Freitag, 02. Februar 2018

Wütende Handwerker fordern Antworten

lvh-Präsident Gert Lanz hat sich am Donnerstag klar gegen die Entscheidung des Landes ausgesprochen, das Amt für Handwerk mit dem Handwerk für Industrie zusammenzulegen. Die Zusammenlegung der zwei Ämter Handwerk und Industrie ruft auch am Freitag laute Proteste unter den Südtiroler Handwerkern hervor.

lvh-Präsident Gert Lanz hat sich am Donnerstag klar gegen die Entscheidung des Landes ausgesprochen, das Amt für Handwerk mit dem Handwerk für Industrie zusammenzulegen.
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lvh-Präsident Gert Lanz hat sich am Donnerstag klar gegen die Entscheidung des Landes ausgesprochen, das Amt für Handwerk mit dem Handwerk für Industrie zusammenzulegen.

Der Bezirksausschuss Wipptal etwa stellt sich geschlossen hinter lvh-Präsident Gert Lanz: Auch die Wipptaler Handwerker zeigen sich wütend, dass zukünftig die Belange und Interessen des Handwerks, die viel unterschiedlicher als jene der Industrie sind, am selben Tisch diskutiert werden sollen. (STOL hat berichtet)

„Dieses Vorhaben kann nicht funktionieren. Wir stehen in dieser Thematik voll hinter unserem Präsident”, betont lvh-Bezirksobfrau im Wipptal Petra Holzer. Enttäuscht ist man dort vor allem über die Tatsache, dass diese Entscheidung getroffen wurde, ohne auch nur mit einem Vertreter aus dem Handwerk zu sprechen. Vielleicht hat diese Bekanntmachung das Faß auch zum Überlaufen gebracht.

Petra Holzer. - Foto: lvh

„Unsere Vorschläge wurden unter den Tisch gekehrt“

„Im Grunde sind unsere Vorschläge und Notwendigkeiten auch beim Raumordnungsgesetz oder der Wirtschaftsförderung unter den Tisch gekehrt werden. Die effektiven Entscheidungen wurden ohne das Handwerk getroffen”, sagt Holzer. Eins sei klar: mit solchen Beschlüssen werde ein wichtiger Leistungsträger und unverzichtbarer Ausbilder und Arbeitgeber stark benachteiligt. „Dieser Aufgabe werden die Handwerker irgendwann nicht mehr nachkommen können, wenn der Sektor nicht entsprechend vertreten und geschützt wird“, ist der Wipptaler Bezirksausschuss überzeugt.  

„Beantworten Sie uns doch bitte einige Fragen, Herr Präsident“

Die Aussagen des UVS-Unternehmerverbandes in der aktuellen Ausgabe der „Dolomiten“ bringen die Südtiroler Handwerker weiter auf die Barrikaden. „Wir sitzen im selben Boot und sollten uns für gemeinsame Interessen einsetzen? Dann beantworten Sie uns doch bitte einige Fragen Herr Präsident“, fordern Paul Niederkofler, lvh-Bezirksobmann im Oberpustertal und Gerhard Resch, lvh-Bezirksobmann von Bozen Land.

Gerhard Resch. - Foto: lvh

Geradezu veralbert fühlen sich die lvh-Spitzenvertreter durch die Aussagen von Federico Giudiceandra, Präsident im Südtiroler Unternehmerverband. „Wenn die Industrie schon so viel gemeinsam hat mit dem Handwerk, fragen wir uns: Warum hat sich die Industrie jahrelang gegen die Aufteilung in Lose und Gewerke bei den öffentlichen Aufträgen ausgesprochen? Warum pfeifen die großen Industriebetriebe auf die Beibehaltung der Dienstwohnung im Rahmen des neuen Urbanistikgesetzes?

Paul Niederkofler. - Foto: lvh

Warum hat die Industrie vor drei Jahren die Ausbildungsprämie für Lehrlinge blockiert und sucht nun verzweifelt nach Fachkräften, nein schlimmer noch: sie werben sie sogar vom Handwerk ab! Warum hat sich die Industrie gegen die Förderbeiträge ausgesprochen? Warum wurde das Handwerk als gleichwertiger Partner in der Bauarbeiterkassa boykottiert?

Warum ist es im Handwerk nicht möglich die Lehrzeit der dreijährigen Lehrberufe auf vier Jahre anzuheben während die Industrie sich Berufsschulen aussucht und dort spezifische Lehrgänge für ihren Sektor organisiert? Und Stichwort Technologiepark: jahrelang hat das Handwerk das Projekt befürwortet, die Industrie baut sich dann ihren eigenen Technologiepark im Pustertal, um ihre Interessen und Bedürfnisse umzusetzen.

Und übrigens: Wieso kassiert die Industrie über Mitgliedsbeiträge von Landesgesellschaften indirekt öffentliche Gelder? Von Sensibilität und Nähe zum anderen kann hier ja kaum die Rede sein“, bringen es Resch und Niederkofler auf den Punkt. Verschlankungen und Optimierungen seien nur dann begrüßenswert, wenn sie mit Hausverstand und realistischen Zielen verbunden sind.

stol

stol