Donnerstag, 21. September 2017

Zahlungen: Karte oder Strafe

Wer gerade kein Geld in der Brieftasche hat, zahlt mit Karte. Doch nicht überall ist das möglich. Das soll sich im Rahmen der Umsetzung der EU-Richtlinie zu Zahlungsdiensten (PSD-2) ändern.

Auch die kleinsten Beträge sollen künftig mit Karte gezahlt werden.
Auch die kleinsten Beträge sollen künftig mit Karte gezahlt werden.

Die EU bemüht sich seit einiger Zeit darum, Hürden für Kartenzahlungen abzubauen und die Bezahlung mit POS-, Debit- und Kreditkarten für jedermann zu ermöglichen. Im Rahmen der ersten Richtlinie (PSD-1) wurde unter anderem die Interchange Fee auf 0,2 Prozent bei POS-Zahlungen und 0,3 Prozent für Kreditkartenzahlungen gedeckelt. Diese Interbankenentgelte stellt die Bank des Kunden der Bank des Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Die Bank zieht diese Gebühr von dem Zahlbetrag des Händlers ab.

Freilich davon nicht betroffen sind andere Kommissionen, zum Beispiel an die Kreditkartengesellschaft. Ein Grund, warum Geschäfte und Dienstleister jeder Art noch manches Mal keine Kreditkarten akzeptieren.

Dies soll bald jedoch nicht mehr möglich sein. Bis Ende 2020 haben die EU-Mitgliedsländer nun Zeit, die überarbeitete EU-Richtlinie (PSD-2) in nationales Recht umzuwandeln. Im Rahmen der Umsetzung der neuen Regeln, sollen alle Betriebe dazu verpflichtet werden, Zahlungen mit Karten anzunehmen – auch bei Kleinstbeträgen.

„Es gibt diese Pflicht zwar schon seit einigen Jahren in Italien, aber bislang wurde die Nichteinhaltung nicht sanktioniert. Dadurch war sie weitgehend wirkungslos“, weiß Ulrich Euthum, Leiter der Abteilung Zahlungsflüsse in der Raiffeisen Landesbank. Nun will der Gesetzgeber einen Schritt weiter gehen: Geplant ist eine Strafe von bis zu 30 Euro je Zahlungsvorgang für Betriebe, die ihren Kunden das Recht auf Kartenzahlung nicht einräumen wollen.

„Auf diese Weise will man Konsumenten vermehrt dazu bringen, auch bei Kleinstbeträgen auf bargeldlose Zahlungsmittel zurückzugreifen.“ In dieselbe Richtung gehe auch die Idee, die Maximalsätze bei der Interchange Fee bei inländischen Kartenzahlungen von bis zu 5 Euro zu senken. „Die Marschrichtung, die Europa vorgibt, ist klar: Man will Kartenzahlungen fördern. Aus italienischer Sicht auch nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Bankitalia die Produktion und Verwaltung von Bargeld im Jahr rund 10 Milliarden Euro kostet“, so Euthum.

D/hil

stol