken sollten. Wir denken im ersten Schritt eher an den gegenseitigen Tourismus, obwohl wir noch viel größere Chancen hätten.<h3> Hintergrund</h3>Der österreichische Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus, Wolfgang Hattmannsdorfer, war dieser Tage zu Besuch in Südtirol. Nach seinem Besuch der Olympiabewerbe am Wochenende setzte er seinen Aufenthalt am Montag mit einem Empfang im Bozner Unternehmen Markas fort. Dort diskutierte er mit den Landesräten Luis Walcher und Marco Galateo, Handelskammerpräsident Michl Ebner sowie mit UVS-Präsident Alexander Rieper und UVS-Vizepräsidentin Evelyn Kirchmaier über wirtschaftliche Parallelen zwischen Südtirol und Österreich sowie über aktuelle Herausforderungen für beide Wirtschaftsstandorte. Anschließend ging es weiter in den Landtag zu einem Treffen mit Landeshauptmann Arno Kompatscher.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1273440_image" /></div> <BR />Im Bild oben (von links): <Fett>Michael Rendi,</Fett> österreichischer Botschafter in Italien, UVS-Präsident <Fett>Alexander Rieper</Fett>, die Landesräte <Fett>Luis Walcher</Fett> und <Fett>Marco Galateo</Fett>, UVS-Vizepräsidentin E<Fett>velyn Kirchmaier,</Fett> Bundesminister <Fett>Wolfgang Hattmannsdorfer</Fett>, Markas-CEO <Fett>Christoph Kasslatter</Fett>, Handelskammerpräsident <Fett>Michl Ebner.</Fett>