„Gerade die öffentliche Hand muss beispielgebend sein, die Liquiditätssituation der Unternehmen positiv zu beeinflussen. Durch fristgerechte bzw. frühere Zahlungen schafft sie zudem für die Betriebe Planungssicherheit“, unterstreicht Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen.Nicht nur zwischen Banken, sondern auch zwischen den Unternehmen fließt das Geld derzeit nur schleppend. Nach wie vor klagen Betriebe über mangelnde Liquidität, eine sinkende Zahlungsmoral und schwindende Kundenbonität. Es sind dies Probleme, welche die Südtiroler Wirtschaft seit nunmehr drei Jahren begleiten. Zwar hat sich die Situation im Jahr 2011 nicht dramatisch verschlechtert, sie bleibt aber nach wie vor angespannt. Dies bestätigen auch die Einschätzungen der rund 1.200 Südtiroler Unternehmen, die im Rahmen des letzten WIFO-Wirtschaftsbarometers befragt wurden. Die Mehrheit der Befragten (74 Prozent) sah die Zahlungsmoral bzw. die Kundenbonität im Jahr 2011 unverändert zu 2010. Immerhin 21 Prozent gaben an, sie hätte sich weiter verschlechtert. Nur 5 Prozent sahen hingegen eine Besserung der Situation. Teufelskreis ist die FolgeLosgetreten wird dabei ein Teufelskreis: Zahlen die eigenen Kunden später, so tendiert man, die Rechnungen der eigenen Lieferanten ebenfalls auf die lange Bank zu schieben. Diese wiederum handeln entsprechend bei ihren Lieferanten. Das erschwerte Inkasso kostet nicht nur Zeit, sondern vor allem die eigene Bonität (Glaubwürdigkeit) vor den Kreditgebern. Die Folge: Banken räumen nur zu erschwerten Bedingungen oder im schlimmsten Fall überhaupt keinen Kredit ein.Handelskammer: Öffentliche Verwaltung kan Beitrag leistenEinen kleinen Beitrag, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, kann auch die öffentliche Verwaltung leisten. Die Ausstände, die die Privatwirtschaft mit der öffentlichen Hand hat, gelten zwar als „sicheres Geld“, welches allerdings laut Rückmeldungen der Unternehmen oft erst mit großer Verzögerung ausbezahlt wird. Die Unsicherheit für die Unternehmen, wann mit dem Geld zu rechnen ist, erschwert die Liquiditäts- und Cash-Flow-Planung. Insofern wäre den Unternehmen in der aktuellen Wirtschaftsphase sehr geholfen, wenn die öffentliche Hand alles daran setzen würde, offene Rechnungen so rasch als möglich zu bezahlen. Aus dieser Überzeugung bezahlt beispielsweise die Handelskammer Bozen bereits seit der „Wirtschaftsoffensive 2009“ alle ihre Eingangsrechnungen bei Sicht.Diese Notwendigkeit erkannt hat auch das EU-Parlament. Noch im Jahr 2010 wurde eine Richtlinie verabschiedet, die darauf abzielt, dass Zahlungen innerhalb von 30 Tagen erfolgen müssen. Diese Richtlinie muss innerhalb 2013 in nationales Gesetz umgesetzt werden. Die EU-Kommission möchte den Termin allerdings auf März 2012 vorziehen.