<b>STOL: Herr Giudiceandrea, weniger arbeiten, um sich mehr der Familie und der Freizeit widmen zu können: Diesen Wunsch hegen offenbar nicht wenige Südtiroler, wie aus einer AFI-Studie hervorgeht <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/die-suedtiroler-wollen-weniger-arbeiten-was-bedeutet-das-fuer-die-zukunft" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Hier lesen Sie mehr dazu).</a> Zudem gibt es in Südtirol derzeit 12.000 inaktive Arbeitskräfte, also Personen die ihren unbefristeten Job freiwillige gekündigt haben. Was sagen Sie als SWR-Präsident zu dieser Entwicklung?</b><BR />Federico Giudiceandrea: Das sind jetzt die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, das ist sozusagen auch ein Long-Covid-Phänomen (lacht). <BR /><BR /><embed id="dtext86-56558638_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>STOL: Wie meinen Sie das?</b><BR />Giudiceandrea: Die Pandemie war eine Art Zäsur, die zum Teil auch unser Gesellschafts- und Arbeitsmodell infrage stellt. Dem wird man künftig auch Rechnung tragen müssen. <BR /><BR /><BR /><b>STOL: Man sollte also eine verkürzte Arbeitswoche einführen?</b><BR />Giudiceandrea: Das wird sicherlich nicht bei allen Berufen möglich sein. Aber bei jenen Berufen, wo man es durchsetzen könnte, wäre es durchaus vorstellbar.<BR /><BR /><embed id="dtext86-56558639_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>STOL: Wie könnte man sich das vorstellen?</b><BR />Giudiceandrea: Dass man beispielsweise 4 Tage lang 10 oder mehr Stunden pro Tag arbeitet, dafür aber dann ein paar Tage hintereinander frei hat. Zudem wird man sich dem Phänomen Smart Working immer mehr stellen müssen, oder auch dem Co-Working-Space. Das wäre ein gutes Modell für ländliche Gebiete, damit man lange Anfahrtszeiten zum Arbeitsplatz vermeiden kann. Aber der Wunsch, generell weniger zu arbeiten ist ein zusätzliches Problem für die Wirtschaft. <BR /><b><BR />STOL: Sie meinen zusätzlich zum aktuellen Arbeitskräftemangel?</b><BR />Giudiceandrea: Genau. Es ist ja ohnehin schon so, dass man sich quer durch alle Branchen schwertut, Mitarbeiter zu finden. <BR /><BR /><b>STOL: Wie lautet Ihr Vorschlag?</b><BR />Giudiceandrea: Wie gesagt: Man wird die Arbeitsmodelle zum Teil anpassen und auf die geänderten Bedürfnisse der Bürger eingehen müssen. Das oberste Ziel muss aber die Produktivität und die Leistung bleiben. Denn auch wenn sich die Arbeitsmodelle verändern, ein Unternehmen lebt von der Produktivität und der Leistung der Mitarbeiter, das wird sich auch künftig nicht ändern und nicht ändern können. <BR /><BR />